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24.01.2007 Die Entwicklung islamischen Wissens

Einige Anmerkungen zur formativen Zeit der frühen Generationen nach dem Propheten Muhammad. Von ‘Abdassamad Clarke

(iz). Historisch betrachtet sind die Gefährten [des Propheten], das heißt die Muhadschirun [die Auswanderer] und die Ansar von Medina [die Helfer], das bemerkenswerteste Einzel-Phänomen in der menschlichen Geschichte. Eine gesamte soziale Ordnung, die ohne Vorbehalte die von Allah gewährte Offenbarung an Seinen letzten Propheten annahm und sie in Handlung und in Lebensführung, im Gebet und auf dem Marktplatz verkörperte. Das geschichtliche Zeugnis für die außergewöhnliche Natur dieser Gemeinschaft kommt vom Ende der Perser und der Beschneidung der Byzantiner, den großen tyrannischen Imperien jener Zeit. Dass eine kleine Gruppe von ärmlich ausgestatteten und unterernährten Leuten diesen beiden überlegen sein sollte, war undenkbar.

Unter den Gefährten des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, herrschte Einigkeit darüber, dass die Emigranten aus Mekka und die Einwohner Medinas Vorrang genießen. Sie nahmen seine Lebenspraxis direkt von ihm, bewahrten sie in Handlung und Anwendung, lernten sie weiterhin, verbreiteten sie während seines Lebens und nach seinem Tod untereinander und gaben sie dann an die folgenden Generationen weiter.

Demnach war das Medina der ersten Gemeinschaft eine soziale Ordnung, die durch den Letzten der Gesandten ausgebildet und erzogen wurde. Imam Malik beobachtete, dass das Gebet in der Moschee des Propheten während Maliks Lebenszeit nur einmal unterbrochen wurde - für drei Tage während enormer ziviler Unruhen. Im Gegenzug können wir sagen, dass das Gebet in der Moschee von Medina vom Propheten bis zu Malik niemals unterbrochen wurde. Daher ist die Gültigkeit des Gebetsrufes der Leute von Medina - der sich von den Überlieferungen anderer Schulen unterscheidet - größer, denn der Ruf zum Gebet wurde fünf Mal täglich in Medina von der Zeit des Propheten an verrichtet. Hätte es jemand gewagt, diesen auch nur um eine Winzigkeit zu ändern, dann hätte die Gemeinschaft eine solche Person zurecht gewiesen und es hätte eine Notiz einer solchen Zurechtweisung gegeben - die es aber nicht gibt.

Die Mu’amalat

Gleichermaßen ist dieses Argument auf das Gebet, wie es von Malik aufgezeichnet und überliefert wurde, anwendbar - wie auch auf alle anderen Angelegenheiten des Dins. Und schließlich, von Bedeutung für unsere Zeit, gibt es die Transaktionen des Alltags, auf der die Gesundheit der Zakat und damit der gesamte Islam beruhen. Wenn jemand eine schlechte Neuerung in die normalen Transaktionen des Handels und damit des Erwerbs des Lebensunterhalts eingeführt hätte, dann hätten die ersten drei Generationen - der Leute von Medina - nach dem Gesandten Allahs eine solche Person eindeutig dafür kritisiert und daran gehindert. Es gibt tatsächlich in der Muwatta’ solche erwähnten Ereignisse, denn nach dem Schirk [Götzendienst] waren es wucherische Transaktionen, vor denen sich die Leute am meisten hüteten.

Die festesten Fundamente sind die Handlungen der Leute von Medina gemeinsam mit den wertvollen Hadithen [Ahadith] von Imam Malik - Ahadith [Plural von Hadith], deren Echtheit über jeden Zweifel erhaben war und die von den großen Hadith-Gelehrten anerkannt wurden.

Malik ibn Anas

Auf eine gewisse Art und Weise besteht der Pfad von Malik nicht in seiner Madhhab, sondern er besteht in seiner Übermittlung der Praxis der Leute von Medina - von den Gefährten, den Nachfolgern und deren Nachfolgern. Malik verzeichnete, lehrte und überlieferte dies Seite an Seite mit seiner enormen Gelehrsamkeit in den Ahadith des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Er tat dies insbesondere, weil er sah, dass die tatsächlichen Handlungen der Leute von Medina und der Leute des Wissens für eine lebendige Verkörperung der Sunna des Propheten stehen.

