Heilmittel gegen ein Übel der Zeit
„Er [Schaitan] sagte: ‘Ich bin besser als er. Mich hast Du aus Feuer erschaffen, wohingegen Du ihn aus Lehm erschaffen hast. mehr ...
Hauptbild
Islamische Lebenspraxis · Gesundheit · Bekannte Muslime · Grundlagenwerke · Der Prophet · Terrorismus · Lebensart · Geld und Wirtschaft · Frauen · Adab, Akhlaq, Tasawwuf · Aqida · Recht (Fiqh) · Geschichte · Aktuelle Debatten · Finanzkrise · Quran
Wählen Sie aus unseren Kategorien:

 
  Erweiterte Suche

Schahada
Massouda Khan über die Einladung zum Islam
Islamische Lebenspraxis: Da'wa mehr
Gebet
Der folgen­de Text von Ali Ghandour dokumentiert ein alltägliches ­Beispiel.
Vom Beten am Freitag, während der Imam bereits spricht mehr
Zakat
Gold und Silber erfreuen sich im religiösen ­Gebrauch immer größerer Beliebtheit. Von Zack Abdullah
Die Barmherzigkeit der Zakat mehr
Fasten
Muslime nutzen die Gelegenheit der Lailat Ar-Ragha'ib
Eine Nacht des Lichts mehr
Hadsch
Eindrücke und Einsichten einer Umra, der kleinen Pilgerfahrt nacht Mekka. Von Sulaiman Wilms
Unterwegs im Hidschaz mehr
 
Registrieren   Passwort vergessen
 
 
Werbung
Sie sind hier: Home >> Islam >> Eine muslimische Perspektive der Homöopathie

13.02.2009 Eine muslimische Perspektive der Homöopathie

Heilung und Gesundheit

„Es gibt ein Heilmittel für alle Krankheiten. Wann immer eine Krankheit mit dem passenden Heilmittel behandelt wird, so wird sie mit Allahs Erlaubnis geheilt.“ (Hadith nach Muslim)

„Sollte der Schöpfer nicht Mittel hervorbringen können, die Leiden der Krankheit zu stillen, die Er doch entstehen ließ?“ (Aus einem Brief S. Hahnemanns an Hufeland, 1808)

Der Mensch auf der Suche nach Heilung
Vor langer Zeit wussten die Menschen sehr viel über die heilsame Wirkung vieler Pflanzen und Kräuter, doch schnell stieß man mit herkömmlichen Zubereitungsarten wie Teeaufgüssen, Umschlägen und Inhalationen an die Grenzen der Heilkraft. Viele Krankheiten waren zu komplex, um durch diese sanften Mittel geheilt zu werden. Und viele Arzneipflanzen waren zu gefährlich, um auf diesem Wege nicht noch größeren Schaden anzurichten. Man wandte sich neuen Medikamenten zu, vom Menschen geschaffenen Kompositionen und Mischungen, die im Laufe der Zeit immer synthetischer wurden.

Diese Entwicklung mündete in einer heute sehr mächtigen Pharmaindustrie, die mit enormem Aufwand Präparate erzeugt, die in Tierversuchen und klinischen Reihen erst auf ihre Wirksamkeit, dann auf ihre Ungefährlichkeit geprüft, um dann nach Schaden/Nutzenabwägung verschrieben und verabreicht zu werden. Unleugbar hat die Medizin in bestimmten chirurgischen Bereichen große Erfolge zu verzeichnen, doch schreibt sie sich auch Erfolge zu, besonders in der Bekämpfung der Infektionskrankheiten mit Antibiotika, die ihr nicht zustehen. Einwandfrei statistisch belegbar ist, dass die gefährlichen Infektionskrankheiten schon vor Einsatz dieser „Wunderwaffe“ sämtlich stark zurückgegangen sind, einfach aufgrund verbesserter Ernährung und Hygiene. Es sieht in einigen Bereichen sogar so aus, dass der massenhafte Einsatz von Antibiotika zu einer Negativentwicklung in diesem Bereich führt. Insbesondere die wachsende Resistenz von Mikroorganismen durch den übermäßigen Einsatz dieser Mittel hat zu häufig tödlichen Infektionskrankheiten geführt, bei denen die Antibiotika nicht mehr wirken. Dennoch sollte hier auch deutlich gemacht werden, dass es nicht um eine plumpe Gegenüberstellung zwischen „guter Alternativmedizin“ und „böser Schulmedizin“ geht, sondern um eine Perspektive, die darüber hinaus weisen will und das Positive aus beiden Behandlungsmethoden ziehen kann.

