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02.11.2011 Gold und Silber erfreuen sich im religiösen ­Gebrauch immer größerer Beliebtheit. Von Zack Abdullah

Die Barmherzigkeit der Zakat

Entweder für die Bezahlung der ­Zakat, als Mahr für die Hochzeit oder ­einfach zum Sparen. Gold-Dinare und Silber-Dirhams erfreuen sich steigender Beliebtheit im religiösen Gebrauch. Aber sind sie praktikabel? Der Autor Zack Abdullah schreibt über die Beziehung zwischen Zakat, sozialer Stabilität und dem Gebrauch von Gold und Silber. Einige seiner Themen beziehen sich spezifisch auf Malaysia.

(Halal Media). Zakat - die Abgabe auf das Vermögen, nicht die Zakat Al-Fitr, die direkt vor dem ‘Id-Gebet gegeben werden muss - ist keine milde Gabe, Wohltätigkeit oder Steuer gegenüber einer Regierung. Sie ist eine religiö­se Verpflichtung. Sie ist ein kleines, indi­viduelles Opfer unseres Besitzes, dass wir aus Liebe geben, um die Bedürftigen - und unausweichlich auch die Wirtschaft - zu retten. Die Bedeutung der Zakat ist gleichbedeutend mit dem Gebet.­ Beide sind Säulen des Islams und beide werden gemeinsam im Qur’an erwähnt. Alle Säulen des Islams sind elementare Ei­genschaften der islamischen Gemeinschaft. Ihr alltägliches Ereignis besteht in der spirituellen und intellektuellen Reise, in der man eins in einer Vielfalt wird - durch Praxis, Vertrauen und Liebe.

Jede Säule unsere Dins erfüllt eine bestimmte Aufgabe. Sie betrifft die sozio-öko­nomische Qualität der Gemeinschaft. Ohne sie, als rituelle Verpflichtung, verliert eine Gemeinschaft oder eine ­Nation ihre ökonomische Stärke, während die guten Beziehungen (Liebe) zwischen den Menschen sterben. Dies resultiert im Auftauchen von Übeln wie Unterdrückung, Korruption, Diskriminierung, Armut, Diebstahl, Bankrott, Inflation, Aufständen, Staatsstreichen etc.

Muslime, die Frieden und Harmonie wollen, sollten die Zakat praktizieren - korrekt und transparent. Sie macht ­einen wirklichen Unterschied in sozio-ökonomischen Begriffen, wo sie die Beziehungen zwischen den Menschen verbessern kann und wird. Der Arme wird mehr Kaufkraft haben, was die örtliche Nachfrage fördert und zur Verbesserung der Liquidität führt.

Die Zakat verteidigt die Menschen vor Bankrott und ­Inflation. Kurz gefasst, die Weisheit der Zakat liegt in ihrer Fähigkeit, eine Gesellschaft und ihre Wirtschaft zu stabilisieren.

Mechanik der Zakat
Während viele Gruppen ihre eigenen Zakat-Systeme haben, beschäftigen sich einige moderne muslimische Denker mit der eigentlichen Substanz, die für ihre Zahlung benutzt wird. In einem Hadith Sahih sagte der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden ­geben, dass die Zakat in Gold und Silber bezahlt werden muss. Das heißt, der Überschuss an Gold und Silber innerhalb ­einer Gemeinschaft sollte in den Händen der Armen sein.

Seit Gold und Silber aus Gründen, die nur Allah kennt, abgeschafft wurden, bleiben wir heute mit dem Papiergeld zurück. Eine der Folgen ist der Überschuss an Lebensmitteln, obwohl gleichzeitig Menschen in aller Welt an Hunger sterben. Dies liegt nicht daran, weil es nicht genug Essen gibt, sondern weil die Menschen nicht die Mittel haben, es zu zu kau­fen. Wir einfache Männer und Frauen sollten uns darauf konzentrieren, einen sozio-ökonomischen Verteidigungsmechanismus zu schaffen, der uns vor Infla­tion, Kriminalität und Chaos zu bewah­ren vermag. Dies kann durch die Zakat getan ­werden, aber auch durch den Gebrauch von Gold und Silber in unserer religiösen Lebenspraxis.

Gold und Silber
Stellen wir uns ein Szenario vor, in dem eine Person ihre Zakat in Gold bezahlen will, aber der Zakat-Sammler will sie nicht annehmen, weil es keine Einrichtung wie eine Dinar Wakala gibt, die Papiergeld gegen Gold und Silber - und umgekehrt - tauscht.

