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12.03.2010 Interview: „Thesen“-Debatte um den Islam in Deutschland

„Gespräch zwischen den Muslimen“

(iz). Die Situation der Muslime in Deutschland bleibt natürlich auch künftig ein Schlüsselthema der Islamischen Zeitung. Besonders wichtig ist es dabei, Prioritäten klar zu machen.
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In den kommenden Monaten wollen wir mit einer Serie über die in der Printausgabe vorgestellten „Thesen“ eine neue innerislamische Debatte ­auslösen. Die Diskussion zwischen den Muslimen ist nach wie vor durch Extreme oder aber durch die Beschreibung von Einzelfällen definiert. Leider gibt es zu wenig Anstöße für einen inhaltlichen Austausch unter den Muslimen. Neben der Serie in der Zeitung und auf unserer Onlineseite ist auch eine überparteiliche, regelmäßige Gesprächsrunde geplant. Islamische Zeitung: In der letzten Ausgabe der Islamischen Zeitung wurden 11 „Thesen“ publiziert. Was hat es damit auf sich?

Ein PDF mit den "Thesen" aus der aktuellen Printausgabe findet sich hier.

Sulaiman Wilms: Wir wollen im Jahr 2010 eine neue Serie starten und die interne Debatte über die Situation der Muslime in Deutschland ankurbeln. Wir suchen nach Anregungen für Ziele, die uns alle miteinander begeistern könnte. Die Thesen sollen einige Prioritäten und Schwerpunkte für dieses neue Gespräch vorschlagen. Natürlich wird hier keine Vollständigkeit beansprucht. Es handelt sich um eine erste Themensammlung, die natürlich offen für ganz andere Projekte ist. Besonders interessant sind für uns die Aspekte einer überparteilichen Zusammenarbeit zwischen den Muslimen. Es gibt viele freie und unabhängige Projekte – wie ja beispielsweise die IZ selbst, die nur mit Hilfe aller Muslime entstehen und überleben können.

Islamische Zeitung: Wer ist Ihre Zielgruppe?

Sulaiman Wilms: Ich glaube wir müssen begreifen, dass wir neue Konzepte brauchen um die Herausforderungen dieser Zeit zu bestehen. Wir sprechen also eigentlich alle Muslime an, die die Not sehen, parteiübergreifend zu denken, sich nicht auf eine Ethnie reduzieren lassen wollen und die sich in der Zukunft ein wenig mehr Gesprächskultur zwischen den Muslimen erhoffen. Dies geschieht bisher leider viel zu wenig. Künftige Organisationsformen müssen offen sein und zwar für alle hier in Deutschland lebenden Muslime, unabhängig von einer bestimmten Ethnie.

Islamische Zeitung: Wie könnte das praktisch umgesetzt werden?

Sulaiman Wilms: Wir wollen diverse Arbeitsgruppen anstoßen und konkrete Vorschläge oder Projekte erarbeiten. Die Islamische Zeitung wird dies begleitend moderieren und steht - insbesondere auf IZ Online und unserer neuen Facebook-Community - als Kontaktbörse zur Verfügung. Hier können Muslime Anregungen finden für ihre Stadt, für ihre Community und andere Muslime für ihre Projekte gewinnen. Interessante Vorhaben gibt es ja mehr als genug. Zum Beispiel könnten Muslime eine lokale Internet-TV-Station gründen, eine Einkaufsgenossenschaft oder einen Markt.

Islamische Zeitung: Was ist das redaktionelle Konzept dazu in den nächsten Monaten?

Sulaiman Wilms: Die Thesen sind natürlich nur erste plakative Anstöße. In der Islamischen Zeitung und auf iz.TV werden diese Thesen in Form einer Serie tiefer erläutert und erklärt. Wir werden Gesprächspartner für die Debatte vorstellen, aber auch an der Debatte selbst teilnehmen. Natürlich geht es hier nicht nur um Muslime, sondern auch um neue Formen des Dialogs. In dieser Ausgabe sprechen wir beispielsweise über eine Düsseldorfer Lokalwährung. Zuvor hat die Islamische Zeitung an einem Gespräch bei einer ­Tagung in Loccum mit interessierten Christen teilgenommen. Die Frage für uns alle ist ja, wie wir die anstehende Krise der Ökonomie gemeinsam überstehen. Außerdem laden wir alle LeserInnen der Islamischen Zeitung ein, uns Ihre Gedanken schriftlich und mündlich mitzuteilen. Natürlich interessiert uns dabei auch weiterhin der äußere Eindruck des Islam in Deutschland auf Nicht-Muslime. Wie wirken unsere Projekte, Moscheen, überhaupt der Zustand unserer Organisationsformen auf Dritte?

Islamische Zeitung: Woran krankt die innermuslimische Debatte über den Islam in Deutschland?

Sulaiman Wilms: Es herrscht viel zu viel Vereinsmeierei. Wenn zum Beispiel eine Zeitung, ein Friedhof, ein Kindergarten, ein Markt oder eine Stiftung im Interesse aller Muslime entstehen sollen, werden solche Aktivitäten von vielen Vereinen boykottiert. Aber auch die Frage der Zakat ist beispielsweise eine überparteiliche Angelegenheit der Muslime. Oft sieht Verbandspolitik in Aktivitäten, die nicht von dem betreffenden Verband dominiert werden, sofort einen Machtverlust. Hier muss eine neue Denkweise, eine neue „entpolitisierte“ islamische Zivilgesellschaft entstehen. Nur so können alle deutsch sprechende Muslime stärker eingebunden werden. Ich sehe heute einen tiefen Graben zwischen den Institutionen der Muslime und den Muslimen selbst.

Ein PDF mit den "Thesen" aus der aktuellen Printausgabe findet sich hier.

Im IZ-Onlineshop finden Sie zu diesem Thema:
 

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Omar Wolf aus Bayreuth schrieb am 19.01.2010
Ich hätte nur eine kleine Anmerkung zur These.
Warum muß in Deutschland, wo die Mehrheit der Muslime wahrscheinlich Türkischstämmig ist die Khutba in Arabisch und Deutsch gehalten werden?

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