Ferner stellt sich die Frage, ob hochkomplexe chemische Mittel wirklich geeignet sein können, den Menschen zu heilen. Welche Art von Heilung soll erreicht werden? Wenn wir aber Symptome nur unterdrücken und betäuben, können wir dann noch unsere „Lektion“ lernen, oder machen wir damit nur den Aufruf zur Umkehr schnell „unhörbar“? Immer wieder findet sich in der qur’anischen Offenbarung der Hinweis, dass Krankheit auch einen Zeichencharakter hat, der an das jeweilige Individuum gerichtet ist, sein Leben zu hinterfragen. Die rein auf die Bekämpfung von Symptomen ausgerichtete Medizin verhindert zumeist solche Fragestellung an den Einzelnen. Man kann nicht abstreiten, dass kurzfristig, besonders in Notfällen, ein Medikament Leben retten und Linderung schaffen kann, aber insbesondere bei einer dauerhaften Anwendung ändert sich die Bilanz der Anwendung. An dieser Stelle muss die Frage nach der Wissenschaftlichkeit heutiger Medizin gestellt werden. Zunächst ist festzustellen, dass es in der Wissenschaft immer um Gesetze geht!

Naturwissenschaftliche Gesetze in diesem Fall. Gesetze, die uns der Schöpfer gegeben hat, um sie zu erkennen und anzuwenden. Die homöopathischen Therapeuten müssen Schüler der Natur sein, denn durch die Natur und ihre Gesetze offenbart sich auch Gottes Gesetz. Ein Schüler Hahnemanns (J.C. Allen) schreibt: „... vor dem wahren Wissenschaftler kann die Natur ihre Geheimnisse nicht verborgen halten; ... demjenigen, der ehrlich ist und ernstlich bemüht, die Wahrheiten der Homöopathie zu verstehen, werden diese Wahrheiten offenbar.“

Nun ist es aber vielen Medizinern immer noch nicht gelungen, ein eigenes medizinisches Heilgesetz zu finden. Tatsächlich bedient sich die „Schulmedizin“ immer nur aus anderen Wissenschaften: z.B. der Physik, der Chemie und der Biologie. Damit werden Krankheiten und Lebensprozesse erforscht. Aber ein eigenes Heilgesetz hat sie nicht. Das einzige medizinische Heilgesetz wurde von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie 1790 wiederentdeckt, nachdem es schon Hippokrates, der Urvater der heutigen europäischen Medizin, und Paracelsius im 15. Jahrhundert erkannten: Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden. Wenn das, was ein Gesetz ausmacht, seine Dauer und absolute Gültigkeit ist; zu jeder Zeit, von jedem nachweisbar, so haben wir es hier mit einem echten Gesetz zu tun, denn bis heute hat sich an diesem Gesetz nichts geändert, und es hat sich millionenfach bestätigt.

Behandlungsmethoden
Eine alltägliche Krankengeschichte: Ein Kranker mit Hautausschlägen sucht einen Dermatologen auf, bekommt eine Salbe verschrieben, welche die Erscheinung verschwinden lässt. Der Patient fühlt sich zufrieden und geheilt. Doch schon kurze Zeit später wird er von neuen Beschwerden innerer Organe geplagt und sucht diesmal einen Internisten auf. Es „scheint“ keinen Zusammenhang zu geben, aber der Schein trügt. Viele Ärzte kennen neuerdings schon den Zusammenhang zwischen Neurodermitis, Kortisonbehandlung und Asthma und ähnlichen Krankheitsverlagerungen. Die Reihenfolge der Verlagerung ist dabei fast immer gleich: von außen nach innen. Über Haut, innere Organe zu Geist und Gemüt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass mit zunehmendem Alter die Depressionen und psychischen Erkrankungen immer häufiger auftreten. Im Laufe ihrer „Karriere“ haben chronisch kranke Patienten eine eigene Geschichte der Unterdrückung von Symptomen. Hahnemann beschreibt die Unterdrückung von Schmerz oder akuter Krankheit mit dem armen Mann, der eine große Summe Geld stiehlt, um seiner Armut ledig zu werden. Anstatt wirklichen Reichtum zu gewinnen, kommt er ins Gefängnis und ist schlechter dran als zuvor. Selbst Altersverwirrtheit und Psychosen sind oft ein Ergebnis langer körperlicher Leiden, aus denen es nie einen Ausweg gab, sondem nur ein medikainentös verursachtes Vorwärts- und Verdrängen von Symptomen, bis zum Innersten eines Menschen.

