Die innere Wüste
(iz). Wenn man sich die Frage nach Europa, dem Islam und dem Nihilismus neu stellt, dann ist dies für europäische Muslime nichts anderes als die eigene Frage als Gestalt. mehr ...
Hauptbild
RSS
RSS
3 Minuten
3 min.
Newsletter bestellen
Newsletter abbestellen
Unabhängiges Forum für Europa
Samstag, 31. Juli 2010

Alle IZ Verkaufsstellen in Deutschland
Wählen Sie aus unseren Kategorien:

 
  Erweiterte Suche

Wirtschaft und Recht
"Muslime & Globalisierung" - Pro: Das Bewusstsein um ökologische Fragen baut Brücken, wo Ideologien scheitern. Von Joseph Mayton
Partner bei globalen Fragen mehr
Kultur
Kommentar: Was lässt sich über die tödlichen Folgen des Duisburger Massenspektakels sagen? Ein Versuch von Malik Özkan
Die Parade mehr
Bildung
Europa: Sind neue Bauformen ein Weg zur Begegnung?
Mit oder ohne Kuppel mehr
Berlin
Großes Misstrauen gegenüber Regierung, Banken und Kirche
Regierung schneidet schlecht ab mehr
Interview
"IZ-Begegnung" mit der ehemaligen Sozialarbeiterin Tahira Gabriele Güldiken über ihre langjährigen Erfahrungen
"Zurück aufs Dorf" mehr
 
Registrieren   Passwort vergessen
 
 
Werbung
Bücher Studium:
Günstige Bücher für das Studium und die Ausbildung.

 
Werbung
 
Werbung
Sie sind hier: Home >> >> Eine Analyse über die eigentlichen Lehren aus einer Systemkrise. von Dr. Mahathir Mohamad

07.02.2010 Eine Analyse über die eigentlichen Lehren aus einer Systemkrise. von Dr. Mahathir Mohamad

Die Währungskrise: Vergangenheit und Gegenwart

(chedet.co.cc). Es ist weit mehr als zehn Jahre her, dass die Währungskrise in Malaysia eingeschlagen hat. Viel wurde über sie geschrieben und über die Kontrollen, die von der malaysischen Regierung in Kraft gesetzt wurden, um eine Entwertung des Ringgit [Malaysias Landeswährung] aufzuhalten. Einige der Artikel versuchten eine Verteidigung der malaysischen Regierung, aber meistens wurde die Verantwortung für die Krise einem angeblichen Scheitern des finanziellen und wirtschaftlichen Managements des Landes zugeschrieben. Beinahe niemand machte Währungsspekulation für den Fall des Ringgit und die folgende Krise verantwortlich. Selbst gegenüber der Regierung freundliche Autoren weigern sich, die Devisenhändler als Verantwortliche zu benennen.
Werbung

Es wurden von Publizisten viele Gründe für die Erklärung dieser Krise angeführt: Angeblich soll der Boom am Aktienmarkt für den Verlust an Vertrauen in die Wirtschaft und die Währung verantwortlich sein. Manche sahen den Hauptgrund im Scheitern einer Verbesserung und Festigung des Bankensystems. Andere wiederum legten den Schluss nahe, dass zu viel Geld in den Immobiliensektor floss. Weitere mutmaßliche Ursachen sind das angestiegene Verhältnis zwischen Krediten und Bruttosozialprodukt und die rapide Ausweitung der Kreditmenge, die zu einer Verschlechterung der Darlehensqualität geführt haben solle.

Dann wurde jenen Unternehmen die Schuld in die Schuhe geschoben, die glaubten, das malaysische Wachstum würde ewig anhalten. Der zweistufige von der Bank Negara eingeführte Regulierungsmechanismus des Bankwesens und das Scheitern, die Zinsrate als ein politisches Werkzeug zu benutzen, wurden ebenfalls angeführt. Die "Infektion" von der finanziellen Krankheit, die den Nachbarn Thailand befiel, galt ebenfalls als eine wichtige Ursache.

