Heilmittel gegen ein Übel der Zeit
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17.11.2009 Im Islam nimmt das Reisen einen enorm wichtigen Stellenwert ein. Von Schaikh Habib Bewley, Kapstadt

Das Leben ist in Bewegung

(iz). Über das Reisen sagte der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Reisen ist ein Teil der Strafe.“ Es zählt zu schwierigsten Dingen, die der Mensch kennt. Dieser Zustand wird in drei Teile gegliedert: tadelnswert, empfohlen und erlaubt. Abzulehnende Fahrten sind jene, die in der Absicht unternommen werden, Allah gegenüber Ungehorsam zu sein. Dazu zählen Dinge wie die Absicht zu stehlen, Ehebruch und der Handel mit verbotenen Dingen wie Alkohol. Solch ein Reisen bringt einer Person nichts als Schaden und Probleme, egal wie süß, lohnenswert und verführerisch sie erscheinen mögen. Über jene Menschen sagt Allah im Qur’an: „Dies sind die ­Leute, welche die Nächste Welt für diese ein­tauschen. Die wird für sie nicht erleichtert werden, und sie werden keine Hilfe ­erhalten.“

Lobenswert ist jene Bewegung, die Allahs wegen unternommen wird. Eine solche kann verpflichtend oder manchmal empfohlen sein. Sie besteht aus zwei Teilen: Vor etwas fliehen (Harab) oder auf der Suche nach etwas (Talab) sein.

Die erste Kategorie ist als Hidschra bekannt. Sie ist eine Verpflichtung für jeden Muslim, der um seinen Islam oder um sein Leben fürchtet und ist empfohlen für jeden, der Angst um Gesundheit und Eigentum hat. Allah beschreibt dies im Qur’an wie folgt: „Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: ‘Worin habt ihr euch befunden?’ Sie sagen: ‘Wir waren Unterdrückte im Lande.’ Sie (die Engel) sagen: ‘War Allahs Erde nicht weit, sodass ihr darauf hättet auswandern können?’ Jene aber, - ihr Zufluchtsort wird die Hölle sein, und (wie) böse ist der Ausgang!“

Die Hidschra war die Sunna unseres eigenen Gesandten, der Hidschra nach Medina machte, als das Leben für ihn in Mekka nicht mehr erträglich war. Und sie war die Sunna der Propheten vor ihm. Allah berichtet uns, dass Ibrahim sagte, als dieser wegen seines Volkes um sein Leben fürchten musste: „Ich ver­lasse diesen Ort, um dem Wohlgefallen meines Herrn zu folgen.“ Und Er sagte über Musa: „Also ging er von dort fort, furchtsam und auf der Hut, und sprach: ‘Mein Herr, errette mich vor dem Volk der ­Übeltäter.’“

Die zweite Kategorie, sich auf der Suche nach etwas befinden, hängt von ihrem Zweck ab - in Sachen Din oder in Sachen Dunja. Qadi Abu Bakr ibn Al-’Arabi unterteilte in seinem Buch „Al-Ahkam Al-Qur’an“ diese Kategorie in verschiedene Unterklassen:

Die erste bezeichnete er als „Safar Al-’Ibra“, was ein Durchstreifen der Erde bedeutet. Es dient der Erkenntnis jener Zeichen, die Allah auf der Erde hinterlassen hatte, wodurch Seine Wunder bezeugt werden. Allah sagt im Qur’an: „Sind sie nicht auf der Erde umher gezogen und haben das endgültige Schicksal derer gesehen, die vor ihnen kamen?“ Es heißt, dass diese Motivation Dhu’l-Qarnain bewegt hatte, über die Erde zu ziehen.

Die zweite ist die Hadsch; eine Verpflichtung für jeden Muslim, der dazu in der Lage ist. Und die ‘Umra, die eine Sunna ist. Unter diese Kategorie, so könnten wir hinzu fügen, fällt auch der Weg für das ausdrückliche Ziel der Anbetung und Erinnerung Allahs. Denn selbst die Engel ziehen auf der Erde auf der Suche nach Zirkeln des Dhikr umher. Abu Huraira überlieferte vom Propheten: „Allah hat Engel, die auf den Pfaden der Erde wandern, auf der Suche nach Leuten des Dhikrs. Und wenn sie diese finden, dann rufen sie aus: ‘Kommt zu dem, was ihr braucht!’ Die Engel bedecken sie mit ihren Flügeln bis zum untersten Himmel.“

Die dritte Kategorie des Auf-Dem-Weg-Seins ist die Anstrengung auf dem Wege Allahs.

Die vierte besteht aus dem Besuch bedeutender Orte. Dazu zählen die drei Moscheen. Der Gesandte Allahs sagte: „Unternehmt keine Reise, es sei denn zu drei Moscheen: meine Moschee, Al-Masdschid Al-Haram [in Mekka] und die Moschee von Al-Aqsa.“

Es ist ebenfalls empfehlenswert, die Leute zu besuchen, insbesondere Männer von Allah, die eigene Familie und andere Muslime. Abu Huraira überlieferte, dass der Prophet sagte: „Ein Mann machte sich auf den Weg, um einen Muslim in einem anderen Ort zu besuchen, und Allah entsandte einen Engel auf seinem Weg. Als der Mann den Engel traf, wollte jener wissen: ‘Wohin willst du?’ Der Mann entgegnete: ‘Ich möchte meinen Bruder in dieser Stadt besuchen.’ Der Engel sagte ihm: ‘Hat er etwas für dich getan?’ Der Mann antwortete: ‘Nein, ich will ihn nur sehen, weil ich ihn um Allahs willen liebe.’ Daraufhin sagte der Engel: ‘Ich bin ein Bote, der zu dir von Allah entsandt wurde, um dir zu sagen, dass Allah dich so liebt, wie du deinen Bruder liebst.’“