Rechtsschulen

Imam Malik war sich der Bedeutung seiner Tätigkeit sehr bewusst. Ihm waren in der Vorausschau einige jener Madhhabi-Elemente gegenwärtig, an die wir uns heute gewöhnt haben. Er stand der irakischen Methode - die sich später zur hanafitischen Rechtsschule kristallisieren sollte - und ihrer Abhängigkeit von unzuverlässigen Texten und fragwürdigen Analogien erkennbar kritisch gegenüber. Ebenso bekämpfte er die abstoßend vereinfachende Sicht, dass man bei Anwesenheit eines „Sahih“-Hadithes durch dieses gebunden sei. Imam Malik sagte: „Nein, bei Allah! Nicht bis er die Wahrheit erreicht, und es gibt nur eine Wahrheit. Zwei widersprüchliche Aussagen können nicht beide korrekt sein.“

Die Ahadith

Diese Position - die Neigung, sich alleine auf schriftliche Hadithe zu verlassen, die von der etablierten Handlung getrennt sind -, die Imam Malik in seiner eigenen Lebenszeit heraufziehen sah, sollte ihre überzeugtesten Vertreter in den Gelehrten der schafi’itischen und später hanbalitischen Madhhabs finden. Unter ihnen waren viele der berühmten Hadith-Gelehrten, deren große Mehrheit gemeinsam mit den wichtigsten Imamen des Fiqhs direkt oder indirekt Schüler von Malik waren - daher sein bekannter Titel „Imam der Imame“.

Es muss hier angemerkt werden, dass niemand der großen Männer, deren Nachfolger in ihrem Namen die Rechtsschulen formierten, dies wollten oder propagierten. Sowohl Imam Asch-Schafi’i - ein Schüler von Imam Malik - und Imam Ahmad ibn Hanbul - wiederum ein Schüler von Asch-Schafi’i - kannten die Muwatta’ auswendig. Der gegenseitige Respekt zwischen Imam Malik und Imam Abu Hanifa ist ebenso gut belegt. Keinerlei Respektlosigkeit ist gegenüber diesen großen Männern beabsichtigt, und es gibt viele aufrichtige Gelehrte, die ihrem Urteil im Idschtihad folgten. Eine Person des Wissens, die aufrichtig ein unabhängiges Urteil fällt, wird belohnt, selbst wenn sie dabei einen Fehler macht. Dies ist die Position, die als die der „Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a, der „Leute der Sunna und der Gemeinschaft“, bekannt ist. Dies bedeutet nicht das gleiche wie die Aussage, wonach alle Madhhabs gleichermaßen Recht hätten, noch sie nach Belieben zu vermischen oder je nach Tageslaune Urteile der einzelnen Rechtsschulen auszuwählen.

Die Muwatta’

Die Muwatta’ ist das Porträt einer gesamten Stadt über einen Zeitraum, der sich vom Leben des Propheten bis zu den drei Nachfolgegenerationen erstreckt. Die darin enthaltenen Einzelheiten illustrieren dieses Bild. Es ist keine zweidimensionale elektronische Darstelung, sondern eher wie ein vierdimensionales Hologramm dieser Gemeinschaft. Sie enthält ein sehr reichhaltiges Buch der Verkäufe über die Transaktionen im normalen Leben von Medina, Wissen und Verständnis dieses traditionellen Musters der alltäglichen Aktivität.
Was sind Rechtsschulen? Es gibt gute Gründe, warum die Muslime an den Madhhabs festgehalten haben. Von Schaikh Nuh Ha Mim Keller [01.03.2013]
Ein Kommentar von Abu Bakr Rieger über eine notwendige Einordnung von Wissen und Gelehrten und warum es kein Wissen ohne Handlung gibt [01.03.2013]
Dr. Mohammad Nadwi über das umfangreiche Erbe der weiblichen Lehrerinnen im Islam [31.01.2013]
Hintergrund: Erinnerung an den Prophetengeburtstag [23.01.2013]
Hintergrund anlässlich des Prophetengeburtstages: Die Burda [23.01.2013]
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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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