Abdullah Bubenheim aus Amman schrieb am 08.10.2008
Ich empfehle Architekten, die in Europa Moscheen bauen möchten, auch Jordanien zu besuchen und sich dort einige der neu errichteten Moscheen anzusehen. Die dort vorherrschende Lösung für den Mimbar (Kanzel), daß dieser über in einem Halbkreis hinter dem Mihrab (Gebetsnische) verlaufende Stufen durch eine links des Mihrab gelegene Tür zu erreichen ist, vermeidet es, daß die ersten Gebetsreihen wegen dieser Treppe unterbrochen werden müssen, wie dies bei den traditionellen türkischen, in ihren Ausmaßen für niedrigere Räume häufig zu hohen Mimbaren der Fall ist. In der „Tillâwî-Moschee“ in der Hauptstadt Amman mit ihren zwei Minaretten bspw. haben wir einen riesigen mit traditionellen syrischen Mosaik- und ägyptischen Drechselarbeiten verzierten Gebetssaal mit in über Mannshöhe angesetzten großen modernen Bogenfenstern. Durch die stabile Stahlträgerkonstruktion des Flachdachs kommt dieser Gebetsraum ohne eine einzige Säule aus und vermag dennoch die große Kuppel zu tragen. Auch wenn das Minarett in Deutschland nicht zur akustischen Verbreitung des Gebetsrufs dient, ist es dennoch ein äußeres Kennzeichen, das von außerhalb anreisenden ortsunkundigen Besuchern zur besseren Orientierung dienen kann, um die Moschee leichter zu finden, wobei allerdings der im Maghreb vorherrschende Stil weniger fremdartig wirken würde, wenn man bedenkt, daß in Spanien nach der Reconquista die von den Moscheen übriggebliebenen Minarette ohne große bauliche Veränderungen in Kirchtürme umgewandelt wurden.