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(iz). In den letzten Jahren weitete sich die Debatte um dieses – im Grunde archaische – Phänomen enorm aus. Regelmäßig geben sich Fachpublikationen, Symposien und Debatten hier die Klinke in die Hand; langsam entwickelt sich sogar ein akademischer Berufszweig, der dem Ganzen gewidmet ist. mehr ...
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Sie sind hier: Home >> Interview >> IZ-Gespräch mit dem Theologen und Soziologen Mouhanad Khorchide, der seit 2010 Professor in Münster ist
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26.12.2011 IZ-Gespräch mit dem Theologen und Soziologen Mouhanad Khorchide, der seit 2010 Professor in Münster ist

"Keine Elitentheologie betreiben"

(iz). Gibt es eine akademische Lehre des Islams in Deutschland? In der Vergangenheit musste diese Frage wohl verneint werden. Nach Ansicht von Politik, Universitäten und muslimischen Verbänden soll sich dies zukünftig ändern. In vier akademischen Forschungsstandorten sollen so genannte "Theologen" und Religionslehrer ausgebildet werden.
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Angesichts der bisherigen bildungspolitischen Entscheidungen und der geringen öffentlichen Partizipation seitens des Mehrheitsislams darf zumindest hinterfragt werden, inwiefern dies ein uneigennützig akademisches Vorhaben ist, oder ob hiermit nicht eine politische korrekte Version der islamischen Lehre installiert werden soll.

Wir sprachen hierzu mit Professor Mouhanad Khorchide, der den Lehrstuhl in Münster leitet. In der Vergangenheit löste der Münsteraner Professor mit seiner Dissertation über den islamischen Religionsunterricht in Österreich eine lebhafte Debatte mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich aus. Es steht zu erwarten, dass seine Thesen Widerspruch aus der muslimischen Community bekommen werden.

Islamische Zeitung: Wie ist Stand der universitären Projekte für eine so genannte "islamische Theologie" beziehungsweise "islamische Lehre"?

Mouhanad Khorchide: Mit Blick auf die über vier Millionen Muslime in der Bundesrepublik forderte der Wissenschaftsrat Ende Januar 2010 die Etablierung der islamisch-theologischen Forschung an mehreren deutschen Universitäten. Inzwischen fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung vier Zentren an folgenden Standorten in Deutschland: Münster/Osnabrück, Erlangen/Nürnberg, Frankfurt/Gießen und Tübingen. Sowohl in Tübingen, als auch in Frankfurt haben die ersten Studiengänge schon gestartet. An der WWU Münster starten im kommenden Studienjahr 2012/2013 mehrere Studiengänge für islamische Theologie und für die Religionslehrerausbildung. Gerade die beschlossene Einführung des islamischen Religionsunterrichts in NRW ab kommendem Schuljahr stellt die Herausforderung, möglichst viele Religionslehrkräfte für diesen Unterricht auszubilden.

An den Zentren für islamische Theologie sollten muslimische Hochschullehrerinnen und -lehrer sowohl in Lehre als auch in Forschung tätig sein. Das Problem, vor dem wir im Moment stehen, ist der Mangel an entsprechendem Personal, da der Unterricht in deutscher Sprache stattfinden soll und wir daher nur begrenzt auf ausländische Ressourcen zurückgreifen können. Das von der Stiftung Mercator geförderte und von der WWU Münster koordinierte Graduiertenkolleg für islamische Theologie soll diese Lücke füllen und für hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sorgen. Insgesamt werden durch dieses Kolleg 15 junge Menschen gefördert.

Islamische Zeitung: Wer formuliert schlussendlich den muslimischen Konsens (Mehrheitsislam) in staatlichen Bildungseinrichtungen?

Mouhanad Khorchide: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das diese Zentren der islamischen Theologie fördert, mischt sich nicht in inhaltlichen Fragen ein. Wir haben keine Vorgaben bezüglich der islamisch-theologischen Ausrichtung der Inhalte. Das heißt, dass die tätigen muslimischen Professorinnen und Professoren die Freiheit haben, die Schwerpunkte zu setzen, die sie an ihrem jeweiligen Zentrum für sinnvoll erachten. Dies wird dazu führen, dass die innerislamische Vielfalt, die in der islamischen Ideengeschichte immer vorhanden war, auch in Deutschland repräsentiert sein wird. Die muslimischen Beiräte, die an diesen Zentren eingerichtet werden, sorgen dafür, dass die Grundsätze des Islam bewahrt bleiben.

In Deutschland leben Muslime mit unterschiedlichen nationalen, ethnischen und konfessionellen Hintergründen. Die Frage, die sich ergibt, ist: Welchen Islam wollen wir nun an diesen Zentren vertreten, den asch'aritischen, den maturidischen, den mu'tazilitischen, den salafitischen, den sunnitischen oder den schiitischen? Welche Rechtsschule wollen wir vertreten, die hanbalitische, die hanafitische, die malikitische oder die schafi'itische? Auch innerhalb dieser Glaubens- und Rechtsschulen gibt es eine große Vielfalt.