Nach Ansicht mancher habe sogar ein "Mangel an Demokratie" zur damaligen [ab Mitte 1997] Finanzkrise geführt. Und viele weiteres mehr ... Aber wie bereits erwähnt hat niemand die Manipulation der Landeswährung durch Devisenspekulanten als Ursache für die Krise erkannt.

Die Tatsache, dass der [damalige] Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus, Malaysias Wirtschafts- und Finanzpolitik und die Politik seiner Landesbank Bank Negara nur wenige Monate vor der Krise lobte, konterkariert die negativen Bemerkungen über Malaysias Wirtschaftspolitik. Dass Camdessus kurz nach der Krise eine Kehrtwendung unternahm und das Land für seine "schlechte Politik" angriff, scheint für jene Autoren kein Grund zu Annahme zu sein, wonach der IWF fehlerhaft bei der Wahrnehmung der malaysischen Wirtschaftsleistung gewesen sei.

Und wen der IWF unfähig war, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass andere - darunter auch die Bewertungsagenturen - ebenfalls nicht in der Lage sind, realitätsnahe Urteile zu fällen. Sie scheinen nicht jene Experten zu sein, die sie angeblich sind. Durch ihre Weigerung, Devisenspekulanten zu kritisieren, belegen diese Fachleute, dass sie bewusst ihren Kopf in den Sand steckten.

Angesichts des geplatzten Spekulationsblase, was die größten Demokratien wie die USA, Großbritannien, Deutschland und andere getroffen hat, müssten man realisieren, dass es lächerlich ist, die [damalige] Asienkrise einem Demokratiemangel zuzuschreiben. Die gegenwärtige, bei Weitem größere Krise nahm ihren Anfang in den großen Demokratien des Westens.

Beinahe ließe sich behaupten, dass es Demokratie sei, die die Krise verursachte und man könnte sogar beweisen, dass einige ihrer Elemente tatsächlich für sie verantwortlich waren. Denn die Idee der von Ronald Reagan vertretenen schwachen Regierung und die Propagierung eines "Freien Marktes" - das heißt, einer Freiheit vor Regierungseingriffen und -regulationen als Teil des Konzepts von "liberaler Demokratie" - hat die Krise ausgelöst.

Malaysias Demokratie duldet es nicht, dass die Abwesenheit von Regierungskontrolle in einem freien Markt ein Teil von Demokratie sein soll. Sie ist daher frei von den Folgen der minderwertigen Kredite durch die Banken, welche die ersten Hinweise gaben, dass die Ökonomien in den großen Demokratien nicht so gesund waren, wie sie es angeblich sein sollten.

Demokratie - insbesondere ihre liberale Spielart - könnte daher als eine Ursache für die gegenwärtige Krise angesehen werden; und nicht ihre Abwesenheit. Wenn wir einen Beweis dafür brauchen, dass ein Fehlen von Demokratie für die Asienkrise verantwortlich gewesen sei, müssen wir nur nach China blicken. Es hatte kaum unter der Asienkrise gelitten und ist heute wirtschaftlich und finanziell wesentlich gesünder als alle Demokratien dieser Welt.

Es mag Schwächen in Verwaltungen und in der Politik der Staaten Ostasiens gegeben haben, die zur Krise zwischen 1997 und 1998 beitrugen. Aber es ist an der Zeit, dass die Rolle der Devisenspekulanten untersucht wird. Dadurch können wir Ursachen der Währungsabwertungen und der resultierenden schweren Krise verstehen.

Die Situation vor der Krise
Die ganze Welt erkennt an, dass Ostasien im Jahrzehnt vor der Krise [im Zeitraum zwischen 1987 und 1997] boomte. Malaysia schlug sich bei einer jährlichen Wachstumsrate von durchschnittlichen 8 Prozent mit Sicherheit gut. Dieses Wachstum war kein Zufall. Es war das Ergebnis der Politik von Regierung und Wirtschafts- beziehungsweise Finanzverwaltung. Die Sparquote von 40 Prozent und mehr war die höchste der Welt und die Devisenreserven hätten 4 1/2 Monate ununterbrochener Einfuhren finanzieren können. Der Ringgit war stabil und lag meistens bei einem Verhältnis von 2,5:1 zum US-Dollar.

