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Warum Jesus auch im Islam eine wichtige Rolle spielt

„Jesus und ich": Wie Muslime über einen heiligen Propheten nachdenken

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(OI). In beinahe jedem Jahr ende ich damit, dass ich während der Weihnachtsfeierta­ge arbeite. Das ist keine große Sache, weil ich diesen Feiertag nicht begehe. Es macht mir nichts aus für meine Kollegen zu arbeiten, die jetzt frei haben. Immer­hin ist das nur gerecht, weil sie mich vertreten, wenn ich mich in die ‘Id-Feiertage verabschiede.

Das einzige Problem ist, dass diese Tage so langweilig sind. Nichts hat auf! Das wird zu einer Herausforderung, wenn man essen will. Im letzten Jahr übernahm ich die Nachtschicht während Weihnachten und es gab beinahe kein Restau­rant, das geöffnet hatte. Selbst die Chine­sen hatten zu! Gott sei dank gab es noch muslimische Lokale.

Obwohl ich arbeite und Weihnachten für mich ein Tag wie jeder andere ist, heißt das nicht, dass ich nicht über ­Jesus (arab. ‘Isa) nachdenken würde. Tatsäch­lich reflektiere denke ich sehr häufig an ihn – und seine Mutter. Während ich durch die Gänge des Krankenhauses gehe, in dem ich arbeite, sehe ich die verschie­denen, hier ausgestellten Krippenszenen. Mich bringen sie dazu, über ihn zu reflek­tieren und ich werde daran erinnert, was für ein faszinierender Prophet und Gesandter er war.

Die Geschichte seiner Geburt wird im Qur’an zwei Mal erzählt. Darüber ­hinaus erfahren wir, wie er im Säuglingsalter sprach, Blinde und Aussätzige heilte sowie die Toten zum Leben erweckte. In der qur’anischen Offenbarung finden wir einen Bericht davon, wie Jesus Vögel aus Ton formte und ihnen – mit Erlaubnis von Allah, dem Allmächtigen – Leben einhauchte.

Im Qur’an beschreibt Allah Seinen Propheten Jesus als „geehrt in der Welt und dem Jenseits, einer der Allah Nahestehenden“ und er gehört „wahrlich zu den Rechtschaffenden“. Im 171. Vers der Sura An-Nisa findet sich folgende Beschreibung von ihm: „Isa, der Sohn Mariams, ist nur Allahs Gesandter und Sein Wort, das Er Mariam entbot, und Geist von Ihm.“ Die klassischen (Qur’an-)Kommentatoren haben diesen „Heiligen Geist“ entweder als die Göttliche Inspiration oder als den Engel Gabriel (Dschibril) interpretiert.

Der 8. Dezember markiert das Fest der Unbefleckten Empfängnis. Als Student an der Marquette Universität hat es mir immer gefallen, weil ich hier frei hatte. Ich dachte immer, dieser Tag dient der Erinnerung an die Empfängnis von ­Jesus, aber ich war überrascht zu erfahren, dass er eigentlich die Empfängnis der Jungfrau Maria feiern soll. Ich feiere jenen Tag natürlich nicht, aber er gibt mir immer ein gutes Gefühl wegen des hohen Rangs, den sie im muslimischen ­Glauben genießt. Eine Beschreibung ihrer Geburt findet sich ebenfalls im Qur’an: „Als ʿImrans Frau sagte: ‘Mein Herr, ich gelobe Dir, was in meinem Mutterleib ist, für Deinen Dienst freigestellt. So nimm (es) von mir an! Du bist ja der Allhörende und Allwissende.’ Als sie sie dann zur Welt gebracht hatte, sagte sie: ‘Mein Herr, ich habe ein Mädchen zur Welt gebracht.’ Und ­Allah wusste sehr wohl, was sie zur Welt gebracht hatte, und der Knabe ist nicht wie das Mädchen. ‘Ich habe sie Maryam genannt, und ich stelle sie und ihre Nachkommenschaft unter Deinen Schutz vor dem gesteinigten Satan.’“ (35-36)

Maria (Mariam) ist die einzige Frau, die namentlich im Qur’an Erwähnung findet. Nach ihr ist die 19. Sure (Abschnitt) der Offenbarung gewidmet. Allah hebt sie als das Vorbild eines Gläubigen hervor: „Und Allah hat als Gleichnis für diejenigen, die glauben, dasjenige von Pharaos (Fir’aun) Frau geprägt. Als sie sagte: ‘Mein Herr, baue mir bei Dir ein Haus im (Paradies)garten, und errette mich von Fir’aun und seinem Werk, und errette mich von dem Volk der Ungerechten.’ Und (auch von) Mariam, ‘Imrans Tochter, die ihre Scham unter Schutz stellte, worauf Wir in sie von Unserem Geist einhauchten. Und sie hielt die Worte ihres Herrn und Seine Bücher für wahr und gehörte zu den (Allah) demütig Ergebenen.“ (At-Tahrim, 11-12)

Es ist ziemlich erstaunlich, dass eine solch prominente Gestalt einer Religion bei einer anderen in einem derart hohen Anse­hen steht. Aber dies ist im Islam sehr oft der Fall, weil er die Fortführung der bisherigen, prophetischen Tradition ist, die mit unserem Stammvater Adam begann, via seine Söhne Noah, Abraham, Moses und Jesus fortsetzte, bis sie schließlich im Propheten Muhammad mündete.

Wir Muslime erleuchten unsere Häuser nicht mit Adventskränzen, haben keine Weihnachtsbäume in unseren Wohnzimmern, arbeiten am „Heiligabend“ – womöglich in der Nachtschicht – und streifen auf der Suche nach einem ­offenen Restaurant durch die Straßen. Aber das heißt nicht, dass wir Jesus und Maria nicht in unseren Herzen haben, denn die Liebe zu ihnen ist Teil unseres Glaubens.

In vielen Moscheen werden die Verse, in denen Allah über den besonderen Rang von Jesus und seiner Mutter spricht, bei den rituellen Gebeten rezitiert. Nur, weil wir kein Weihnachten feiern, bedeutet das nicht, dass uns dieser Prophet – und seine Mutter – nicht am Herzen liegt.

Dr. Hassabella ist – neben seinem Beruf als Mediziner – ein produktiver Kolumnist, Autor und Blogger, dessen Beiträge in überregionalen, US-amerikanischen Zeitungen veröffentlicht werden. Er ist Ko-Autor des Beliefnet-Handbuches über den Islam. Sein Essay „Why I Love the Ten Commandments“ wurde in der, mit einem Preis ausgezeichneten Anthologie, „Taking Back Islam“ veröffentlicht. Darüber hinaus half er bei der Gründung des Chicago-Büros Council on American Islamic Relations (CAIR) mit und saß in seinem Aufsichtsrat. Außerdem gründe­te er die Hilfsorganisation Bayan H. Hassaballa Charitable Foundation, deren leiten­der Direktor er ist.

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Dr. Hesham A. Hassaballa

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