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Zakat – mehr als eine Steuer

Über die verschiedenen Ebenen einer der fünf Säulen des Islam

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Foto: IZ Medien

(iz). Der Islam fordert zu sozialen Abgaben und zu großzügigen Spenden auf. Im Qur’an lesen wir an mehreren Stellen, wie das Spenden und das finanzielle Unterstützen von Menschen hochgeschätzt und von Allah reichlich belohnt wird (zum Beispiel Sure Al-Baqara, 261-271 und Al-Hadid, 7).

Doch das Spenden ist nicht immer freiwillig. Die Zakat [die Wohlstandsabgabe] gehört zu den fünf Säulen den Islam und ist somit eine Pflicht. Es wird unterschieden zwischen zwei dieser Abgabe: die jährliche auf das Vermögen sowie jene, die mit dem Ende des Fastenmonats fällig wird [Zakat Al-Fitr]. Gerade war die Zeit für die zweitgenannte. Die Abgabe, die Muslime am Ende des Monats Ramadan und vor dem Fest zu seinem Ende bezahlen müssen. Jeder Muslim, Mann oder Frau, groß oder klein, muss die Almosen für sich und für diejenige, für die er das Sorgerecht hat, zahlen. Ihr Sinn besteht darin, den Armen am Tag des Festes Freude zu machen und zu helfen, gleichermaßen wie die Reichen das Fest zu feiern ohne den sozialen Unterschied zu spüren. Doch ist das wirklich alles? Kann eine staatliche Steuer das nicht erfüllen?

Die Zahlenden denken daran, dass sie dadurch andere Menschen helfen. Das stimmt natürlich, ist aber nicht alles. Durch die Bezahlung der Zakat helfen sie sich auch selbst. Die religiöse Steuerabgabe soll auch den Menschen läutern und rein machen, wie der Qur’an in Sure At-Tauba, Vers 103 dieses per se thematisiert: „Nimm von ihrem Besitz ein Almosen, mit dem du sie rein machst und läuterst.“

Aber wie kann Geld läutern und rein machen? Eine Überlegung über den Sinn von Zakat kann man zu zahlreichen Lehren kommen, erzählerische, pädagogische und soziale Lehren „maqasid tarbauta“ auf allen Ebenen: der persönlichen, familiären und gesellschaftlichen – der mentalen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Ebene. Gerade die persönliche Ebene möchte ich ausführlicher betrachten, weil daran wird meistens nicht gedacht.

Auf der persönlichen Ebene
Der Mensch besitzt Habsucht nach Geld. Er tut sein Bestens, um Geld zu verdienen, sodass er sogar bereit ist, mit den eigenen Familien- und Freundeskreisen um Geld zu streiten. „Und er ist in seiner Liebe zum (eigenen) Besten wahrlich heftig.“ (Sure Al-Adijat, 8) Die Zakat soll den Menschen davor schützen, sich in den Mittelpunkt zu stellen und seine Mitmenschen zu vergessen. Sie soll seine Seele und sein Herz davor schützen, geldgierig zu werden, indem er durch Zakat lernt, zu geben und zu helfen. Die Liebe zu Geld darf also unser Herzen nicht besitzen, denn diejenigen, die „vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt bleiben, das sind diejenigen, denen es wohl ergeht.“ (At-Tagabun, 16)

Auf der moralischen Ebene schützt sie vor Neid und Eifersucht. Zakat soll ebenso den Armen lehren, stolz und selbstbewusst zu sein, denn sie ist sein Anspruch, er erbettelt sie nicht. „Und gib dem Verwandten sein Recht, ebenso dem Armen und dem Sohn des Weges“ (Al-’Isra, 26). Durch das Einhalten und fortlaufenden großzügigen Umgang mit dem Geld und mit Menschen in Not lernt man, großzügig zu sein und lässt seine Liebe zu Mitmenschen anwachsen; aber auch die Liebe des Menschen ihm gegenüber. Ein Sprichwort besagt „ das große Kapital eines Menschen ist es, Menschen zu lieben und von Menschen geliebt zu sein“. Genau in diese Richtung soll Zakat auf der persönlichen Ebene ihre Wirkung entfallt. Daher warnt Allah im Qur’an deutlich davor, die Almosen zu vereiteln: „Oh ihr, die ihr glaubt, vereitelt nicht eure Almosen, indem ihr auf euer Verdienst pocht und Ungemach zufügt.“ (Al-Baqara, 264)

Nutzen für die Gesundheit
Die Zakat schützt den Körper und die Gesundheit des Menschen als geehrtes Geschöpf Allahes vor Mangel an Grundelementen des Lebens. In Sure TaHa, 118 heißt es „Gewiss, es ist dir gewährt, dass du darin weder hungerst noch nackt bist, und dass du darin weder dürstest noch Sonnenhitze erleidest.“ Die beiden Verse versprechen jedem Menschen das Recht auf Unterkunft, Nahrung und Kleidung.

Die Zakat ist Mittel dafür, die Grundbedürfnisse des Menschen in Not zu sichern, um ihn und eine Gesundheit zu bewahren. In dem bekannten Werk des berühmten Gelehrten Ibn Qudama (1146-1223) „al-Mughni“ lesen wir im Band vier, dass muslimische Gelehrten der Meinung sind, wenn die Zakat für die Abdeckung dieser drei Grundbedürfnisse nicht ausreicht, die Reichen des Landes dafür verpflichtet sind, dafür aufzukommen. Wenn sie es nicht freiwillig tun, sollte der Machthaber sie dazu zwingen, meint auch Ibn Ḥazm in „al-Muḥala“.