Die Auslandsschulden waren vernachlässigenswert. Defizite im Staatshaushalt und in der Außenhandelsbilanz waren klein und überschaubar. Es gab politische Stabilität, ein Faktor, der von ausländischen Investoren, die in Scharen kamen, geschätzt wurde.

Niemand anderes als der Kopf des IWF, Michel Camdessus, hatte am 17. Juni 1997 in einer öffentlichen Rede erklärt, dass "Malaysia ein gutes Beispiel für ein Land ist, in dem die Behörden sich der Herausforderungen bewusst sind, die sich aus dem Druck ergeben, der aus einem hohen Wachstum erwächst. Das gleiche gilt für die Erhaltung eines gesunden Finanzsystems in mitten substanzieller Kapitalflüsse und eines boomenden Immobilienmarktes. (...) Malaysias Behörden haben die Aufrechterhaltung hoher Standards bei der Bankengesundheit betont."

Auch wenn Paul Krugman voraussagte, dass es in der Mitte der 1990er Jahre eine Abschwächung der Wachstumsrate geben würde, fand sich keine Erwähnung der Möglichkeit einer sich anbahnenden Währungsabwertung oder Krise.

Die Lage in Malaysia war sicherlich nicht mit der in Thailand vergleichbar, wo die Geschäftswelt ausländische Kredite anzog, deren Zinsrate geringer als die thailändische war. Es wurde viel Geld für die Entwicklung von Hochhäusern in Bangkok ausgegeben. Im ganzen Land gab es viele neue Immobilienprojekte, die durch Auslandskredite finanziert wurden.

Lage in Thailand
Die Lage in Thailand hätte als solche nicht zur Entwertung des thailändischen Baht führen können. Als diese eintrat, griff die Zentralbank ein, um die Austauschrate zu stabilisieren. Aber sehr schnell fand die Bank heraus, dass sie nicht in der Lage war, den Fall der Landeswährung aufzuhalten. Sie entschied sich, ihre Intervention zu beenden und die Fluktuation der Währung zu erlauben.

Sobald der Baht freigegeben wurde, verkauften Spekulanten und jene, die Entwertung fürchteten, Baht gegen US-Dollars. Dies führte zu einer noch beschleunigteren Entwertung. Da die Landeswährung weiter an Wert verlor, verkauften ausländische Investoren ihre Anteile, die in Baht notiert waren, um einem weiteren Wertverlust zu entgehen. Dies führte zu einer weiteren Runde der Entwertung. Es schien, als würde die Entwertung des Baht für immer andauern.

In Malaysia
Die Lage in Malaysia war mit der thailändischen nicht zu vergleichen. Das für 1997 erwartete Wachstum war weiterhin auf hoch geschätzt. Es gab keine Befürchtungen, wonach die Bedienung von Krediten mehr Ringgit brauchen würden, als vorgesehen war. Ausländische Direktinvestitionen kamen sowohl für neue Industrien und für Aktien an der Börse von Kuala Lumpur. All anderen finanziellen Indikatoren blieben gesund.

Daher sah die Regierung auch keine Entwertung des Ringgits vor. Es gab keinen Grund, warum sie das hätte tun sollen. Schließ begann die Presse, über "Ansteckung" zu sprechen. Es schien so zu sein, dass die Entwertung des Baht den Ringgit "anstecken" und ihn mit die Tiefe ziehen könnte. Dies war beunruhigend, da Thailand ein Konkurrent beim Export diverser Fertigerzeugnisse war. Wenn ein entwerteter Baht die Produktionskosten in Thailand verringerte, dann hätte Malaysia, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ebenfalls den Ringgit entwerten müssen.

Aber dies schien machbar; Bank Negara hätte Ringgit auf den Märkten verkauft und so seinen Wechselkurs gering gehalten. Malaysias Industrien hätten ihre Effektivität gesteigert, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Malaysia war so selbstbewusst, dass seine Finanzen nicht betroffen werden, dass es Thailand eine Milliarde US-Dollar als Hilfe lieh. Selbst als der Ringgit begann nachzugeben, lieh Malaysia eine weitere Milliarde an Indonesien. Wir waren der Ansicht, dass die finanziellen Probleme Thailands und Indonesiens nur vorübergehender Natur waren. Sie würden sich erholen und hätten keine Schwierigkeiten bei der Rückzahlung der Kredite gehabt.

