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28.03.2012 Islamische Lebenspraxis: Von Jasser Auda

Die Nähe zu Allah

In seinem bekannten Werk, den „Hikam (Weisheitssprüche)“, sagte Schaikh Ibn Ata’illah Al-Is­kandari: „Wenn Er [Allah] dich von den Leuten fortnimmt, dann wisse, dass Er für dich die Tore zu Seiner Gesellschaft öffnet. Wenn Er dir erlaubt zu fragen, dann wisse, dass Er dir etwas geben will.“

Dieser Rat ist ein Beispiel für das Verständnis von Allahs Gaben und Sein Vorenthalten derselben. Manchmal prüft Allah uns durch den Tod eines nahen Menschen. Manchmal befindet man sich aus dem einen oder anderen Grund auf einer Reise in einem ablegenden Land. Manchmal sitzt man im Gefängnis, was Allah verhüten möge, oder liegt im Krankenhaus. Bei solchen Gelegenheiten fühlt man sich einsam oder isoliert. Und doch können diese Zustände ein weiterer Schritt auf der ­eigenen Reise zu Allah sein.

Ibn Ata’illah macht klar, dass solche Prüfungen Geschenke von Allah im Gewand der ­Bedrängnis sein können. Es gibt Überlieferungen, in denen der Prophet sagte: „Wenn Allah jemandem etwas Gutes tun will, dann entfernt Er ihn von den Menschen.“ Fühlt man sich einsam, eröffnet Allah eine Tür zu Seiner Erinnerung und ein Nachdenken über Seine Zeichen, die nicht unterbrochen werden. Die Nähe zu Allah ist schwierig, wenn man Tag und Nach von Menschen umgeben ist. Man glaubt, dass Isolation eine Prüfung ist, während sie in Wirklichkeit ein Geschenk sein kann.

Einer meiner Lehrer erinnerte sich oft an eine Zeit seines Lebens, die er im Gefängnis verbringen musste. Er sagte: „Hätte es nicht diese Zeit im Ge­fängnis gegeben, hätte ich weder viele ­meiner Bü­cher geschrieben, noch meine Ideen entwickelt.“

„Wenn Er dir erlaubt zu fragen, dann wisse, dass Er dir etwas geben will“ bedeutet, dass Allah uns eine Prüfung stellt, für die es keine Lösung gibt, außer Ihn, den Allmächtigen, zu bitten. Es kann sein, dass unsere Gebet vor der Prüfung nicht aufrichtig genug war. Befinden wir uns aber in einer ernsthaften Prüfung, besteht der einzige Ausweg darin, Allah um Hilfe anzuflehen.

Diese Gebete sind tiefer und aufrichtiger. „Wer den in einer Notlage Befindlichen erhört, wenn er Ihn anruft“ (An-Naml, 62) heißt es im Qur’an. Wer einen großzügigen Menschen um Hilfe ­bittet, wird eine Antwort erhalten. Wie ist es bei Allah, dem All-Großzügigen, selbst?

Die Anrufung Allahs kann Tage ohne ­erkennbares Ende der Bedrängnis andauern. Dies mag in sich selbst ein weiteres Geschenk Allahs sein. Nicht wegen unserer Ermangelung, sondern wegen des anhaltenden Zustands unserer Anbetung. Der Prophet sagte: „Das Bittgebet ist die wahre Anbetung.“

Allah gibt unbegrenzte Belohnung für alle, die Ihn anbeten. Nicht nur das, Er gibt jenen, die Ihn anflehen - entweder in dieser Welt, in der nächsten oder in beiden.

Mangel und Geben können nicht durch menschliche Standards gemessen werden, die auf materi­ellem Zuwachs angelegt sind. Der wahre Standard ist unsere Beziehung zu Allah. Manchmal unterzieht Allah uns einer Prüfung und nachdem Er, der Allmächtige, diese von uns wegnimmt, ­steigert sich unsere Nähe zu Ihm. Dies ist in sich selbst ein Geschenk Allahs.
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IZ erklärt Deutschland: Die Salaf
Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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