Die innere Wüste
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04.10.2007 Welche Vergangenheit – welche Zukunft? Ein Bericht aus Freiburg. Von Imran Schröter, Freiburg

Zur Orientalistik

(iz). In der Woche vom 24. - 28. September fand der XXX. Deutsche Orientalistentag in Freiburg im Breisgau an der Albert-Ludwigs-Universität statt. Alle drei bis vier Jahre veranstaltet die Deutsche Morgenländische Gesellschaft eine solche Veranstaltung in verschiedenen Städten (zuletzt in Halle im Jahre 2004), wobei sich Orientalisten aus aller Welt versammeln und in Vorträgen gegenseitig austauschen.
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In Freiburg waren es ca. 1.100 Teilnehmer und über 600 Vorträge, die im Laufe der Woche gehalten wurden, abgesehen von zusätzlichen Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen und Abendvorträgen. Dabei reichten die einzelnen Wissenschaftssektionen von der Afrikanistik über Indogermanistik, Iranistik und Semitistik bis zur Sinologie, um nur einige zu nennen.

Auch die Islamwissenschaft war selbstverständlich darunter und dabei die Sektion mit den meisten Panels, wozu dann jeweils in Eineinhalb-Stunden-Blocks gleich mehrere Wissenschaftler sprachen. Da ging es um die „Dynamik von Orthodoxie und Heterodoxie im Islam“, um „Reform in der islamischen Welt“, um Schari’a und Hermeneutik und noch vieles mehr. Ein Mega-Jahrmarkt des Wissens und der Wissenschaft der Orientalistik!?

Nur ein Referent wagte in diesem Zusammenhang „Unzeitgemäße Betrachtungen“ mit dem Nietzsche’schen Titel „Vom Nutzen und Nachteil des Sufismus für die Orientalistik“ anzustellen und damit an den Grundfesten der ganzen Wissenschaft selbst zu rütteln. Abdul Jalil Steffen Stelzer, Professor für Philosophie an der Amerikanischen Universität Kairo, nahm das Motto der Tagung „Orientalistik im 21. Jahrhundert: Welche Vergangenheit - welche Zukunft“ als Anlass zu einer Selbstbesinnung der „Wissenschaften vom Geiste“, das heißt hier der Religionswissenschaft und insbesondere der Islamwissenschaft, vor dem Hintergrund eines Wissensbegriffs, der bei Ibn Al-’Arabi, aber auch bei Aristoteles, primär das Wissen von Gott meint.

In diesem Sinne steht gegen alle scheinbare Zunahme des Wissens in unserer Zeit das Hadith des Propheten, in dem als eines der Zeichen der Endzeit die Abnahme des Wissens erwähnt wird, und in dem der Prophet auf die Frage, wie sich dieses Wissen vermindern werde, antwortet:

„Allah nimmt nicht dieses Wissen selbst hinweg, sondern die ‘Gelehrten’ (diejenigen, die berufen sind, Wissen zu tragen und zu vermitteln; Al-Hamalat). Auf diese Weise schwindet das Wissen, und es bleiben unter den Menschen die Unwissenden als ihre Führer; diese geben religiöse Schiedssprüche bar jeglichen Verstandes; sie gehen in die Irre und führen andere in die Irre.“ (Sahih Muslim, Buch 34, Nr. 6465).

Trifft dieses Prophetenwort auf der einen Seite wohl kaum leugbar die heutige Situation in der so genannten „islamischen Welt“, so trifft es auf der anderen Seite genauso passend auch auf die Experten und Gelehrten der „westlichen Welt“ in ihren Analysen und Darstellungen des Islams zu. Beiden Seiten fehlt - abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen - der Zugang zur wahren Geistigkeit und Spiritualität des Islams, für die der Sufismus steht. Im Unterschied zu dieser großen spirituellen Tradition wird „Islam“ nicht verstanden als eine Haltung, eine geistige Einstellung in Hingabe an Gott, sondern als ein „Objekt“, das untersucht und erklärt und für irgendwelche Zwecke ausserhalb seiner selbst benutzt werden kann.

Die Wissenschaft vom Objekt „Islam“, sei sie islamisch-theologisch oder islamwissenschaftlich-orientalistisch, ist weit entfernt von der Subjekt-Objekt ungetrennten Schau des „wissend Liebenden“ (‘Arif Al-Muhaqiq), der die Dinge nicht mehr mit seinem beschränkten Verstand betrachtet, sondern nur hört, was Er sagt. In diesem Augenblick ist jener nur ein Zeuge, und Gott ist es, der seinen Unterricht übernimmt (vgl. Ibn Al-’Arabi: Futuhat Al-Makkijja, I, 239). Der im Titel dieses Vortrags ebenfalls angesprochene „Nachteil“ aber einer solchen Wissenschaft liegt wohl in der schwierigen Kommunikabilität dieses wahren Wissens. Wer es fassen konnte, fasste es und war hoch beglückt, wer es aber nicht fassen konnte, der konnte es nicht fassen und verließ empört den Hörsaal.


Abdullah Bubenheim aus Amman schrieb am 30.10.2007
Im Vorwort von Dr. Mostafa al-Badawis Buch mit dem Titel „Der Mensch und das Universum – eine islamische Perspektive“ heißt es im Vorwort:
„Die Fähigkeit, zwischen dem zu unterscheiden, was islamisch unannehmbar ist, und dem, was ohne Schaden angepaßt werden kann, muß auf einer festen Bandbreite von Prinzipien gründen. Leider haben die meisten Muslime jetzt das Stadium erreicht, in dem sie sogar nicht mehr wissen, was Grundsätze sind. Die wenigen Versuche, die in den letzten Jahren gemacht worden sind, um islamisches Wissen in für die heutige Denkart verständlichen Ausdrucksweisen neu zu formulieren, sind wegen dieses Mangels ins Stottern geraten. Zahlreiche „gebildete“ Leute glauben heute, daß die flüchtigste Kenntnis der Religion ihnen das Recht gibt, in deren Namen und im Widerspruch zu anerkannten religiösen Autoritäten zu sprechen. Solche Leute haben bereits gewaltige Schnitzer gemacht.“

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