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28.07.2010 Europa: Sind neue Bauformen ein Weg zur Begegnung?

Mit oder ohne Kuppel

Repräsentative Gebäude ersetzen zunehmend die Hinterhofmoscheen - fast 200 Moscheenvereine planen in Deutschland den Auszug aus den versteckten Quartieren. Oft wird die Frage nach der Form als Stellvertreterfrage nach der Akzeptanz des Islam wahrgenommen. Moschee mit oder ohne Minarett und Kuppel - darüber erhitzen sich die Gemüter. Die Religionswissenschaftlerin Beinhauer-Köhler hatte mit dem Politologen Claus Leggewie im vergangenen Jahr das Buch „Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung“ veröffentlicht.
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Historisch betrachtet scheint die Unversöhnlichkeit der Positionen von Nichtmuslimen, die Minarett und Kuppel als störendes Element empfinden, und von Muslimen, die diese Formelemente als unabdingbar empfinden, womöglich als vorübergehendes Stadium. Dazu Beinhauer-Köhler: „Diese wecken Assoziationen von Identität und Zugehörigkeit oder Fremdheit und werden oft nicht reflektiert. Hier ist auch das Gefühl von ‘Heimat’ berührt, das Nichtmuslime mit der Abwesenheit und gläubige Muslime mit der Präsenz als solcher erkennbarer Moscheen verbinden.“

Doch könnte sich in den kommenden Jahr auch hier etwas verändern, wenn die Zahl der Muslime mit akademischer Ausbildung im deutschsprachigen Raum ansteigt. Die Frankfurter Religionswissenschaftlerin verweist auf Architekten mit islamischem Hintergrund wie Alen Jasarevic, der das „Islamische Forum“ im bayerischen Penzberg geplant hat. Der multiethnische Trägerverein signalisiert nicht nur in seinem Namen eine Öffnung, er stimmte auch zu, dass der Bau sich mit zwei symbolischen Türen den Besuchern öffnet und das Gebäude keine Kuppel trägt.

Beinhauer-Köhler sieht neue Impulse für den Moscheenbau: „Diese Architekten verfügen in besonderem Maße über die Kompetenz, mit den Symbolbeständen verschiedener Kulturen zu arbeiten und Lösungen zu finden, die sinnvoll Funktion und unterschiedliche Stil- und Identitätsgefühle vereinen. So präsentiert sich das Minarett in Penzberg als eine kubische Lichtinstallation. Der Rahmen, durch den bei Dunkelheit die Innenbeleuchtung scheint, besteht aus kalligrafierten Koransuren, die in nahezu abstrakte Formen aufgelöst wurden.“

Das bedeute aber nicht, dass es einen Zwang gebe, sich den Baustile der „europäischen Moderne“ anzupassen, betont die Frankfurter Professorin. Die Auseinandersetzung mit und aktive Entwicklung von Bau- und Kunststilen als Weg zur Reflektion der eigenen Identität könne zu einem Element einer wechselseitigen Integration werden, ohne dass dies in einer kulturellen oder religiösen Profillosigkeit münden müsse.

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