Islam in Deutschland: Wer hat die Organisationshoheit?
(iz). Die Debatte um die "Muslime in Deutschland" ist - wie Daniel Bax in der taz heute zu Recht feststellt - vor allem eine Debatte um die Deutungshoheit. mehr ...
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Sie sind hier: Home >> >> Die deutsche Islam Konferenz hat stattgefunden. Von Wolf D. Ahmed Aries, Hannover

29.06.2009 Die deutsche Islam Konferenz hat stattgefunden. Von Wolf D. Ahmed Aries, Hannover

"Die Debatte": War es das?

(iz) Es ist schwer zu sagen, was die Deutsche Islamkonferenz war: Schlichter Unsinn, eine PR-Veranstaltung oder ein offener Diskurs, den man auch als "Dialog" bezeichnen könnte? Die öffentlichen Statements der Beteiligten sagen nichts darüber, weil ein jeder, den die Journalisten befragen, seinen hinlänglich bekannten Standpunkt wiederholt.
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Das, was zu bewundern bleibt, ist der Mut eines Bundesinnenministers, etwas in die Öffentlichkeit geholt zu haben, was sich seit dreißig Jahren entwickelt hat, aber von niemandem zur Kenntnis genommen worden ist. Es ist das Bemühen der Muslime, mit ihrer Mehrheitsgesellschaft ins Gespräch zu kommen. Diese Zeitung gehört ebenso dazu wie die vielen lokalen Begegnungen, Kurse in Familienbildungsstätten oder Volkshochschulen, die Tage der offenen Tür und Islamwochen, die universitären Lehrstühle und natürlich die gerichtlichen Auseinandersetzungen, in denen Muslime ihre Rechte einforderten.

Aber warum bedurfte es des Aufwands von zwei Jahren, um den bereits öffentlichen Diskurs zwischen Mehrheit und ihrer Minderheit öffentlich werden zu lassen. Offenbar war der bisherige Diskurs kein herrschaftsfreier Diskurs, sondern einer, dessen Themen die Mehrheit unabhängig von der Minderheit vorgab? Hat sich dies nun geändert?

Das Duisburger Steinheim Institut hatte schon vor zwei Jahren gefragt, ob die Einladenden im BMI nicht schlicht das wiederholten, was Napoleon I. 1807 mit seiner Einladung zum „Großen Sanhedrin“ bereits vorgemacht hatte? Damals hatte der Kaiser versucht, durch eine Zwangsversammlung der rabbinischen Vielfalt eine gemeinsame (politische) Struktur zu geben. Dies probierte 2007 auch die DIK. Dem Diktator gelang es ebenso wenig wie der demokratisch verfassten Gesellschaft der Gegenwart. Denn es geht gar nicht um politische Fragen, sondern um die unterschiedliche Verfasstheiten religiöser Gemeinschaften.

Muslime haben zu keiner Zeit ihrer Geistesgeschichte die Neigung zu einer Hierarchie entwickelt, wozu sie mindestens zweimal die Gelegenheit gehabt hätten: Zum einen nach der Entscheidung in Siffin, als Mu'awija die Macht eines (politischen) Herrschers übernahm, und zum anderen als die türkische Nationalversammlung das Khalifat abschaffte. Der kemalistische Weg in den Staatsislam hatte auch nicht die Konsequenz, dass eine Institution mit verbindlicher Lehrautorität entstand, wenn auch manche davon träumen mögen, dass die DIYANET eine Art Vatikan werden möge. Und manche Europäer meinen, einem nationalen Mufti die gleiche Stellung zuschreiben zu können wie einem christlichen Patriarchen oder dem Papst.

Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit, die Friedrich Wilhelm Graf in seinem Eröffnungsvortrag im März dieses Jahres in München herausarbeitete: Die Muslime haben in ihrer Geistesgeschichte nicht die gleiche Entwicklung wie der Protestantismus des 19. Jahrhundertes durchlaufen: den Weg in die Innerlichkeit. Sie blieben und sind Orthopraktiker. Ihre Diskussionen und Fatwas drehen sich um das Rechte von der Absicht des Handelnden geleitete Verhalten des Gläubigen. Die Theologie, Kalam, spielt im Alltag der Muslime eine nachgeordnete Rolle. Die Tagesordnung der DIK nannte wichtigere Themen: den Schwimmunterricht, die innere Sicherheit, den Religionsunterricht, den Ansprechpartner, die Höhe der Minarette etc.

So konnte es niemanden verwundern, dass die Reise des Ministers zu den Gelehrten im Vorderen Orient vergeblich war, was haben diese mit innerdeutschen Sorgen zu tun? Diese müssen die Deutschen mit ihren Muslimen selber lösen. Aber da scheint sich nur im Bundesland Niedersachsen eine Bewegung anzudeuten, weil dort eine landeseigene Schura mit der Regierung und dem Landesparlament spricht. In anderen Bundesländern begnügen sich die Verantwortlichen mit Modellversuchen des Religionsunterrichtes sowie den politischen „Sonntagsreden“, die keinen Stammwähler vergraulen, aber neue Wähler anziehen könnten. Schließlich stehen Wahlen vor der Tür.

In diesem Zusammenhang mag es erbaulich sein, wenn man in die Archive geht, um in den islamischen Zeitschriften früherer Jahre nachzulesen, was Muslime damals schrieben. „Der Islam“ und die „Moslemische Revue“ waren sich trotz aller Gegensätze darin einig, dass der Islam in den deutschen Diskurs gehöre. Nun da scheint er eine Generation später angekommen zu sein.

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IZ erklärt Deutschland: Denunziation
Unter Denunziation (lat. denuntiare „absprechend berichten, Anzeige/Meldung machen“) versteht man die häufig anonyme Beschuldigung einer Person hinter deren Rücken durch jemanden, dessen Dienst- oder Rechtspflicht dies nicht ist. Im ethischen Sinn wird allgemein von Denunziation gesprochen, wenn in einem nicht freiheitlichen System Menschen bei staatlichen Vollzugsbehörden angezeigt werden, obwohl dem Anzeigenden klar sein muss, dass er sie damit der Gefahr der politisch motivierten Verfolgung aussetzt. Eine Denunziation unter Kindern oder Schülern wird umgangssprachlich als Petzen bezeichnet.
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