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15.10.2009 Es gibt grundlegende Tugenden, die uns erst die qur’anischen Anforderungen erfüllen lassen. Von Selma Öztürk, Hannover
Die sieben Eigenschaften der Gläubigen
„Den Gläubigen wird es ja wohl ergehen, denjenigen, die in ihrem Gebet demütig sind, und denjenigen, die sich von unbedachter Rede abwenden, und denjenigen, die die (Zahlung der) Abgabe leisten, und denjenigen, die ihre Scham hüten, außer gegenüber ihren Gattinnen oder was ihre rechte Hand (an Sklavinnen) besitzt, denn sie sind (hierin) nicht zu tadeln, wer aber darüber hinaus (etwas) begehrt, das sind die Übertreter -, und denjenigen, die auf die ihnen anvertrauten Güter und ihre Verpflichtung Acht geben, und denjenigen, die ihre Gebete einhalten. Das sind die Erben, die das Paradies erben werden; ewig werden sie darin bleiben.“ (Al-Muminun, 1-9)
(iz). Die 23. Sure des Qur’an ist nach „den Gläubigen“ benannt und trägt im Arabischen den Namen „Al-Muminun“. In diesem Kapitel „Die Gläubigen“ kommt die Systematik des Qur’an sehr schön zum Ausdruck. Das Kapitel beginnt mit dem Vers: „Den Gläubigen wird es wohl ergehen.“ Gleich darauf folgen die Verse, in denen Allah erklärt, wer damit gemeint ist.
Es handelt sich hierbei nicht um eine (Legal-)Definition, sondern um eine Aufzählung von Charaktereigenschaften. Insgesamt werden in den folgenden Versen (2 bis 9) sieben Merkmale der Gläubigen hintereinander aufgezählt. Aus dieser Erläuterung ist zu entnehmen, dass ein Mensch nur dann als solcher einzustufen ist, wenn er diese Eigenschaften in sich trägt.
Die Aufreihung erfolgt mit Nebensätzen, die immer mit dem arabischen Relativpronomen „alladhina“ beginnen. Auch sei angemerkt, dass diese Eigenschaften weder enumerativ (aufzählend), noch kumulativ (anhäufend) aufgelistet sind. Vielmehr sind diese sieben Kennzeichnungen nur einige von mehreren, ebenfalls in Betracht kommenden Eigenschaften der Gläubigen.
Im Folgenden soll erläutert werden, um welche Eigenschaften der „Gläubigen“ es sich in dieser Sure handelt. Es stellt sich die Frage, welchen Charakter und welche Merkmale ein gläubiger Muslim zu haben hat? Die Anfangsverse dieses Kapitels geben uns dabei eine Stütze und eine Orientierung.
Eingangs sind es diejenigen, die ihr Gebet in Demut verrichten, beziehungsweise im Gebet demütig sind. In diesem Vers wird das Wort für „Gebet“ (Salat) in seiner Singularform verwendet. Das Wort Demut kann im Deutschen als „Einsicht in die Notwendigkeit und als Wille zur Hinnahme der Gegebenheiten, aus der Ergebenheit hervortritt“ bestimmt werden. Sie hat also keineswegs eine negative Beschaffenheit. Im Gegenteil. Es ist eine Art Hingabe und Gehorsam. Der Gläubige nimmt die Gegebenheit, dass Allah die Allmacht und der Schöpfer ist, hin und ergibt sich mit dieser Einsicht Seinem Willen. Diese Ergebenheit zeigt er insbesondere in seinem fünfmaligen täglichen Gebet.
Die zweite Gruppe von Gläubigen sind jene, die sich von unbedachter Rede abwenden beziehungsweise, die sich von nutzlosem Gerede fernhalten. Das arabische Wort für unbedachte Rede bzw. nutzloses Gerede ist „laghu“. Es erscheint sehr interessant, dass Allah insbesondere eine solche Kennzeichnung mit Glauben (arab. Iman) in Verbindung bringt.
Die Assoziation Glaube und Abwendung von unbedachter Rede/nutzlosem Gerede gibt dem Menschen einen gewissen Denkanstoss. Denn unbedachte Rede kann manchmal schwere Folgen mit sich tragen. Eine unbedachte Rede kann sehr häufig zu Missverständnissen, sogar zur Verleumdung führen. Unbedachtheit hat etwas mit Unbewusstsein zu tun.
Ein Mumin muss aber stets mit Bewusstsein handeln. Er trägt Verantwortung für alle seine Taten. Somit auch für seine Worte, die er bewusst tätigen muss. Ebenso stellt das nutzlose Gerede eine Art Zeitverschwendung dar und ist auch als „Israf“ einzustufen. Somit tragen Menschen, die sich von unbedachter und nutzloser Rede bewusst distanzieren und diese vermeiden, eine Eigenschaft des Gläubigen.