Ich kann nur für meinen Standort in Münster, den ich verantworte, sprechen. Diese Schulen sind in einem bestimmten historischen Kontext gewachsen und haben sich mit Fragen beschäftigt, die für sie in ihrer Zeit relevant waren. Heute sind wir hier im deutschen Kontext mit anderen Fragen konfrontiert. Schaut man sich zum Beispiel die Bücher der islamischen systematischen Theologie (Kalam) an, dann sind die wichtigsten Themen, die behandelt werden, solche, wie die Frage nach dem Umgang mit anthropomorphen Gottesbeschreibungen im Koran, nach der Erschaffenheit des Korans, nach der Prädestinationslehre usw.

Die Diskussionen gingen so weit, dass nicht selten Schulen, die anderer Meinung waren, anderen Schulen, den Glauben absprachen. Menschen, die nach einem Zugang zu Gott suchen, stellen heute andere Fragen, sie interessieren sich nicht dafür, ob Gott eine Hand hat oder nicht, ob man ihn im Jenseits sehen kann oder nicht, sie wollen wissen, wie Gott handelt, wie er ist, sie wollen ihn hier und jetzt kennenlernen. Auf diese und viele andere Anliegen muss die Theologie heute eingehen.

Islamische Zeitung: Bei früheren Versuchen hatten viele Muslime das Gefühl, dass es Außenseiter sind, die die islamische Lehre an deutschen Universitäten definieren?

Mouhanad Khorchide: Wir stehen vor zwei Problemen in Deutschland, einerseits gibt es hier sehr wenige muslimische Theologinnen und Theologen, was die Gefahr mit sich bringt, dass schnell Positionen vertreten werden, die theologisch nicht begründbar sind. Andererseits setzen sich die meisten Muslime in Deutschland nicht reflexiv mit ihrem Glauben auseinander; nur wenige kennen die große islamische Tradition, dann neigt man dazu, das, was man weiß, als das einzig richtige zu sehen. Dabei gab es und gibt es weiterhin in der islamischen Ideengeschichte eine große Vielfalt. Dies führt dazu, dass reflektierte Positionen, die meist theologisch besser begründbar sind, als das, was im Volksglauben verbreitet ist, als Randmeinung erscheinen.

Die Frage der Gelatine ist ein gutes Beispiel. In der islamischen Jurisprudenz gibt es das Prinzip von „Istihala“, wenn sich also die Eigenschaften eines Stoffs so verändern, dass er nicht mehr erkennbar ist, dann bekommt dieser Stoff eine andere normative Behandlung. Das ist zum Beispiel bei Schweineteilen der Fall, die zu Gelatine verarbeitet werden, welche oft in Süßigkeiten enthalten sind, da der Anteil an Schweinprodukten nicht mehr die ursprünglichen Eigenschaften hat. Es gibt auch sehr viele entsprechende Fatwas, die Gelatine erlauben. Im Volksglauben ist diese theologisch viel haltbare Meinung aber kaum bekannt.

Islamische Zeitung: Gibt es bei den bisherigen Lehrplänen und Rahmenrichtlinien überhaupt Raum für eine - richtig verstandene - Orthodoxie?

Mouhanad Khorchide: Was ist überhaupt eine richtig verstandene Orthodoxie? Ein Salafit meint darunter etwas völlig anderes als ein Asch'arit, als ein Maturid, als ein Mu'tazilit, als ein Schi'it. Über fünf Grundsätze im Islam sind sich alle diese Richtungen einig: den Monotheismus, den Glauben an das Jenseits, an die Prophetie, an die Engel und an die Offenbarungen Gottes.

Diese Glaubensgrundsätze sind auch im Qur'an angeführt (wie in Sure 2, Vers 177), die Frage nach der Vorherbestimmung ist unter den Schulen umstritten.

Alle sind sich über die so genannten fünf Säulen des Islams einig. In den Details gibt es zum Teil erhebliche Differenzen. Wir sollten diese Grundsätze, über die Einigkeit besteht, als statisch sehen, also als unverrückbaren Boden für die islamische Theologie in Deutschland, darüber hinaus sollte Raum für Vielfalt offen bleiben. Dieser soll die islamische Theologie auch bereichern und unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse zulassen.

Islamische Zeitung: Wie soll/kann dem Einwurf begegnet werden, dass es sich bei diesen universitären Einrichtungen um eine nachgeordnete Funktion staatlicher Islam-Politik handelt, anstatt eine unabhängige Lehre zu sein?

