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01.08.2012 Gedanken zum Ramadan. Von Tasnim El-Naggar

Jedes Jahr aufs Neue

(iz). Ramadan. Ein Monat ist angebrochen, der für manche manchmal nichts weiter darstellt als Hunger. Sie sehnen sich nach einem Ham- oder Cheeseburger, bleiben bei jeder McDonalds-Plakat-Werbung stehen, schauen jedem wassertrinkenden Fußgänger lechzend hinterher und können den Abend kaum mehr erwarten oder entwickeln Krankheitsgefühle bei dem Gedanken an den nächsten Ramadantag.

Zugegeben es geht wohl jedem Muslim ab und zu in seinem Leben genau so. Ist ja auch nicht einfach, das Ganze, aber… irgendwie geht’s. Gut sogar. Es gibt ja auch noch andere Gefühle, wenn man an das Wort „Ramadan“ denkt. So ein Gefühl von: ich freu mich! Zum Freuen sind bekanntlich elf Monate lang Zeit. Erst kommt unmittelbar nach Ramadan ein wehleidiges Zurückblicken auf den vergangenen Monat. Dann wird sehnsüchtig vorwärts geschaut. Wann ist es endlich wieder soweit? Jaja, die gute, alte Vorfreude.

Und dann steht er plötzlich, ganz überraschend, auch schon wieder vor der Tür. Überrumpelt einen förmlich. Hat sich einfach herangeschlichen, ohne dass man es gemerkt hat. Huch, schon wieder Ramadan?! Du bist der Monat, dem ich schon die ganze Zeit entgegengeblickt habe. Na so was aber auch! Also gut, dann freu ich mich jetzt. Jetzt gerade bin ich mittendrin im Freuen. Der Ramadan des Jahres hat nämlich angefangen. Die Menschen, wenn sie nicht im Urlaub sind, sitzen bis in die Puppen im Garten oder vergnügen sich anderweitig in der warmen Jahreszeit. Es ist Sommer, und ich faste. Mit all meinen Sinnen, jawohl! Na gut, ein bisschen durstig und müde bin ich gegen Abend, kurz bevor das Fasten­brechen naht, und in meinem Bauch grummelt’s auch. Aber was wäre ein Ramadan ohne Herausforderung? Diese Eis schleckenden, sich sonnenden, sitzenden Leute verpassen etwas ich beneide sie nicht um das, was sie tun. Ich enthalte mich gern von all dem, jetzt, da ich begriffen habe, dass dieser Monat Ramadan ein Monat der Chancen ist.

Hunger und Durst hin oder her mein Magen ist leer, aber mein Kopf ist klar. Konzentration ist gefragt. Nämlich auf das Wesentliche. Jetzt habe ich die Chance bekommen mich zu verbessern. Körper, Geist und Seele von Schlechtem zu reinigen. Mein Leben neu zu ordnen, alte Lasten (und Laster) abzulegen. Meine Sinne um den Einen Gott kreisen zu lassen und ein wenig von dieser Welt abzurücken, um in mich zu gehen. Nachzusinnen, neue Kraft in Enthaltung zu sammeln. Ein Monat, in der sich diese Chancen gleich einer Lupe vergrößern und sich all die alltäglichen Sorgen und Nöte verkleinern. Ich will sie nutzen!

Manchmal ist dies nicht so einfach. Meine Freundin kommt um 11.00 Uhr verschlafen in mein Zimmer. Sie fastet. „Ich fühle mich gerade wie nach einer durchzechten Nacht“, sagt sie und entschwindet zur Arbeit. Ich schmunzle. Wie nah Konsum und die Enthaltung davon beieinander liegen können. Ich mache mir Gedanken darüber, was ich heute Abend koche. Lasagne oder doch Brokkoli-Auflauf? Ich kreise ums Essen. Und in der Uni merke ich plötzlich erstaunt, wie ich die Leute beim Essen oder Trinken beobachte. „Ach, das ist also doch kein Muslim, wie ich dachte. Der fastet ja gar nicht“, schießt es mir durch den Kopf. Erschrocken rufe ich mich zur Vernunft. Was geht’s mich an, was der macht? In der türkischen Moschee ­lachen wir ziemlich gemein über die vielen türkischen ü’s im arabischen Gebet. „Ich habe Muskelkater vom Gebet bekommen“, stöhnt eine Bekannte, die wir beim gemeinsamen Fastenbrechen kennengelernt haben, ob der hohen Geschwindigkeit des etwas längeren freiwilligen Gebets im Ramadan hach, wie wunderbar weltlich der Ramadan doch sein kann.

Ja, auch das gehört zum „Ramadan-Feeling“. Aber dann schließe ich die Tür, lasse die Welt dahinter zurück. Ich lese im Qur’an, lasse mir die arabischen Worte voller Poesie auf der Zunge zergehen, versuche zu verstehen, beuge mich nieder im Gebet, mit der Stirn auf dem Boden, und spreche mit Gott. Verweile, die Hände leicht zusammengelegt und gebeugt, und bitte ihn, um was ich ihn bitten möchte. Mache eine Abrechnung mit mir selbst, nehme mir Dinge vor.

Man lädt ein und wird eingeladen, man teilt Dattel und Gebetsteppich miteinander, tauscht Worte und Lächeln aus, übt sich in Geduld, Sanftmut und Brüder­lichkeit. Es menschelt. Morgens, wenn alle Welt schläft, stehe ich zum Morgengebet auf, und mit mir andere, die die Chance nutzen wollen. Verschla­fen sind sie, übermüdet, hungrig, aber doch voll eingetaucht in den Ramadan, den Monat der Monate, in seine enthaltsamen und weltlichen Seiten. Ich weiß bereits jetzt, dass er schnell vergehen wird, wie das Schönste eben nun mal schnell vergeht. Ich werde ihn garantiert vermissen, den Ramadan.
Lailatu’l-Qadr - wenn die Engel herabsteigen. Von Malik Sezgin [14.08.2012]
Von Sarajevo über Berlin bis Granada eint ein Ritus im Monat Ramadan. Von Malik Özkan [01.08.2012]
Über das Fasten und die Seele. Gedanken von Ahmet Inam [24.07.2012]
Ramadan: Der Monat des Islams. Von Mohammad Gharaibeh, Bonn [18.07.2012]
Der Fastenmonat ist der „Fürst der Monate“. Für die Fastenden hat Allah eine ganz besondere Belohnung vorgesehen. Von Schaikh Habib Bewley [27.06.2012]
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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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