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07.06.2010 Hintergrund: Die Geschichte bestätigt die wichtige Rolle von Frauen im Islam. Von Laila Massoudi

Entscheidende Trägerinnen des Wissens

(iz) Der Qur’an und die Hadithe (die überlieferten Aussagen des Propheten) ermutigen Frauen wie Männer, nach Wissen zu ­suchen. Frauen haben wesentliche Bei­träge zur Erziehung und auf vielen ­anderen ­Gebieten geleistet. Die wichtigste unter ihnen war Sai­jidat ‘Aischa, die jüngste der Ehefrauen des Propheten und Frau mit dem meisten Wissen in ihrer Zeit. Der Prophet heiratete sie in jungen Jahren, als sie aufnahmebereit für jene Werte war, um die Gemeinschaft der muslimischen Frauen zu führen und zu beeinflussen. ‘Aischa verfügte über einen außerordentlichen Verstand und ein gutes Ge­dächtnis. Sie gilt als eine der verläss­lichste Quelle und als primäre Lehrerin für prophetische Hadithe. Sie hatte Wissen vom Qur’an, den Anteilen des Erbrechts, den erlaubten und verbotenen Dingen, Dichtung, Literatur, Arabische Geschichte, Abstammungslehre und Medizin im Allgemeinen.
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Die erste Madrassa für Frauen mit einer Lehrerin wurde im Haus von ‘Aischa gegründet. Mit Hilfe eines Vorhangs konnten auch Männer an ihrem Unterricht teilnehmen.

Der Gesandte Allahs gab sogar die Anweisung, dass die schutzbefohlenen Mäd­chen erzogen werden sollten. Und er bat Schifa bint ‘Abdullah, dass sie seine Ehefraue Hafsa bint ‘Umar unterrichten sollte. Sowohl Männer als auch Frauen nahmen an diesem Unterricht teil. So kam es dazu, dass es beim Tode des Propheten Muhammad bereits viele weibliche Gelehrte gab.

‘Aischas Schülerin und enge Freundin, Amra bint ‘Abdurahman, war eine herausragende Gelehrte, deren Lehrmeinungen diejenigen anderer ‘Ulama überragten. In der Muwatta1 gilt sie als primäre Quelle bei drei Rechtsfragen: das Verbot der Öffnung von Gräbern, die Untersagung des Verkaufs unreifer Früchte sowie die Auswirkungen von beschädigter Ernten beim Verkauf landwirtschaftlicher Produkte.

In der langen Liste von Gelehrten in den ersten Jahrhunderten des Islam findet sich beispielsweise Nafisa bint Al-Ha­san, eine der Lehrerinnen von Imam Asch-Schafi’i. Er war Begründer einer der vier - heute bestehenden - Rechtsschulen des Islam. Der Imam saß im Höhepunkt seiner Bekanntheit in Ägypten in Nafisas Zirkel in Al-Fustat.

In seiner Geschichte von Damaskus erwähnte Hafiz Ibn Asakar die Namen von 80 Frauen, bei der er das Wissen von Hadithen studierte. Ibn Asakar, ein Imam im Tasawwuf war ein Schüler von Schuh­da bint Abi Nasr, einer der besten Gelehrtinnen ihrer Zeit. Sie hielt öffentliche Vorträge zu mehreren Themen in den wichtigsten Moscheen Bagdads.

Die Frauen des Islam hatten zu allen Zeiten ein wesentliches Interesse an der Verbreitung von Massenerziehung in verschiedenen Teilen der Welt. Die Schwester von Salah Ad-Din Al-Ajjubi, Zammurd, und ihre Nichte Uzra, gründeten zwei unterschiedliche Madrassen. Fatima bint Muhammad Al-Fahri war Begründerin der ältesten, heute noch erhaltenen Universität: der Qairawijin, im marokkanischen Fes.

Razia Begum (zu Beginn des 13. ­Jahrhunderts christl. Zeitrechnung), eine frühe Herrscherin im muslimischen ­Indien, etablierte zwei Madrassen in ­Delhi: die „Moazzia“ und die „Naserija“. Zur Zeit von Sultan Muhammad Schah Tughluq (in der Mitte des 14. Jahrhunderts) gab es tausend Madrassen in Delhi. Viele von ihnen waren den Frauen vorbehalten.

Der indische Gelehrte Muhammad Saleem führt viele Beispiele von Frauen an, die wesentliche Beiträge auf den Gebieten der Erziehung und des Wissens leisteten. Frauen waren Rechtsexperten, Kalligrafinnen, Dichterinnen, Mathematikerinnen, Ärztinnen und manchmal sogar Kriegerinnen. Eine Dienerin des Kaisers Akbar gründete die Madrassa Maham Anga. Fatima Sughra Begum aus der Region Bihar hinterließ ein umfangreiches Erbe als Stiftung namens „Sughra Waqf“, die der Erziehung ­gewidmet wurde. Eine gebildete Frau aus Kalkutta, Saulat un Nisa, gab dem Gelehr­ten Maulana Rahmatullah Muhadschir die damals enorme Summe von 30.000 Rupien. Er benannte die Madrassa „Saulatia“ zu Ehren der Patronin. Sie arbeitet noch heute.

Fußnoten:
1 Von Imam Malik, die erste formulierte Rechtsquelle des Islam.

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