Was macht krank?
Wir sagen heute: Krankheit ist ein prozesshaftes Geschehen am Menschen; Krankheit ist die Folge einer inneren und äußeren Störung der personalen Ordnung, geoffenbart in Zeichen, Beschwerden und Symptomen. Heute begnügt die Naturwissenschaft sich im Zeitalter der Elektronenmikroskope nicht mehr mit den am Menschen äußerlich sichtbaren Erscheinungen, sondern versucht die Missstände am Organ, der Zelle, dem Molekül festzumachen, verliert aber dabei den Blick auf den Menschen als von Allah geschaffenes Wesen. Tatsächlich verändern sich jedoch die Methoden und Sichtweisen der Naturwissenschaften ständig durch neue technologische Entwicklungen und damit auch die Hypothesen und Vermutungen über Krankheitsursachen und Verlauf, der kranke Mensch aber ist in seinem Krankheitserleben nicht davon beeinflussbar. Allah hat ihm Sinn und Verstand gegeben, anhand von äußerlich wahrnehmbaren Veränderungen im Befinden des Körpers und der Seele, eine Krankheit wahrzunehmen. Das Gegebene ist das zu Heilende, es sei doch offensichtlich in seinen Zeichen, fordert Hahnemann. Allah warnt uns: „Und verfolge nicht das, wovon du keine Kenntnis hast. Wahrlich, das Ohr, das Auge und das Herz - sie alle soll en zur Rechenschaft gezogen werden.“ (al-Isra’, 35)

Die Homöopathie
„Es war hohe Zeit, dass der gütige und allweise Schöpfer und Erhalter der Menschen diesen Greueln ... und eine Heilkunst an den Tag brachte, die das Gegenteil von dieser Behandlung darstellt, welche die Kraft des Kranken möglichst schont und sie auf gelinde Weise mittels kleinster Gaben von wenigen, einfachen Arzneien, die wohlerwogen und nach ihren geprüften Wirkungen ausgewählt werden, unbeschwert, bald und dauerhaft zur Heilung bringt nach dem einzigen, naturgemässen Heilgesetz: Simila similibus currentur - zu deutsch etwa: Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden, es war hohe Zeit, dass Er die Homöopathie finden ließ.“ (Hahnemann im „Organon“)

Angesichts der chronischen Überforderung des bundesdeutschen Gesundheitssystems klingt die Forderung nach kleinsten Gaben weniger Arzneien gerade heute revolutionär. Wie bereits erwähnt, erkannte schon Paracelsus im 15. Jh.: „Die Krankheit entsteht durch Einflüsse, die den Heilmitteln ähnlich wirken, und der Krankheitszustand wird beseitigt durch Mittel, die in ihm ähnliche Erscheinungen hervorrufen.“ Hahnemann war aber der erste, der diese Erkenntnis gründlich erforscht und so vervollkommnet hat, dass sie bis heute gültig ist. Hahnemann stieß 1790, nachdem er sich aus Verbitterung über die Praktiken der herrschenden Medizin aus seiner Arztpraxis zurückgezogen hatte, bei Übersetzungsarbeiten auf die Arzneimittellehre eines schottischen Arztes und Phannakologen, William Cullen. Dieser schrieb eine Auffassung über die „magenstärkende Heilkraft“ von Chinarinde, die Hahnemann nicht teilen konnte. Bei dem Experiment stellte er fest, dass die Chinarinde, wird sie einem Gesunden verabreicht, die gleichen Symptome verursacht, die sie bei der entsprechenden Krankheit zu heilen vermag.