Und der Besuch der Schaikhs und der Leute Allahs ist sogar noch empfehlenswerter, weil ein Blick auf sie eine Erinnerung an Allah ist, sowie Zuwachs und Segen bedeutet. Und dies lässt sich nicht auf die Lebenden beschränken. Die ­Bewohner der Gräber haben ebenfalls ein Anrecht auf unsere Besuche. Buraida berichtete, dass der Prophet sagte: „Ich habe euch zuvor den Besuch der Gräber verboten, aber nun könnt ihr sie besuchen.“

Die sechste Kategorie ist die Suche nach dem Wissen, insbesondere Wissen vom Din. Der Gesandte sagte in dieser Hinsicht: „Wer sich auf den Weg macht, um Wissen anzustreben, Allah wird ihm einen Weg leicht machen, der in den Garten führt.“ Dies ist eine der höchsten Formen der Anbetung, die ein Sklave Allahs unternehmen kann. Der Prophet sagte: „Wer sein Haus auf der Suche nach Wissen verlässt, befindet sich auf dem Wege Allahs.“ Manche der Angehörigen der ersten Generationen zogen monatelang umher, um nur ein einziges Hadith des Propheten zu finden.

Schließlich kommt das Reisen auf der Suche nach dem Lebensunterhalt wie beispielsweise die Jagd oder das Sammeln von Feuerholz. Dies ist nicht nur empfohlen, sondern verpflichtend, da wir uns um die Mittel bemühen müssen, unser Leben zu erhalten.

Achtens, und letztens, ist die Reise für den Zweck des Handelns. Diese letztere gilt auch als eine der Kategorien des erlaubten Reisens, aber dies hängt vollkommen von den Absichten der beteiligten Personen ab. Jede erlaubte Handlung kann den Rang einer lobenswerten annehmen, wenn sie die richtige Absicht hat und die entsprechende Person Allah näher bringt.

Einer der frühen Muslime sagte: „Allah hat Engel bestimmt, um auf die Absichten der Reisenden zu schauen, sodass jedem entsprechend seinen Intentionen gegeben wird. (...) Wessen Absichten auf die Nächste Welt gerichtet sind, der erhält Weisheit, Scharfsinn und innere Einsicht und ihm wird der Weg einfach gemacht werden (...) Seine Sorgen und Probleme werden zu einem gemacht werden und die Engel machen Du’a [Bittgebet] für ihn und bitten für ihn um Vergebung.“

Das Reisen wird im Arabischen „Safar“ genannt, weil es in der Tat das wirkliche Selbst einer Person enthüllt (Jusfiru). Als ein Mann zum Khalifen ‘Umar ibn Al-Khattab kam, um für den Charakter eines anderen zu bürgen, fragte ihn der Khalif: „Hast du ihn auf einer Reise begleitet, sodass du wissen kannst, dass er einen guten Charakter hat?“ Als der Mann dies verneinte, entgegnete ‘Umar: „Ich glaube nicht, dass du ihn überhaupt kennst.“

Einer der wichtigen Nutzen des Reisens ist, dass es uns ermöglicht, das eigene Selbst zu erkennen. Dann, und nur dann, kann man sich auf den Weg der Selbstreinigung machen, denn man muss zuerst die Krankheit kennen, bevor man ein Heilmittel für sie findet.

Ein weiterer Nutzen liegt im Bruch festgefahrener Verhaltensmuster und Gewohnheiten, die uns zurückhalten können. Unserem Wesen nach sind wir wie Wasser. Wir stagnieren, wenn wir über lange Zeit an einem Ort bleiben, aber werden klar und süß, je mehr wir fließen und uns bewegen. Wer reist, lässt - zumindest für eine begrenzte Zeit - seine Sorgen hinter sich und fühlt sich erfrischt und erneuert. Nur durch die Bewegung kann überhaupt etwas von Wert angeeignet werden. Bei den Arabern finden sich die folgenden Weisheiten: „Segen kommt nur durch Bewegung“ und „Wissen, Adab und gute Charaktereigenschaften können nicht erworben werden, es sei denn durch das Reisen.“

Schließlich ist jede unserer Reisen ein Mikrokosmos unseres Lebens im Ganzen. Der Prophet sagte: „Seid in dieser Welt wie ein Fremder oder ein vorbeiziehender Reisender.“ Die Sorge, mit der wir für unsere Fahrten in dieser Welt packen, sollte der Art und Weise entsprechen, mit der wir unsere Versorgung für die Nächste Welt vorbereiten.

Die beste Versorgung ist Furcht vor Allah. Schließlich gibt es am Ende nur ein einzige Reiseziel. Wenn wir dieses erreichen wollen, müssen wir uns auf dem Geraden Weg bewegen, der durch den Propheten und unsere Vorläufer beleuchtet wurde.

Der Text wurde im Original als Khutba in der Freitagsmoschee von Kapstadt gehalten.
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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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