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10.11.2008 Ortstermin: Osnabrücker Muslime fahren zur Pilgerfahrt nach Mekka und Medina. Von Yasin Bas
Die schwierige Reise
(iz). Ramazan Cigir führt zum dritten Mal die „Hadsch“ aus. Die muslimische Pilgerfahrt nach Mekka und Medina gehört zu den fünf Glaubenspflichten, die jeder Muslim mindestens ein Mal in seinem Leben verrichten muss, sofern er gesundheitlich und finanziell in der Lage ist. Cigir stammt aus der türkischen Stadt Ordu, an der Schwarzmeerküste. 1962 kam er mit einem Zug über Istanbul nach München. Von der bayerischen Landeshauptstadt wurden die damaligen Gastarbeiter „in alle Städte Deutschlands verteilt“. Cigir fand zunächst in den Kölner Fordwerken eine Anstellung. Gewohnt hat er in einem Männerwohnheim, „wo nur Türken einquartiert waren“, sagt der 72-Jährige. 1971 zog der Rentner nach Osnabrück, arbeitete einige Jahre bei der Textilfirma Hammersen und wechselte von dort aus zu Kabelmetall nach Dodesheide. Hier arbeitete er über 25 Jahre, bis zu seinem 61. Lebensjahr.
Nachdem Cigir bereits 1993 das erste Mal die Pilgerfahrt vollzog, holte er im Jahre 2000 die Pilgerfahrt für seine Mutter nach. „Dieses Mal besuche ich die heiligen Stätten für meine an Diabetes leidende Ehefrau Sahin. Sie ist gesundheitlich nicht in der Lage, die Fahrt zu überstehen“, sagt Cigir. Im Islam sei es möglich die Pilgerfahrt für Kranke und sozial schwache zu übernehmen. „Für andere Gebete und Glaubenspflichten trifft das nicht zu. Die Pilgerreise ist da die einzige Ausnahme, die andere für einen übernehmen dürfen“, sagt Cigir.
Mit ihm nehmen weitere 22 Osnabrücker Muslime dieses Jahr an der Pilgerreise nach Mekka und Medina teil. Die „Hagia Sophia Moschee“ an der Meller Straße entsendet Ismail Güzel, Celal und Gülnur Abay, Recep Oguz, Metin Kurt, Naci Yapan, Perihan Avci, Fatma Duman und Rafet Burhan in die heiligen islamischen Stätten. Die Pilger der „Neuen Moschee“ an der Frankenstraße heißen: Ramazan Cigir, Mustafa und Döndü Akyürek, Mustafa-Ali und Semiha Kacmaz, Erol und Galibe Semiz, Mehmet und Gülay Özdemir, Remziye Bicer sowie Halim und Elvide Gündogdu. Aus der Gemeinde der „Merkez Moschee“ an der Iburger Straße nehmen die Familien Akyol und Sahin an der Pilgerfahrt nach Saudi Arabien teil.
Anlässlich dieser bedeutenden Reise luden die Pilger Freunde und Verwandte zur Abschiedsfeier in ihre Gemeinden ein. Zum Abschiedsessen an der Frankenstraße waren auch Imame aus Schüttorf, Nordhorn, Melle und anderen Städten Niedersachsens gekommen, die die Pilger auf ihrer dreiwöchigen Fahrt begleiten. In einer etwa vierstündigen Schulung wurde den Pilgern berichtet, worauf sie in Mekka und Medina zu achten haben, welche Orte sie besuchen und was für Gebete sie dort zu verrichten haben. Zudem wurde den Pilgern die richtige Ankleidung des weißen Pilgergewandes demonstriert. Der weiße Anzug, erklärten die Imame, symbolisiere ein Leichentuch und soll die knapp drei Millionen muslimischen Pilger an das Jüngste Gericht erinnern. „Die einheitliche Kleidung der Muslime bei der Hadsch verdeutlicht die Gleichrangigkeit der Muslime vor Gott“, sagte Kuddusi Uyasl, Imam der Neuen Moschee. „Soziale Stellung, Hautfarbe, nationale Herkunft oder Geschlecht haben dort keinerlei Bedeutung“. So besitze die Wallfahrt auch eine wichtige integrative und identitätsstiftende Funktion. Da die Pilger beim Besuch der heiligen Stätten eine Weihe (Ihram) ablegen, müssen sie dort bis zum Ende der Pilgerreise auf weltliche Bedürfnisse wie Geschlechtsverkehr, Rasur oder Auftragen von Parfüms verzichten. Außerdem dürfen sie nicht streiten oder böse sprechen.
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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehemalige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unseren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifizierung als Sekte zu entgehen. Phänomenologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitimation anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumentalen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter anderem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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