Der Mensch, seine Gesundheit und sein Körper müssen geschützt werden. Das Ehren des Menschen ist ein wichtiges islamisches Gebot „Und Wir haben ja die Kinder Adams geehrt“. (Al-Isra’, 70) Diese drei Aspekte werden gerade an den Festtagen berücksichtigt. Daher gibt es auch Zakat anlässlich des Fastenbrechens. Arme und Bedürftige sollten gerade dass gut versorgt sein und sich keine Gedanken darüber machen müssen. Diese menschliche Sichtweise und dieser gefühlvolle Umgang mit den Menschen ist nicht auf den Muslimen beschränkt, sondern es gilt auch für Andersgläubigen.

In seinem bekannten Werk „al-Kharag“ berichtet Abu Yousef, dass Muslime die Schriftbesitzer ihre Kosten für ihre religiösen Festtage vom Gesamteinkommen absetzen ließen. Der Grund dafür liegt in der Betrachtung der Feierlichkeiten als Grundversorgung. Diejenige, die Almosen zahlen, haben also davon genau so viel Nutzen, wie diejenigen, die Almosen annehmen.

Auf der familiären Ebene
Zakat bedeutet etymologisch Reinheit und Wachstum. Und gerade diese beiden Aspekte sind für die Familie wichtig. Durch Zakat soll der Muslim gelernt haben, nicht am Geld zu hängen. Nicht das Geld dem Menschen zu bevorzugen. Die Diskussion um die Kosten und Ausgabe prägen jeden Haushalt. In einer prophetischen Überlieferung heißt es „der großzügige Mensch ist nah bei Allah, nah bei den Menschen, nahe am Paradies und weit entfernt von der Hölle; ein geiziger Mensch ist weit entfernet von Allah, den Menschen, dem Paradies und nah an der Hölle. Ein unwissender großzügiger Mensch ist bei Allah besser als ein geiziger Gelehrte.“ (Sunnan at-Tirmidhī)

Durch Zakat ist auch die eigene Familie gesichert, wenn der Versorger arbeitsunfähig wird. Dies wird sogar zweifach belohnt, zum einem als Zakat und zum anderen als Pflege der Verwandschaft (Silat-i-raḥim), was an ein islamisches Gebot ist. Zudem kann das Bittgebet eines bedürftigen Menschen, dem Sie mit Zakat geholfen haben, das ganzes Leben ändern. „das Gute zu tun, schützt vor Unglück“, so eine prophetische Überlieferung. (laut Imam As-Suyūṭī)

Auf der gesellschaftlichen Ebene
Zakat ist genau das Gegenteil vom bekannten Spruch „was ist nicht weiß, macht mich nicht heiß“. Sie ist eine Pflicht. Es heißt nicht nur, dass der Almosenpflichtige dem Andern hilft, sondern darüber hinaus, dass er sich für den anderen interessiert. Er fragt nach, informiere sich über ihn, seine Situation und wie es ihm geht usw.

Die Zakat verstärkt die Beziehung unter den Menschen und sorgt für gegenseitige Unterstützung und dementsprechend mehr Sicherheitsgefühl bei dem Eigenen selbst. Ibn Ḥazm ist in „al-Muḥala“ der Meinung, dass die Reichen für die Armen in der Gesellschaft aufkommen müssen, wenn die staatliche Kasse nicht in der Lage ist. Wenn sich die Reichen weigern, zwingt ihnen der Herrscher dazu. Dies verstärkt die Loyalität zu der Gesellschaft und die gegenseitige Anerkennung und soziale Unterstützung.

„Dies, damit es (das Geld) nicht nur im Kreis der Reichen von euch bleibt“. (Al-Haschr,7). In einem sehr langen Hadith heißt es: „Am Jüngsten Tag wird Allah sagen: „O, Sohn Adams, Ich war erkrankt und du hast mich nicht besucht.“ Der Mensch wird antworten: „Wie soll ich Dich besuchen, denn Du bist der Herr der Welten?“ Allah wird sagen: „Wusstest du nicht von meinem Diener, der erkrankte und du ihn nicht besuchtest? Wenn doch, Mich hättest Du bei ihm gefunden. Wenn du den von Hunger Getroffenen gespeist hättest, als er dich darum bat, Jenes fändest du nun bei Mir. Und als der an Durst Leidende dich um Wasser bat, hast du ihn nicht trinken lassen. Weißt du denn nicht, sonst hättest du das nun bei mir wiedergefunden!“ (Saḥīḥ al-Bukharī)

Dieses lebhafte und feinsinnig Gefühl dem Anderen gegenüber hält die Gesellschaft zusammen und verstärkt sie. Eine erfolgreiche Gesellschaft ist unter anderem jene, deren MitbürgerInnen sich gegenseitig wahrnehmen und zusammenhalten. Und dies ist ein Ziel der Zakat. Allen Muslimen ein gesegnetes Fest und möge Allah unsere Taten annehmen und reichlich belohnen. Amin.

* Dr. Mahmoud Abdallah arbeitet am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen.

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Dr. Mahmoud Abdallah

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