Peter Ziegler aus Basel/Schweiz schrieb am 14.08.2009
Sulaiman Wilms spricht in seinem Artikel auch bestehende Komplementärwährungen an. Der Ausdruck kommt vom französischen complément = Ergänzung und ist eine Währung, die den Charakter einer Komplementarität hat. Sie ist die Vereinbarung innerhalb einer Gemeinschaft, etwas zusätzlich neben dem offiziellen Geld als Tauschmittel zu akzeptieren. Im Ausland wenig bekannt ist, dass viele KMU im Bankenland Schweiz schon recht lange mit einer alternativen Komplementärwährung arbeiten. Sie heisst WIR und verfügt nach ISO über ein eigenes Währungskürzel = CHW, im Gegensatz zu Schweizer Franken = CHF. Das Hauptquartier, die WIR-Bank in Basel feiert dieses Jahr das 75jährige Jubiläum. Ihre Ziele sind ebenso aktuell wie im Gründungsjahr und für Muslime ist die Philosophie von WIR erwägenswert, denn ein Hauptmerkmal ist die Zinsfreiheit.
Die im Umlauf befindliche WIR-Geldmenge im Jahr 2005 rund 839 Millionen äquivalente Schweizer Franken. Es wurde als „Wirtschaftsring-Genossenschaft“ wurde 1934 durch 16 Personen gegründet und erhielt 1936 den Bankenstatus. Während der damaligen Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen knappen Liquidität horteten Firmen ihr Geld anstatt es zu investieren, was die Knappheit der Geldmenge verstärkte. Mit der Gründung der Wirtschaftsring-Genossenschaft reagierten Gewerbetreibende auf diese Krise mit dieser Selbsthilfe-Initiative, eben mit der Komplementärwährung WIR. Sie basiert auf der Freigeld-Theorie von Silvio Gesell basiert. Der Wert des WIR ist an den Schweizer Franken gebunden (1 WIR = 1 CHF). Die Guthaben auf den Konten werden nicht verzinst. Dies ist ein Anreiz, das Geld schnell wieder auszugeben und unter den Teilnehmern - kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Schweiz - für Umsatz zu sorgen. In den Anfangszeiten wurde auf den Guthaben nicht nur kein Zins bezahlt, sondern eine Rückhaltegebühr verlangt. Diese sollte den Anreiz noch zusätzlich verstärken, das Geld schnell wieder in Umlauf zu bringen. Diese Umlaufsicherung wurde 1948 aufgegeben, aber WIR-Guthaben werden noch heute nicht verzinst. 1998 änderte sich der Name in „WIR Bank Genossenschaft“. Neben einer normalen Banktätigkeit unterhält sie weiterhin das WIR-System, das die KMUs fördern soll.
WIR-Guthaben werden mittels Krediten von der WIR-Bank geschaffen, wobei der Kreditnehmer der WIR-Bank einen Vermögenswert verpfändet, also eine Sicherheit stellt, wie er es bei einer üblichen Geschäftsbank ebenfalls tun würde. Die Kredite stammen aus direkter, eigener Geldschöpfung der WIR Bank. WIR-Guthaben verfügen über keine Deckung durch Schweizer Franken. Die WIR-Kredite werden, je nach Art des Kredites, durch Grundpfandrechte, Bankgarantien, Lebens-versicherungen usw. abgesichert. Im WIR-Bereich werden Bau-, Hypothekar-, Kontokorrent- und Investitionskredite angeboten. Der WIR Bank entstehen aus ihrer Geldschöpfung keine Kredit- bzw. Refinanzierungskosten. Sie selbst muss für die vergebenen Kredite also keine Zinsen aufbringen. Genau aus diesem Grund kann sie ihre Kredite gegen besonders niedrige Zinssätze zur Verfügung stellen.
Ab 1997 erfolgte der schrittweise Einstieg der WIR Bank ins Schweizer Bankengeschäft. Herkömmliche Bankprodukte im Bereich Sparen und Vorsorge wurden in die Angebotspalette der WIR Bank aufgenommen. Im Jahr 2000 erfolgte die Öffnung der WIR Bank für das breite Publikum. Seit jenem Zeitpunkt sind die Anlage- und Vorsorgeprodukte sowie der inländische Zahlungsverkehr der WIR Bank auch für Privatpersonen zugänglich, die keine Beziehung zur WIR-Verrechnung haben.
Quellen: http://www.wir.ch/ und Wikipedia.
Wirtschaftsbüro Ningbo aus Heidelberg schrieb am 15.08.2009
Der US-Dollar als globale Leitwährung wird regional bereits vom grössten Gläubiger der USA, von China attackiert. Die Bank of China verkündete Anfang Juli im Rahmen einer formellen Zeremonie, dass sie in Shanghai die erste grenzüberschreitende Yuan-Abrechnung mit Hongkong durchgeführt habe. Der Präsident der BOC, Li Lihui, sagte dazu, dass dies den Handel zwischen China und seinen Nachbarn vereinfachen würde. Ebenso würde es für Unternehmen einfacher, Währungsrisiken zu umgehen. Grenzüberschreitende Yuan-Zahlungen könnten Unternehmen dabei helfen, ihre Handelsstrukturen zu vereinfachen und die operativen Kosten zu reduzieren. Sie würden aber auch den Banken helfen, ihren Geschäftsbereich auszuweiten, ihren Service zu verbessern und enger mit den Unternehmen zusammen zu arbeiten.