Die Finanzmärkte
Die wohlhabenden Länder des Westens wuchsen und blühten wegen ihrer Industrien; das heißt, dank ihrer Erzeugung von Gütern und der Bereitstellung von Dienstleistungen für heimische Märkte und und für die Welt. Je mehr die Gewerkschaften höhere Löhne und Sozialleistungen durchsetzen konnten, umso mehr stiegen die Produktionskosten. Aber solange die die wichtigsten Anbieter hochwertiger Erzeugnisse und Dienstleistungen blieben, konnten sie die Produktion jener Dinge aufrecht erhalten.

Denn entdeckten sie die ärmeren Länder mit deren billigen Arbeitskraft. Wenn möglich. verlagerten sie ihre Produktionsanlagen in jene Staaten mit geringen Produktionskosten, um Kosten zu reduzieren und um mit den neuen Industriestaaten des Fernen Ostens konkurrieren zu können. Wenn ganze Branchen wegen Protesten seitens von Gewerkschaften nicht verlagert werden konnten, dann wählte man den Weg der Investition in diesen armen Ländern, um dort simple Teile und Komponenten zu fertigen. Auf diese Art und Weise konnten die europäischen Staaten und die USA mit Japan und Korea Schritt halten.

Aber dann machten die Japaner das gleiche und sie waren in der Lage, konkurrenzfähig bei der Produktion der gleichen Fertiggüter zu werden, die früher ein Monopol der westlichen Staaten waren. Es schien sich abzuzeichnen, dass die Japaner die meisten der in Europa und in Amerika erzeugten Güter von den Weltmärkten verdrängen würden. Berühmte amerikanische und europäische Markenprodukte verschwanden vollkommen von den Märkten. Die Briten hörten auf, Autos, Kameras, Radios, Fernsehgeräte und andere Konsumgüter zu produzieren. In den USA verschwanden bekannten ebenfalls bekannte Automarken. Sehr bekannte Erzeugnisse aus den den Bereichen Radi, Fernsehen, Kameras, Motorräder und eine ganze Reihe an Markenerzeugnissen verschwanden auch hier aus den Regalen.

An ihrer Stelle, darunter auch in Europa und in Amerika, machten alle Arten von japanischen Erzeugnisse auf sich aufmerksam. Anfänglich galten sie als qualitativ minderwertig, aber bald wurde klar, dass ihre Qualität so stark verbessert wurde, dass sie ihren amerikanischen und europäischen Konkurrenten gleichwertig waren. Tatsächlich überstiegen sie sogar den vom Westen gesetzten Standard.

Als die Japaner anfingen, Autos in die USA zu exportieren, bestand die US-Regierung darauf, dass überall Werkstätten aufgemacht wurden. Zu ihrer Überraschung hatten sie nur sehr wenig zu tun, da die japanischen Autos nur sehr selten liegen blieben. Als Honda seine Motorräder in England vorführte, waren die britischen Ingenieure schockiert, dass die Honda-Motoren genauso präzise waren wie die Uhrwerke qualitativ hochwertiger Schweizer Uhren. Als die Südkoreaner später hinzukamen und beinahe die komplette internationale Bauindustrie übernahmen, erkannte der Westen die Zeichen an der Wand. Es gab für ihn keinen Weg, bei der Güterproduktion zu konkurrieren, oder bei großen Bauprojekten in aller Welt mitzubieten.

Die Finanzmärkte, die sich in den 1960er und 1970er Jahren entwickelten, war zu Beginn nicht sehr attraktiv. Aber mehr und mehr wurden deren Möglichkeiten erkannt und entwickelt. Neue Produkte wurden erfunden, die einen stetigen Gewinn der Investitionen garantierten.