Die dritte Gruppe beziehungsweise die dritte Eigenschaft der Gläubigen ist die Zahlung der Abgabe. Gemeint ist damit die Zakat. Diese Eigenschaft bedarf keiner genaueren Erläuterung. Sie ist einer der fünf Grundpfeiler des Islam. Erwähnenswert an dieser Stelle ist nur, dass zwei von den insgesamt fünf Grundpfeilern in diesem Kapitel aufgeführt werden, nämlich die Zakat und das Gebet. Bemerkenswert ist, dass das Fasten in dieser Aufzählung keinen Platz hat.
Als nächstes erwähnt Allah jene Menschen, die ihre Scham hüten, gleich mit dem Folgevers, in dem die zwei Ausnahmen erwähnt werden. Diese Charaktereigenschaft ist besonders wichtig und hat eine große Bedeutung. Insbesondere von jungen Menschen sollte dieser Vers nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Scham hüten und sich von Unzucht fernhalten. Genauer genommen, sich gar nicht erst der Unzucht nähern. Die fünfte Gruppe sind diejenigen, die auf die ihnen anvertrauten Güter (Amanat) achtgeben. Im gleichen Vers folgt die sechste Gruppe, nämlich diejenigen, die auf ihre Verpflichtung (‘Ahd) Acht geben. Diese beiden Merkmale haben für unser Alltagsleben eine immense Bedeutung. Achtgeben auf die anvertrauten Güter, selbst wenn es nur ein fremder Stift oder ein fremdes Buch ist, denn ist es ein Gut, was einem anvertraut wurde und der Mumin muss schon deshalb besonders achtsam mit dieser Sache umgehen.
Der materielle Wert des Gutes ist dabei unbedeutsam, da es um das Acht geben an sich geht. Auch wenn Jahre vergehen, bleibt diese Sache ein anvertrautes Gut. Die Verpflichtung beziehungsweise das Versprechen muss auch stets eingehalten werden. Das heißt, wenn man ein Versprechen abgibt oder eine Verpflichtung eingeht, muss man diese auch erfüllen. Das zeichnet einen gläubigen Menschen aus.
Die letzte Charaktereigenschaft ist die Verrichtung der Gebete. Hier wird im Gegensatz zu dem Anfangsvers das Wort „Gebet“ in der Pluralform verwendet, also die Gebete. Denn das Einhalten der Gebete verlangt eine Dauerhaftigkeit und ist kein einmaliger Zustand. Das ist auch der Grund, warum Allah hier die Pluralform verwendet.
Wohingegen in dem vorherigen Vers bezüglich des Gebets die Demut, also ein Zustand angesprochen wird und deshalb auch „nur“ der Singular verwendet wird (Salat - Salawat). Hierbei kommt darüber hinaus auch die Feinheit und die Präzision bezüglich der Wortwahl zum Ausdruck. Auffallend ist ebenso, dass zwei von sieben Eigenschaften mit dem Gebet zusammenhängen. Beim ersten Mal ist es die Demut im Gebet. Beim zweiten Mal ist es das Einhalten des Gebetes.
Eine weitere Schlussfolgerung aus diesen Versen ist auch, dass das Gebet sehr wesentlich für den Glauben ist.1 Ein Glaube ohne das Gebet ist unvorstellbar. Das eine schließt folglich das andere aus. Der Glaube gibt sich gerade im Gebet zu erkennen.
Diese insgesamt sieben Eigenschaften werden von Allah systematisch in einer Reihenfolge dargestellt, wobei die Reihenfolge keine Auswirkung auf die Gewichtigkeit der Eigenschaften haben muss. Somit ist die erste Eigenschaft nicht unbedingt wichtiger und bedeutsamer als die letzte Eigenschaft anzusehen. Das lässt sich auch daraus entnehmen, dass Allah die Aufreihung mit dem Gebet beginnt und mit dem Gebet schließt.
Sobald wir diese Wesensmerkmale der Gläubigen im Qur’an genauer kennengelernt haben, sollten wir uns bewusst die Frage stellen und uns ernsthafte Gedanken darüber machen, welche von diesen sieben Eigenschaften wir selbst in uns tragen und mit welchen Eigenheiten wir uns bisher nicht anfreunden konnten.
Dementsprechend können wir versuchen und uns bemühen, für die Zukunft unser Leben dementsprechend zu gestalten, zu ändern und auszufüllen. Im Ergebnis werden die Gläubigen von Allah als „die Erben“ des ewigen Paradieses bezeichnet.
1 Nach Anerkennung der grundlegenden, verpflichtenden Glaubenspfeiler, wie sie von Allah bestimmt und von der Wissenschaft der ‘Aqida erläutert werden.
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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehemalige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unseren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifizierung als Sekte zu entgehen. Phänomenologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitimation anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumentalen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter anderem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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