Die Praxis ist das beste Argument gegen diesen Einwurf. Ich leite das Zentrum für Islamische Theologie in Münster, ich kann von meinem Standort in Münster sprechen. Mir schreibt niemand vor, welche islamische Lehre ich verantworten soll. Ich genieße die völlige Freiheit, die Lehre so zu gestalten, wie ich sie für sinnvoll halte. Der muslimische Beirat hat natürlich ein Vetorecht, wenn ich irgendetwas in der Lehre vertreten würde, was gegen die oben angeführten islamischen Grundsätze verstoßen würde.

Ich verstehe, dass es ein gewisses Misstrauen gibt, dass manche denken, der deutsche Staat will hier einen verwestlichten Islam, einen „Light-Islam“, einen „Euro-Islam“ einführen. Natürlich hat der Staat ein sicherheitspolitisches und ein integrationspolitisches Interesse, das ist auch legitim, jeder islamische Staat, der christliche Theologie an seine Universitäten einführen würde, würde genau so denken, aber ich habe wie gesagt volle Freiheit, die Lehre so zu gestalten, wie ich sie für sinnvoll halten und an den Grundsätzen des Islam wird nicht gerüttelt.

Gerade der Begriff „Schari’a“ zum Beispiel macht vielen Angst. Darunter wird in der Regel in der öffentlichen Wahrnehmung ein juristisches System verstanden, das als Gegenstück zur deutschen Verfassung eingeführt werden soll. Wenn wir diesen Begriff unbedingt verwenden wollen, dann müssen wir Muslime erklären, was wir darunter verstehen. Wir haben das Problem, dass wir den Islam hauptsächlich über juristische Aspekte definieren. Die muslimischen Gelehrten sind sich einig, dass von den über 6200 qur'anischen Versen gerade mal 70 juristische Aussagen machen.

Der Qur'an spricht hauptsächlich über Gott selbst, wie er ist, wie er handelt, damit wir ihn besser verstehen können und einen Zugang zu ihm haben. Wir beschäftigen uns viel zu wenig mit diesen Aspekten, dafür viel zu viel mit juristischen Aspekten und so geht der eigentliche spirituelle Kern des Islam verloren.

Islamische Zeitung: Was ist das Interesse Dritter (wie des Staates oder von Stiftungen) bei den neuen beziehungsweise geplanten Projekten?

Mouhanad Khorchide: Der Staat und andere Institutionen haben vor allem integrationspolitische Interessen, was aber wie schon gesagt, legitim ist. Wir Theologen sehen die Aufgabe der islamischen Theologie nicht in der Integration der Muslime, sie ist aber natürlich ein willkommener Nebeneffekt. Denn wenn sich Theologie von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt, wird sie mit der Zeit zu einem exotischen Gut, das niemanden interessiert.

Der Gelehrte Asch-Schafi'i hat sein Werk der Methodologie der islamischen Jurisprudenz im Irak geschrieben; als er später nach Ägypten umgezogen ist, hat er es verworfen und neu geschrieben, mit dem Argument, dass der Kontext in Ägypten ein anderer ist. Der gesellschaftliche Kontext war also für die muslimischen Gelehrten Bestandteil ihrer theologischen Überlegungen.

Islamische Zeitung: Besteht die Gefahr, dass mit den augenblicklichen Projekten ein gewendeter "politischer Islam" geschaffen werden soll?

Mouhanad Khorchide: Ich sehe die Etablierung der islamischen Theologie an deutschen Universitäten als große Chance, ein reflektiertes islamisches Angebot zu machen, das gerade auch junge Menschen anspricht, die sich von den Angeboten in den meisten Moscheen in Deutschland nicht angesprochen fühlen. Ich habe als Theologe Interesse, ein Angebot zur Gotteserfahrung zu machen, die Politik hat ein integrationspolitisches Interesse. Das eine schließt das andere nicht aus.

Ich denke wir sollten wegkommen von diesen Verschwörungstheorien, denn sie zeugen nur von der eigenen Unsicherheit. Man sollte vorsichtig und kritisch, jedoch auch realistisch sein. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Teile von dem, was wir heute als islamische Theologie rezipieren, nur ein Produkt des politisch gelenkten Islams der 'umaijadischen Dynastie ist, die bis heute von vielen gerade diktatorischen Regimen in der arabischen Welt gerne rezipiert wird - vor allem wenn es um Prädestination und Gehorsamkeit gegenüber dem Regierenden geht. Die aktuelle Haltung einiger bekannter syrischer Gelehrten ist ein Paradebeispiel dafür.

Islamische Zeitung: Gibt es eine Anbindung an die praktischen und spirituellen Bedürfnisse der hier lebenden Muslime?

Mouhanad Khorchide: Jede Theologie ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie sich von den Menschen entfernt. Denn warum betreiben wir letztendlich Theologie? Es geht um den Menschen. Wir wollen keine Elitentheologie betreiben. Deshalb ist die Anbindung an die Moscheegemeinden sehr zentral. In Münster haben wir schon enge Kooperationen mit den Moscheen und muslimischen Institutionen vor Ort.

Islamische Zeitung: Lieber Professor Khorchide, vielen Dank für das Interview.



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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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