Peter Ziegler aus Basel/Schweiz schrieb am 20.03.2010
Aiman A. Mazyek ist nicht nur brillanter Journalist, er ist ebenso begabter TV- Showman und vor allem Funktionär. Als solcher verschweigt er uns ein paar wichtige Faktoren zur Islamphobie, die ihm wohl ebenso bekannt sind wie mir, einem einstigen Redakteur des Evangelischen Pressedienstes. Ich habe als inzwischen muslimisch geprägter Journalist freilich kein Amt zu verlieren und lebe als Auslandsdeutscher auch etwas mit Abstand zu Berlin. In der deutschen Islamkonferenz wird Bundesinnenminister de Maizière kein Problem lösen, er ist selbst von Stunde Null an ein wichtiger Teil des europäischen Problems Islamphobie geworden. Wenn die islamischen Verbände nicht aufpassen, werden bald eine gut vernetzte Seilschaft von Evangelikalen uns Muslimen den Islam auslegen. Ich halte den Innenminister für einen Kopf dieser Evangelikalen, verworben in einer Bruderschaft Gleichgesinnter, die mehr Einfluss auf die deutsche Innenpolitik hat als uns bisher bekannt war. Die „Welt“ schrieb 2008: „Strenggläubige evangelische Christen, denen die Bibel als getreues Wort Gottes gilt, leben nicht nur in den USA. Auch in Deutschland gibt es sie. Mehrere Unionspolitiker, darunter CDU-Fraktionschef Volker Kauder, gehören dazu. Die Balance zwischen Glauben und realistischer Politik ist für sie oft schwierig.“
Dank Google lassen sich Spuren des heutigen Innenministers quer durch die EKD verfolgen, die ihm inzwischen als willfährige Hausmacht dient. Zitat aus der evangelischen Zeitung für Westfalen und Lippe: „Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erwartet vorbildliches demokratisches Verhalten von den Islam-Vertretern in Deutschland. Die Repräsentanten der Muslime sollten sich nicht nur klar zum Grundgesetz bekennen, sondern dies auch vorleben, sagte de Maizière.“ Der neue Herr der Islamkonferenz lebt jedoch selbst nicht nach der Verfassung, denn aus dieser leitet sich ab, dass für Beschuldigte zunächst einmal die Unschuldsvermutung gilt. Vorgänger Wolfgang Schäuble hielt sich explizit an diese Regel, als Münchener Staatsanwälte begannen diverse IGMG-Mitglieder mit fernsehgerecht inszenierten Hausdurchsuchungen zu überdecken. Meine Ahnungen haben sich bestätigt: wir Muslime werden noch einmal dem einstigen Innenminister nachtrauern.
Früher hat es in der EKD zwei Flügel gegeben: die sozial Engagierten und die missionarisch Aktiven. Mein südbadischer Landsmann Wolfgang Schäuble gehörte jedenfalls nicht zu den Missionaren, de Maizière schon. In mehreren seiner Reden als Kanzleramtschef nannte er die presbyterianische Kirchenleitung eine Wurzel der Demokratie. Die presbyterianischen Kirchen bekennen sich theologisch zu calvinistisch-reformierten Wurzeln. Sie betonen die Autorität der Bibel, die Souveränität Gottes und die Rechtfertigung durch Jesus Christus. Die Frauenordination ist in einigen presbyterianischen Kirchen erlaubt, in eher konservativen Kirchen nicht. Das also sind die Quellen, aus denen de Maizière schöpft. Der Innenminister der aus einer des Glaubens wegen aus Frankreich vertriebenen Hugenottenfamilie stammt, erinnerte kürzlich auch an den Nachfolger Calvins in Genf, Theodor Beza. Dieser habe erkannt, die Völker seien älter als ihre Magistrate, so sei kein Volk für seinen Magistrat, sondern der Magistrat für sein Volk geschaffen. Diese Erkenntnis sei ein Fundament für die Volkssouveränität. Über den Calvinismus ist der evangelikale Innenminister auch international gut vernetzt.
Zum 500. Geburtstag Calvins werden sich im Deutschen Historischen Museum Freunde in der Politik und im Glauben treffen. Die Ausstellung ''Calvinismus. Die Reformierten in Deutschland und Europa'' wird am 31. März mit Ansprachen von Ministerpräsident Balkenende aus den Niederlanden, Bischof Wolfgang Huber und Bundesminister Thomas de Maizière am 31. März in Berlin eröffnet. Calvins Heimatstadt war Genf, wo man zu seinen Zeiten die Balkone abhackte, da diese nur der Eitelkeit dienten. Der Calvinismus in der UN-Stadt Genf mit seinen allseits präsenten arabischen Muslimen hat sein Haupt wieder erhoben. Dort wurde ein Sohn des libyschen Herrschers von der Polizei so gedemütigt, dass seit nunmehr fast zwei Jahren ein heftiger Konflikt zwischen der Schweiz und Libyen tobt, in den jetzt auch die EU hineingezogen worden ist. Weniger spektakulär und weitgehend unbemerkt von uns Muslimen wird in evangelischen Kirchenzeitungen heute nicht nur erneut Judenmission betrieben, auch Muslime sollen von ihrem Glauben abgeworben werden. Was Al Azhar in Kairo schon 2007 bemerkt hat, dürfte doch auch Aiman A. Mazyek aufgefallen sein. Er kennt wohl die bittere Wahrheit, würde er sie beherzigen, müsste er für ein Ende der Islamkonferenz eintreten bevor sie endgültig zur Farce verkommt.
Oscar Assadullah Mukhtar Bergamin aus Felsberg/Schweiz schrieb am 26.03.2010
Mashallah haben wir gute Schreiber, Jawohl Herr Ziegler: "Wenn die islamischen Verbände nicht aufpassen, werden bald eine gut vernetzte Seilschaft von Evangelikalen uns Muslimen den Islam auslegen",... und das gilt auch für uns in der Schweiz! Diejenigen Schweizerischen Evangelikalen die uns vorwerfen, unseren islamischen Lebensinhalt würde nicht im Einklang mit der schweizerischen Rechtsordnung stehen, fischen uns ganz nebenbei unsere verfassungsmässige Grundrechten aus der Tasche...