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Sie sind hier: Home >> Bildung >> Nach der Jugend-Studie: Ein Kommentar von Eren Güvercin über die Wehleidigkeit unbewusster Verteidigungsreflexe

28.03.2012 Nach der Jugend-Studie: Ein Kommentar von Eren Güvercin über die Wehleidigkeit unbewusster Verteidigungsreflexe

Luschen fahren Karren an die Wand

(iz). Wer kennt das nicht? Man sitzt in der Bahn und wird von jungen Möchtegerngangstern gestört. Oft dröhnt dumpfe HipHop-Musik aus den schicken Handys, der Boden ist übersät mit Sohnenblumenkernen. Nicht selten werden Mädels angepöbelt oder die übrigen Fahrgäste durch das asoziale Verhalten dieser Halbstarken gestört.
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Die Reaktion der Menschen darauf sind entweder ein völliges Ignorieren dieser Witzfiguren beziehungsweise Angst davor, man könnte sich durch das eigene Eingreifen größeren Ärger einhandeln. Oder aber man hört ein Gemurmel wie „Diese Moslems mal wieder...“.

Natürlich, nicht nur junge Muslime fallen mit solch asozialem Verhalten auf, aber auffällig sind die reflexhaften Reaktionen von Muslimen, die ­dieses Verhalten eigentlich gar nicht guthei­ßen. Gerade in der aufgehitzten Debat­te der letzten Jahre fällt auf, dass Muslime den Hang haben, jeden Blödsinn und jedes dämliche Verhalten der „eigenen Leute“ zunächst einmal zu verteidigen. In der Wagenburg der eigenen Gewissheiten lebt es sich halt einfach bequemer...

Verwirrend an diesem unbewussten Verteidigungsreflex ist, dass er gegen sämtliche Eigeninteressen der deutschen Muslime funktioniert. Weder nützt der (laut der aktuellen Jugend-Studie) schlecht integrierte Anteil der nächsten Genera­tion oder jene Jugendlichen, die sich wie in Duisburg im Wandalismus gegen eine Kirchengemeinde ergehen, der muslimischen Community. Noch kann das Verhalten dieser asozialen Jungmänner auf einen Nenner mit den muslimischen Grundlagen gebracht werden.

Asoziales Verhalten bleibt aber ­asoziales Verhalten. Man tut weder diesen Jugendlichen noch den Muslimen einen Gefallen, wenn man nicht in der Lage ist, darüber kritisch zu reflektieren. Es zeugt von einem seltsamen Selbstverständnis, wenn man versucht, diese hohlen Zeitgenossen in Schutz zu nehmen. In diesem Sinne Jungs, ihr seid ­armselig und voll die Luschen. Macht nicht ­einen auf Opfer und jault nicht sofort los, wenn man auch mal auf seine ­ethnische Herkunft reduziert wird und rassistische Sprüche als Reaktion auf asoziales Benehmen ‘reingedrückt bekommt.

Klar sind diese Art der Reaktion auf euer Verhalten mindestens genauso dumm. Aber die Welt ist ein Spiegel, was den eigenen Zustand reflektiert. Schaut erst einmal auf euch, statt euch in eine ­Opferhaltung zu flüchten. Mit dieser Gangs­terpose fährt ihr voll vor die Wand.

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IZ erklärt Deutschland: Die Salaf
Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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