Das Menschenbild
Hahnemann setzte sich für ein biologisches Menschenbild ein. Der Mensch ist von allen Geschöpfen auf dieser Erde auch etwas besonderes. Er lebt nicht nur im hier und jetzt wie Tiere und Pflanzen, sondern er lebt für die Zukunft, für das Leben nach dem Tod. Sein Leben ist eine Aufgabe, die er mit den ihm gegebenen Bedingungen, Anlagen und Schicksalsschlägen erfüllen muss. Gerade hier setzt die Homöopathie in besonderer Weise ein. Denn echte homöopathische Heilung betrifft nicht nur den Körper, sondern auch sein Denken und Fühlen. Krankheit ist eine Störung der geschaffenen Ordnung. Denn der gesunde Körper wird von der durch Gott geschaffenen Lebenskraft, der Seele, verwaltet und dient in harmonischem Lebensgang dem höheren Zweck unseres Daseins. Wird die Lebenskraft aber behindert oder geschwächt, dann wirken zerstörerische Kräfte im Körper, die Ordnung kann nicht wieder hergestellt werden, der Mensch wird krank. Hahnemann erkannte, dass die Lebenskraft wieder gestärkt und harmonisiert werden müsste und dass dann auch Heilung geschieht.

Neues medizinisches Denken Hahnemann stellt seine Sicht der Heilmöglichkeiten in 5 Thesen dar:
• Die Heilung des Individuums kann nur in Übereinstimmung mit den in der Natur vorgegebenen Gesetzen geschehen
• Kein Mensch kann außerhalb dieser Gesetze heilen
• Es gibt nicht die Krankheit, sondem das kranke Individuum
• Da das Krankheitswesen ein Dynamisches ist, muss auch das Heilmittel dynamisch sein
• Ein Patient braucht für ein bestimmtes Krankheitsstadium nur ein Heilmittel. Das gilt es zu finden, sonst ist keine Heilung möglich.
Was sind Rechtsschulen? Es gibt gute Gründe, warum die Muslime an den Madhhabs festgehalten haben. Von Schaikh Nuh Ha Mim Keller [01.03.2013]
Ein Kommentar von Abu Bakr Rieger über eine notwendige Einordnung von Wissen und Gelehrten und warum es kein Wissen ohne Handlung gibt [01.03.2013]
Dr. Mohammad Nadwi über das umfangreiche Erbe der weiblichen Lehrerinnen im Islam [31.01.2013]
Hintergrund: Erinnerung an den Prophetengeburtstag [23.01.2013]
Hintergrund anlässlich des Prophetengeburtstages: Die Burda [23.01.2013]
Werbung
IZ Abo
Druckfrische IZ einmal im Monat im Briefkasten!
jetzt abonieren
Spezial "Wie...?"
Wie gründe ich einen Verein? Wie kommt man an Halal-Fleisch? Wie kommt man am Arbeitsplatz zurecht? 19 Fragen auf 82 Seiten beantwortet.
IZ Online Abo
weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews voller Zugang zum Archiv >> bestellen
Aktuelle Ausgabe
In der Mai-Ausgabe der Islamischen Zeitung (Nr. 215) beschäftigen wir uns mit den Schwerpunkten „Muslimische Frau“ und dem Bürgerkrieg in Syrien. Parvez Asad Sheikh beschreibt in einem Interview die Grundzüge der Geopolitik, wir gehen mit der IZ-Redaktion auf die Umra (kleine Pilgerreise) und denken über das Wesen der Freiheit nach. Außerdem: Beten während der Freitagsansprache, Großzügigkeit, Verfassungsschutz und der „Salafismus“, eine neue Moschee für Hamburg, eine Replik von Avni Altiner sowie die neue CD des Berliner Rappers Musa.
Downloads für Online-Abonnenten
Hier finden Sie zusätzliche Informationen und Dokumente, die nur den Online-Abonnenten zur Verfügung stehen.
IZ erklärt Deutschland: Die Salaf
Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
Bild der Woche
"Neues Wir-Gefühl" BERLIN. Gauck wirbt für respektvollen Dialog zwischen den Religionen. JIK besucht Bundespräsidenten (Foto: Dirk Enters).
© Islamische Zeitung   Impressum   Haftungsausschluss   Sitemap