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Kommentar: Für das Establishment ist es wichtig, dass der gesellschaftliche Zorn sich gegen Ausländer, Muslime und Hartz IV-Empfänger richtet. Von Khalil Breuer

Das Sarrazin-Projekt

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(iz). In der Öffentlichkeit wirkt Thilo Sarrazin eher wie ein müder Banker und nicht etwa wie ein neuer, dynamischer Volkstribun. Wäre der gute Mann allein, müsste man sich sicher keine weiteren Gedanken machen. Leider und genau genommen geht es aber gar nicht um ihn, sondern vielmehr um die Kräfte, die den ergrauten Herrn kraftvoll in den Vordergrund schieben.

In denkwürdigem Einklang haben „Bild“ und „Spiegel“ das dürftige „Werk“ des Freizeitphilosophen in ihr Herz geschlossen. Sein neues Büchlein erscheint zudem prominent in der Deutschen Verlagsanstalt, die zum Einflussbereich des Bertelsmann Konzerns gehört. Es ist genau diese vereinte Medienmacht hinter Sarrazin, die uns wirklich nach­denklich stimmen sollte.

Man kann getrost davon ausgehen, dass es bei diesem Projekt nicht nur um die ­Rettung des deutschen Vaterlandes geht, sondern in erster Linie auch um die Rettung der ­Interessen der Vermögenden im Lande. Diese Interessen sind wie man weiß durchaus bedroht. So dürfen auf keinen Fall, besonders in den Zeiten sich nun ankündigender sozialer Entbehrungen, die Stützen der Gesellschaft selbst in das Visier des Volkszornes geraten.

Hier gilt es also frühzeitig gesellschaftliche Projektionsflächen zum Aggressionsabbau zu schaffen. Mehr als alle Parteien, kann die versammelte Medienmacht ungehemmt bestehende Stimmungen und Unsicherheiten in ihrem Sinne lenken, verstärken und ausnutzen. Diese Strategie muss man sogar mit der jederzeit denkbaren Möglichkeit der einer Schöpfung einer neuen, pseudo-konservativen Partei zusammendenken.

//2//Diese neue Strömung könnte dann, wie man in den Niederlanden sieht, Massen obrigkeitshöriger Konsumenten mit islamophober Grundeinstellung sammeln. In Deutschland wartet seit Jahren die mächtigste und unheimlichste politische Gruppe, die Nichtwähler, auf ihre politische Mobilisierung. Für das Establishment ist es wichtig, dass der Zorn dieser wachsenden, potenziell politischen Kraft sich nicht etwa gegen Reiche, Banker und Finanzjongleure richtet, sondern lieber doch gegen Ausländer, Muslime und Hartz IV-Empfänger.

Das Sarrazin-Projekt versucht im Kern nichts Anderes, als das globale Freund-Feind Projekt gegen die neuen „Barbaren“ in die deutsche Innenpolitik zu projizieren. Neue Feindbilder und neue Ängste sollen dabei einen gesellschaftlichen Konsens ermöglichen. Das Motto des „weißen Mannes“ ist so verführerisch wie einfach: Wir sind zivilisiert, weil sie so barbarisch sind. Die unterschwellige Verknüpfung des Barbarischen mit dem Islam ist ein willkommener Nebeneffekt, verknüpft es doch den Islam mit den dunkelsten Problemen des Landes, nicht etwa mit alternativen Lösungsansätzen. Die Muslime durch das ­Ausschlachten von Einzelfällen zu diskreditieren und den Islam für Europa undenkbar zu machen, gehört sicherlich zu den wichtigen strategischen Zielen dieser Gesamtbewegung.

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