Mit Ausnahme einiger Regionen [in Malaysia und Indonesien] müssen Musli­me andernorts auf die Schaffung solcher Einrichtungen warten. Vor allem, wenn sie in ländlichen Gebieten leben. Dies dürfte kein Problem sein, da es beispiels­weise auf dem Gebiet der Halal-Zertifizierung auf Anregung von Regierungen und Interessenvereinigungen multiple solcher Stellen gibt. Warum also nicht hier? Leider müssen viele Muslime noch warten, bis diese Angebote gewachsen sind. Und jene, die keinen Zugang zum Internet haben, wo bereits heute Gold- und Silbermünzen zu haben sind, müssen noch ein bisschen länger warten.

In Indonesien gibt es die Wakala ­Induk Nunsantara (WIN), die das Entstehen vieler kleinerer Dinar Wakalas ­ermöglicht hat. Hat man genug Kapital, kann eine Wakala alleine betrieben werden. Sie im Rahmen einer Gemeinschaft als eine Kooperative zu betreiben, ist sogar besser - entweder in einem Stadtteil oder in einem Dorf. Während das Ziel des unternehmerischen Geschäftsmodells die Profitmaximierung der Anteilseigner ist, ist das Genossenschaftsmodell ein auf die Gemeinschaft ausgerichtetes Betriebsmodell, bei dem seine Mitglieder die eigentlichen Besitzer sind und ihre Produk­te und Dienstleistungen auf humane Weise nutzen. Sie finanzieren und betrei­ben das Geschäft zu ihrem gegenseitigen Nutzen.

Wegen ihrer Funktion braucht eine Dinar Wakala nur wenig Platz. Wenn möglich und wenn nur wenig Kapital zur Verfügung steht, kann sie in einer ­lokalen Moschee oder in einem Privathaus als zeitweiser Anlaufpunkt untergebracht werden. Eine Dinar Wakala ist praktisch für eine kleine Gemeinschaft, um Gold und Silber zu vertreiben und zu nutzen. Insbesondere bei der religiösen Praxis wie der Zakat.

Um die Funktion einer Wakala über die Zakat hinaus ausweiten zu können, lässt sich der Gebrauch von Gold und Silber auf andere religiöse Elemente wie die Mu’a­malat und auf finanzielle Transaktionen anwenden. Um ihre Popula­ri­tät zu ­steigern, sollte sie ihren Mitgliedern und Kunden auch die Möglichkeit des ­Sparens anbieten. Solche eine Service­leis­tung sollte aus zwei Sektionen entstehen: Die eine ist ein Nutzerkonto für einfache Leute, die Gold und Silber zum Bezahlen oder Sparen ­nut­zen und die ande­re ein ­Empfängerkonto, für jene, die Zahlungen empfangen.

Für die sozio-ökonomischen Transak­tionen können die Empfängerkonten nicht nur von Zakatsammlern benutzt werden, sondern auch von kommerziellen Unternehmen wie Lebensmittelhändlern, Kaufhäusern, Supermarktketten oder Autohäusern. Für kleine musli­mische Gemeinschaften auf dem Land in aller Welt (wo Banken selten sind) sind Genossenschaften die ­praktikabelste Lösung.

In Zusammenarbeit mit den Einrichtungen, die die Maße und Gewichte von Dinar und Dirham garantieren, sowie mit elektronischen Zahlungssystemen auf Gold- und Silberbasis könnten Kartensysteme entwickelt werden. Diese würden es institutionellen Empfängern (religiösen Körperschaften oder kommer­ziellen Unternehmen) ermöglichen, den Transaktionsprozess beim Massengebrauch von Gold- und Silbermünzen zu erleichtern.

Dieses System würde wie folgt funktio­nieren: Eine großer Einzelhändler unter­hält ein Empfängerkonto bei einer Wakala. Wenn ein muslimischer Kunde dort einkauft, kann er dann eine Kundenkarte benutzen, durch in das Kartenlesegerät der Kasse eingeführt wird. Das physisch vorhandene Gold und Silber wird dann in das Empfängerkonto der nächstgelege­nen Wakala transferiert. Dies ermöglicht einem großen Nutzer den Besitz subs­tan­zieller Gold- und Silberguthaben, die auf täglicher Basis fluktuieren können.

Diese Dienstleistung sollte auch Nichtmuslimen angeboten werden, da sie als Verteidigung gegen die ökonomische Krise für alle nützlich ist.

Im Rahmen einer neuen ökonomischen Kultur werden Gold- und Silberwährungen bald vollkommen normal und alltäglich werden. Sie werden Elemente eines guten Lebens in einem alternativen sozio-ökonomischen Modell sein.
Hintergrund: Zeit, die Zakat genauso ernst zu nehmen wie den Ramadan. Von Amal Abdalhakim-Douglas [12.09.2010]
Debatte: Bezahlt er Zakat? Von Khalil Breuer, Berlin [28.03.2007]
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IZ erklärt Deutschland: Die Salaf
Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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