Angefangen mit dem Verkauf von Firmenanteilen, um Betriebskapital zu erhöhen, erkannten clevere "Spieler", dass der Kauf und Verkauf von Aktien große Gewinn versprach. Der Wert dieser Anteile beruhte anfänglich auf der Gewinnträchtigkeit einer Firma. Aber dann wurde deutlich, dass ihr Wert abhängig von der Nachfrage war. Von dort an trennte sich der Wert von Unternehmensanteilen von der Profitabilität eines Unternehmens. Nachfrage oder ihr Mangel bestimmten ihren Wert - unabhängig von der "Performance" einer Firma.

Diese Cleveren veränderten Aktienpreise nach oben oder nach unten, indem sie Aktien kauften oder verkauften. Von dort aus war es nur ein kleiner Schritt, bis die großen Teilnehmer am Markt mit der Entwicklung von Leerverkäufen [engl. "short selling"] begannen.

Leerverkäufe
Die eigentlichen Aktien wurden unwichtig. Das simple Angebot, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, die sich nicht in Händen der Anbieter befanden, reichte aus, um den Preis der Anteile zu verändern. Es wurden so viele dieser (nicht existenten) Anteile verkauft, sodass dies die Preise drückte. Erreichte dieser ein ausreichend geringes Niveau, dann wurden sie zu diesem geringen Preis erworben und an jene Kunden übergeben, welche diese zuvor zu einem höheren Preis kauften. Auf diese Art und Weise wurde ein ordentlicher Gewinn erwirtschaftet. Der heutige Begriff dafür ist "Leerverkauf".

Dann wurde erkannt, dass - je höher die zur Verfügung stehenden Mittel waren - es umso einfacher war, Preise nach auf- oder abwärts zu treiben. Einzelpersonen würden nicht über ausreichend Mittel verfügen und sie brachten sich in Gefahr, von jenen mit mehr Kapital angegriffen zu werden. Außerdem konnten einzelne sich nicht so viel leihen, um wichtig zu werden.

Und so gründeten sich Firmen, um Mittel von Individuen oder Unternehmen zu verwalten. Mit Kapital in Höhe von hunderten Millionen gab es eine höhere Fähigkeit, Aktienpreise zu manipulieren. Aber um noch größer zu werden, liehen sich die Fondsmanager Geld von den Banken. Dies wird eine Erhöhung der Fremdkapitaldecke der investierten Fonds genannt. Die Banken stimmten zu, das bis zu 20- oder 30-fache jener Menge zu verleihen, die von Fonds im Besitz der Investmentfirmen oder der Hedge Fonds verwaltet wurden. Dies steigerte wiederum ihre Fähigkeit, am Markt teilzunehmen.

Damit würde ein Investor von dem 20- bis 30-fachen größeren Fonds profitieren, den der Fondsmanager beliehen hat. Neben riesigen Investments der Fondsmanager war es beinahe garantiert, dass sie Profite durch Beeinflussung von Aktienpreisen einfuhren.

Die Investitionen der Hedgefonds und ihre Erhöhung der Fremdkapitaldecke (leveraging) sind rätselhaft. Es scheint so zu sein, als hätten sie die Regierungen nicht über ihre Geschäfte unterrichten müssen. Darüber hinaus mussten sie in den Steueroasen niemanden über ihre Gewinne informieren. Investoren in die Hedgefonds waren so in der Lage, riesige Profite zu machen. Nachdem die Idee des "leveraging" bekannt wurde, begannen Fondsmanager mit ihrer Suche nach anderen Möglichkeiten, um die riesigen, ihnen zu Verfügung stehenden Kredite zu investieren.

Die Devisenspekulanten gestalteten ihre Operationen auf die gleiche Weise. Die Erhöhung der Kapitalmenge ihrer Investitionen um das 20- bis 30-fache erlaubte ihnen Investitionen und die Realisierung riesiger Gewinne. Auch hier mussten sie niemanden darüber informieren. Ihr Geschäftsbetrieb auf dem Boden von Steueroasen befreite ihre Operationen von jeglicher Regierungskontrolle.

