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29.08.2011 Zu den Auswirkungen von 9/11 auf die muslimische Community. Von Yasin Bas
Die Folgen des Terrors
Die Anschläge vom 11.09.2001 hatten eine bleibende Wirkung auf die muslimische Community in Deutschland. Sie führten auch zu einem gesteigerten Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft.
(iz). Nichts sollte so sein, wie es vor dem 11. September war. Hätten die Muslime in Deutschland und der Welt bereits damals gewusst, was durch die schrecklichen Ereignisse des 11. September 2001 in den kommenden Jahren auf sie zukommt, sie hätten sich gewünscht, in einer anderen Zeit zu leben. Zunächst einmal herrschte eine Art Schock. Muslime wie Nichtmuslime wurden durch großformatige Bilder in Zeitungen und Fernsehen überschwemmt.
Die ununterbrochene Berichterstattung, Eilmeldungen in Sekundenabständen, Kommentare von Journalisten, „Experten“ und Politikern zu begreifen und zu verarbeiten, war nicht einfach: Es war ein Medientsunami, der auf einen angerollt kommt und im Begriff ist, alles bisher Dagewesene zu überschwemmen. Was danach unter dem Begriffspaar des „Kriegs gegen den Terror“ geschah, ist bezeichnend und hat gravierende Veränderungen mit sich gebracht. Nach dem Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus und des Sowjetimperiums prägt ein neuer „Ost-West-Konflikt“ die Agenda. Die Welt wurde erneut in eine bipolare Zone aufgeteilt.
Die kollektive Zuschreibungen von Muslimen lassen einen latenten Rassismus erkennen, der sich seitdem immer mehr in der Mitte der Gesellschaft etabliert. Dies spiegelt sich auch in Untersuchungen wider: So wird die Studie „Mitte in der Krise“ der Friedrich-Ebert-Stiftung nicht ohne Grund von Fachleuten als „Alarmsignal“ gedeutet. Wenn knapp 60 Prozent der Deutschen den Muslimen verbieten wollen, ihre Religion voll auszuüben und jeder zehnte sich einen „Führer“ wünscht, dann befinden sich die demokratischen Werte unseres Landes in ernsthafter Gefahr.
Seit dem 11. September 2001 gibt es aber auch verstärkte Integrationsbemühungen - sowohl auf Seiten der Muslime wie auch der staatlichen Institutionen. So gibt es eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Behörden und muslimischen Akteuren. Die Deutsche Islamkonferenz unter der Regie des Innenministeriums, der Integrationsgipfel, ein so genannter „Nationaler Integrationsplan“ und verschiedenste Zusammenkünfte, „runde Tische“ und Initiativen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene verdeutlichen die gesellschaftlich-politische Relevanz der Integration der Muslime nach dem 11.September 2001.
Auch wenn das Ziel eines „Dialogs auf Augenhöhe“ manchmal durch einen „Monolog auf Augenhöhe“ ersetzt wurde, geht der Weg in die richtige Richtung. Zumindest haben die Debatten, die durch den 11. September ausgelöst wurden, diese gesellschaftlich-politischen Erneuerungen beschleunigt. Somit kann im Hinblick auf die Integration der Muslime auch von einer Katalysatorfunktion gesprochen werden.
Es gibt aber auch negative Auswirkungen für die Muslime: Das Thema „Islam“ wurde nach dem 11. September stark politisiert und ideologisch diskutiert. Muslime und ihre Religion werden oft als Gegenpol zur deutschen Mehrheitsbevölkerung gestellt. Es geht um simple „Freund-Feind-Denkmuster“, wobei der Versuch unternommen wird, durch die Abwertung des „Anderen“ das „Eigene“ zu stärken. Darin verdeutlicht sich auch ein eigenes Identitätsproblem der Mehrheitsbevölkerung.
In Deutschland fand ein Wandel in der Wahrnehmung von Minderheiten statt: Vor dem 11. September wurden Einwanderer eher mit ethnischen Zuschreibungen behaftet. Heute spricht die bundesdeutsche Mehrheitsbevölkerung öfter von “Muslimen“, anstatt von „Türken“. Die Muslime werden somit auf ihre Religion reduziert.
Überdies wird der Ge- und Missbrauch der Themen Integration und Islam seit dem 11. September zu Wahlkampfzwecken betrieben.
Eine Clique von Pseudowissenschaftlern, sie sich die „Islamkritik“ zu ihrer Hauptaufgabe gemacht haben, werden von immer mehr rechtspopulistischen Parteien, Gruppierungen und Internetseiten hofiert. Die Hauptdarsteller dieser „Industrie“ bewegen sich im Terrain der „Islamophobie“ und „Islamfeindlichkeit“, des „Antimuslimischen Rassismus“ und der „Muslimfeindlichkeit“ bis hin zum „Islamhass“.
Fast täglich gibt es Berichte über gelungene, im Verhältnis dazu aber mehr über gescheiterte Integration, in den Medien. Fast jährlich gibt es Sicherheits- und Integrationsdebatten, und so Themen immer wiederkäuend darstellen. Auch auf dem Arbeitsmarkt nehmen Diskriminierungen aufgrund der Religion immer weiter zu.
Viele Muslime beklagen sich, durch die öffentliche Wahrnehmung und der Debatten nach dem 11. September unter Generalverdacht gestellt zu werden. Eine Zukunftsfrage, das sich für die Muslime in Deutschland stellt, ist die nach der Anerkennung des Islam als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Zusammenschluss der vier großen muslimischen Verbände unter dem Dach des Koordinationsrates der Muslime (KRM) war eine Reaktion auf die Forderung des Staates, nur mit einem einzigen Ansprechpartner verhandeln zu wollen.
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IZ erklärt Deutschland: Die Salaf
Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehemalige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unseren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifizierung als Sekte zu entgehen. Phänomenologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitimation anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumentalen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter anderem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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"Neues Wir-Gefühl" BERLIN. Gauck wirbt für respektvollen Dialog zwischen den Religionen. JIK besucht Bundespräsidenten (Foto: Dirk Enters).