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Extreme Gruppen sind eine Herausforderung für den gemäßigten Mehrheitsislam. Auf sie muss reagiert werden, meint Sulaiman Wilms

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(iz). Im Rahmen des umstrittenen ­Präventivgipfels von Innenminister Friedrich kritisierten Muslime, dass nur auf den „Extremismus“ ­ver­ein­zelter Muslimen geblickt werde. Gleichzei­tig vernachlässige der Staat, so Nurhan Soykan, Generalsekretärin des Zentralrates der ­Muslime, das Thema der Islamfeindlichkeit. „Soykan (…) warnte zudem davor, die radi­kalislamische Strömung der Salafisten über­zubewer­ten“, hieß es in einer Agenturmeldung. ­Deren Einfluss sei eher gering.

Die übergroße Mehrheit praktizierender ­Muslime würde ihr beim ersten Punkt zustim­men. Beim zweiten muss sie mit Widerspruch rechnen. Was Frau Soykan nicht sagen kann oder will, belegen Gespräche mit Gemeindevorsitzenden, engagierten Muslimen oder ­Ver­bandsvertretern. Auf allen Ebenen – und über ethnische oder weltanschauliche Gräben hinweg – betrachten viele in verantwortlicher Posi­tion das moderne, durch das Internet ­massive verstärkte Phänomen der „Salafiten“ (oder „Wahhabiten“) sorgenvoll.

Es zählt zu den Schwachstellen des organisier­ten Islam in Deutschland, dass sich dieser in den letzten zehn Jahren zwar oft – und kompromisslos wie eindeutig – gegen „Terror“ und „Extre­mismus“ aussprach. Die Ideologie und falsche Lesart des Islam aber, die deren Grundlage bildete, blieb mehrheitlich ausgespart. Vielleicht, weil es den Verbänden an geeig­ne­ten und mutigen Gelehrten fehlt, vielleicht, weil die Vorstellung, wir seien „doch alles ­Brü­der“, bislang dominierte; bisher jedenfalls fehlt eine fundier­te, rechtlich überzeugende Zurückweisung dieser Ideologie.

Nurhan Soykan irrt auch, wenn sie meint, die­se Gruppierungen (innerlich zur Einheit un­­fähig und viele Muslime zu ­„Ungläubigen“ erklärend) hätten nur einen geringen ­Einfluss. In Orten wie Berlin, Bonn, Münster und ­anderen Städten hinterließen sie an Herz und Seele beschädigte Jugendliche, denen die ­Pre­di­­­ger mit dem starren Blick massive Selbstzweifel und falsche Vorstellungen einpflanzten. Von den unglückseligen Individuen, die schließlich in Afghanistan oder Pakistan ­­ende­ten, ganz zu schweigen.

Dabei hätten es diese, in sich gespaltenen Klein­gruppierungen viel schwerer, wenn die Moscheen und ihre Dachverbände ihre Hausaufgaben gemacht hätten. Wird der Islam in den Augen von Jugendlichen ohne innere Begeisterung „verwaltet“ und sprechen ­Imame, die kaum oder kein Deutsch können, über ­alles außer über die Anlie­gen junger ­Muslime, dann geschieht es, dass sie sich an­deren, vermeintlich glaubwürdigeren Quellen für ihr Wissen vom Islam zuwenden.

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Sulaiman Wilms

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