Das Bankwesens des Westens und seine Praktiken
Banken konnten enorme Kapitalmengen für solche Operationen deswegen verleihen, weil es im westlichen System den Banken erlaubt war, mehr Geld zu verleihen, als sie an Kapital, anderen Vermögenswerten und bei ihnen deponierten Einlagen halten. Üblicherweise agierten sie zurückhaltend und verliehen nur eine begrenzte, mehrfache Menge der von ihnen kontrollierten Gelder. Aber weil Regierungen Banken sehr oft aus der Patsche helfen, wenn es einen Ansturm der Depositeninhaber gibt, wurden die Banken darin bestärkt, bis zum 50-fachen ihrer Vermögenswerte zu verleihen. Dies bedeutet, dass von den Banken weitaus mehr Kredite ausgegeben werden konnten, als sie tatsächlich haben. Die Banken schaffen im Wesentlichen Geld aus dem Nichts, indem sie Kredite an diese Fonds vergeben.

Mit riesigen Krediten von Seiten der Banken konnten Milliarden US-Dollar für Fusionen und Firmenaufkäufe geliehen werden. Es tauchten Experten auf, die über diese Zusammenschlüsse und Aufkäufe berieten. Sie erhielten enorme Provisionen für ihre Dienste. Nicht über diese Milliarden US-Dollars zu verfügen, um diese Unternehmen aufzukaufen, stellte kein Problem mehr da, da die Banken das von ihnen kreierte Geld wieder verleihen konnten.

Dadurch wurden Firmenzusammenschlüsse und -erwerbungen zu einem eigenständigen Geschäft. Gerüchte von anstehenden Fusionen oder Aufkäufen reichten aus, um Aktienpreise nach oben oder nach unten zu treiben. Unabhängig davon, ob Aktien fielen oder stiegen: Die Spekulanten machten Geld. Die eigentlichen Geschäfte der beteiligten Unternehmen waren unwichtig. Der Kaufpreis der Firmen reflektierte nur selten deren Profitabilität.

Dann erfanden einige Schurken hochverzinste Schuldanleihen (so genannten "Junk Bonds"). Anteile von schlecht arbeitenden Unternehmen wurden gekauft und mit verschiedenen Manipulationen ließ man sie gut aussehen. Mike Milken und Ivan Boesky mussten dafür ins Gefängnis.

Eine andere Intrige bestand darin, Unternehmen zu kaufen und ihre Vermögenswerte zu entreißen. Diese Komplott wurde von Slater Walker Securities entwickelt.

Angesichts der sprichwörtlichen Macht, Geld aus dem Nichts zu schaffen, befanden sich Banken auf der Suche nach weiteren Wegen, um Geld zu verleihen. Ihre Gewinne beruhten auf den Gewinnen aus den ausgegebenen Krediten. Je größer die Kredite, umso besser.

Die Vorsicht der Banken wurde beiseite geworfen
Und anstatt sicherzustellen, dass Schuldner die Kredite zurückzahlen konnten, verliehen Banken sogar an hochriskante Personen - die so genannten "minderwertigen Kredite" (engl. "supb-prime loans"). Die Banken glaubten, sie wären für diese Kredite gut abgedeckt. Die Risiken wurden ihnen von Versicherern und sekundären Hypotheken-Unternehmen abgenommen. Aber, als viele dieser Kredite nicht mehr zu bedienen waren, platzte die Blase.

Dann kamen die Kreditkarten an die Reihe. Entwickelt, um das Ausgebe von Geld bequemer zu machen, wuchs die Kreditkartenindustrie enorm. Sie ersetzen sehr schnell Bargeld und Schecks.

Einzelpersonen können so viele Kreditkarten mit sich führen, dass sie nicht mehr wirklich wissen, ob sie genug auf der Bank haben, um die Schulden aus den von ihnen getätigten Transaktionen zu bezahlen. Dies führte zum Nachfrageboom nach mehr Waren und Dienstleistungen, die mit den Kreditkarten getätigt wurden.

Bei Banken wurden sämtliche von Konsumenten getätigte Transaktionen als Kredite verbucht. Anders als andere Kredite, sind die Zinsraten hier sehr hoch - von 18 bis zu 20 Prozent. Die von den Banken kalkulierten Einnahmen aus den Kreditkarten-Krediten waren so hoch, dass sogar ein gewisser Prozentsatz von nicht zurückgezahlten Schulden die Banken zu dem Optimismus antrieb, dass der Rest der Kreditkarten diese Verluste abdecken würde.

