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Sie sind hier: Home >> >> Schweiz: Ein Zürcher Lokalpolitiker der rechtspopulistischen SVP musste zurücktreten. Muslime sind empört

02.07.2012 Schweiz: Ein Zürcher Lokalpolitiker der rechtspopulistischen SVP musste zurücktreten. Muslime sind empört

Faschismus auf Eidgenössisch?

Zürich (Agenturen/iz). Dass die Grenzen zwischen einer legitimen „Islamkritik“ und dem dumpfen, rechten Rand im europäischen Populismus fließend sein können, belegen nicht nur die unzähligen anti-muslimischen Blogs im Internet. Auch individuelle Politiker äußern gelegentlich, was ihr Umfeld denkt, bringen ihre Partei in Verruf und müssen – als „Einzelfall“ deklariert – ihren Hut nehmen.
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Ende Juni traf es den eidgenössischen Lokalpolitiker Alexander Müller, der vor Ort in der Zürcher Sektion der Schweizer Volkspartei (SVP, verantwortlich für die Volksabstimmung über das Minarettverbot) aktiv war. Müller hatte auf seinem Twitter-Konto das, später gelöschte, Statement gemacht: "Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht … diesmal für Moscheen." Die Aussage, die sich nach Angaben der Schweizer Tageszeitung NZZ in andere Äußerungen Müllers einordnet, führte dazu, dass Müller am 26. Juni die rechtspopulistische SVP verlassen musste. Vorher wurde bekannt, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft eine Untersuchung gegen den Lokalpolitiker eingeleitet hatte.

Der unbedarfte Liebhaber rechtsextremer Ansichten bezahlte seine Äußerungen, die trotz Löschung wiederhergestellt werden konnten, nicht nur mit dem Ende seiner Aktivitäten bei der SVP. Er verlor auch sein Ehrenamt als so genannter Schulpfleger und wurde von seinem Arbeitgeber, einem internationalen Finanzunternehmen, entlassen.

„Welch umnachteter Geist treibt nun, mit immer mehr Akzeptenz sein Unwesen, wenn mörderische Aktionen gegen Juden als angebrachte, ja brauchbare Strategie gegen Minarette, Muslime und Islam zur Rettung eben jenes beschworenen jüdisch-christlichen Abendlandes wahrgenommen werden?“, fragte die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) in einer entsprechenden Pressemitteilung.

Solch abscheuliche Politik setze auch die Mehrheitsbevölkerung akuter Bedrohung aus, wie aus dem historischen Kontext klar abzuleiten sei. „Es wird nun an uns allen liegen, jene, das Land bereits ernsthaft bedrohende geistige ‘braune Schlammflut’ in ungefährliches Gebiet umzuleiten und auslaufen zu lassen, bevor der Schweiz noch ernsthafterer Schaden erwächst.“

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IZ erklärt Deutschland: Die Salaf
Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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