Aus all diesen Aktivitäten ergab sich scheinbar großer Wohlstand: Hedgefonds, Fusionen und Firmenaufkäufe, minderwertige Hypotheken, die Finanzierung von Versicherungen und sekundären Hypotheken, Kreditkartendarlehen und Devisenspekulation. Die westlichen Staaten schienen gewachsen zu sein; wie dies aus dem Prokopf-Einkommen und dem Wachstum des Bruttosozialprodukts erkennbar gewesen zu sein schien. Es schien, dass der Abschied von der wirklichen Geschäftswelt und der Erzeugung von Waren und Dienstleistungen ziemlich ausgezahlte. Einige Leute konnten sich mit Sicherheit eines hohen Lebensstandards erfreuen.

Das Scheitern der Finanzmärkte hier und dort wurde ignoriert und unterschlagen. Niemand dachte, dass mit dem System und dem von ihm geschaffenen Finanzprodukten irgend etwas verkehrt sein könnte.

Und dann kam die Hypothekenkrise. Scheinbar waren die nicht bezahlten Kredite auf dem Immobilienmarkt zu viele, um von den Erfolgen kompensiert zu werden. Zuerst wurden die Banken in die Tiefe gerissen und dann kamen Versicherungs- und Hypothekenkonzerne an die Reihe.

Die Wirtschaft fiel in die Krise, als der Zusammenbruch von Banken die Aktienmärkte beeinflusste. Aktienpreise stürzten ab und die Hedgefonds erlitten riesige Verluste. Es sollte hier daran erinnert werden, dass - genauso wie die Gewinne um das 20- oder 30-fache der investierten Mittel höher sein konnten - auch die Verluste wesentlich höher sein konnten. Es gab keine Chance, wonach Verluste abgedeckt oder die enormen Kredite an die Banken zurückgezahlt werden konnten. Daher brachen die Hedgefonds zusammen und rissen die verleihenden Kreditinstitute mit sich in die Tiefe.

Versuche von Regierungsseite, diese finanziellen Institute und Firmen zu retten, waren nicht wirklich erfolgreich. Wäre die Wirtschaft gut, dann könnten die von der Regierung geretteten Banken und Unternehmen sich zu einem gewissen Grad erholen. Aber dies würde Zeit erfordern, denn sie müssten vorsichtig ihre Geschäfte betreiben und derartige Geschäfte würden nur langsam Gewinne abwerfen. Sie könnten sich nur dann schnell erholen, wenn ihnen die gleichen Missbräuche wie zuvor erlaubt werden.

Auch wenn einige anderer Ansicht sind, sollten ihnen dies verwehrt werden. Was die Unternehmen betrifft, so würde die allgemeine Reduktion der Kaufkraft unter der Bevölkerung den Verkauf ihrer Waren reduzieren und damit auch ihre Gewinne. Selbst wenn sie sich erholen würden, wären sie finanziell nicht mehr so gesund wie zuvor.

Die jüngsten Gerüchte einer Erholung beruhen daher nicht auf der Wirklichkeit. Eigentlich geht es dabei nur um die Rechtfertigung eines Systems, welches in der Vergangenheit gewinnträchtig war. Es müsste eine weitere weltweite Krise geben, bevor es der Westen in Betracht ziehen würde, sein Banken-, Geld- und Finanzsystem abzureißen.

Die Führer des Westens stecken auch weiterhin ihre Köpfe in den Sand. Es ist wahrscheinlicher, dass ihnen bewusst ist, wie die Operationen des Finanzmarktes die Krise hervorriefen. Aber sie sind unwillig etwas dagegen zu tun, weil viele ihrer Investoren dadurch reich wurden und viel zum Prokopf-Einkommen und zum Wachstum des Bruttosozialprodukt ihrer Länder beitrugen.

Und so können wir ein Anhalten der Krise beobachten, allerdings wird nicht über sie geredet, um die Finanzmärkte am Leben zu erhalten.

Die wirkliche Lösung besteht in einer Rückkehr zu wirklichen Geschäften; das heißt, der Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Aber dann müssten die entwickelten Länder des Westens akzeptieren, dass sie in einem gewissen Sinne ärmer sein müssten als in der guten alten Zeit.
Im IZ-Onlineshop finden Sie zu diesem Thema:
 

Kategorie: IZ Spezial Magazin
IZ Spezial zur Finanzkrise - Analysen und Alternativen

NEU! Aktualisierte und erweiterte Neuauflage! IZ Medien 2010 99 Seiten 7.00 Euro

>> jetzt kaufen  
 
Produktbeschreibung

Endlich wieder erhältlich in erweiterter und aktualiserter Neuauflage: Das viel beachtete IZ Spezial zur Finankrise. Seit Jahren berichtet die IZ auch über ökonomische Fragestellungen, die nun, in der globalen Finanzkrise, neue Aktualität gewonnen haben. Haben die Muslime einen positiven Beitrag in der Krise anzubieten? IZ Spezial versucht in 25 verschiedenen Texten auf 99 Seiten einige wichtige Positionen der Muslime zur Finanzkrise zusammenzufassen.

 

Astana: Kurzbericht der IMÖ Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen über die hochrangige OSZE-Konferenz zu "Toleranz und Nicht-Diskriminierung" [05.07.2010]
EU und Türkei: Neues Kapitel bei Verhandlungen [30.06.2010]
Die islamische Lehre ist nur dann sicher, wenn die breite Masse der Muslime selbst ausreichend gebildet ist. Von Abu Bakr Rieger [29.06.2010]
Kommentar: Frankreich fliegt und diskutiert. Deutschland gewinnt und vergleicht. Von Morad Bouras, Bielefeld [24.06.2010]
New York: UN setzen Länder mit Kindersoldaten unter Druck [17.06.2010]
Werbung
Header
Foot
IZ Abo
Druckfrische IZ einmal im Monat im Briefkasten!
jetzt abonieren
Spezial "Wie...?"
Wie gründe ich einen Verein? Wie kommt man an Halal-Fleisch? Wie kommt man am Arbeitsplatz zurecht? 19 Fragen auf 82 Seiten beantwortet.
IZ Online Abo
weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews voller Zugang zum Archiv >> bestellen
Aktuelle Ausgabe
Die kommende Printausgabe der IZ steht natürlich auch im Schatten des sich ankündigen Fastenmonats. Hierzu haben wir Texte aus den Bereichen religiöse Grundlagen, Islam im Alltag und Gesundheit. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Lage in Afghanistan, auch im Lichte der jüngsten Enthüllungen von Wikileaks. Des Weiteren: Interview mit der ehemaligen Sozialarbeiterin Tahira Gabriele Güldiken, Islam und Nihilismus, eine neue muslimische Initiative sowie eine interessante Kampagne von Muslimen in England.
Downloads für Online-Abonnenten
Hier finden Sie zusätzliche Informationen und Dokumente, die nur den Online-Abonnenten zur Verfügung stehen.
IZ erklärt Deutschland: Denunziation
Unter Denunziation (lat. denuntiare „absprechend berichten, Anzeige/Meldung machen“) versteht man die häufig anonyme Beschuldigung einer Person hinter deren Rücken durch jemanden, dessen Dienst- oder Rechtspflicht dies nicht ist. Im ethischen Sinn wird allgemein von Denunziation gesprochen, wenn in einem nicht freiheitlichen System Menschen bei staatlichen Vollzugsbehörden angezeigt werden, obwohl dem Anzeigenden klar sein muss, dass er sie damit der Gefahr der politisch motivierten Verfolgung aussetzt. Eine Denunziation unter Kindern oder Schülern wird umgangssprachlich als Petzen bezeichnet.
Bild der Woche
Forum für Gemeinschaft KÖLN. Trotz drückender Sommerhitze folgten Leser und Freunde der IZ unserer Einladung zum diesjährigen Grillfest.
© Islamische Zeitung   Impressum   Haftungsausschluss   Sitemap