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Kommentar: Ist die rhetorische Trennung von Islam und Muslimen Strategie? Von Khalil Breuer

"Der Islam und Deutschland"

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(iz). “Der Islam gehört zu Deutschland” – warum fällt dem Bundesinnenminister diese Aussage so schwer? Natürlich beweist das gleichzeitige Bekenntnis zu den Muslimen im Lande, dass der Bundesinnenminister kein Radikaler ist. Nur die extremen Islamkritiker fordern ja ein Deutschland ohne Muslime. So weit denkt Friedrich sicher nicht. Allein in Bayern werden jeden Sommer zehntausende zahlungskräftige Muslime aus den arabischen Ländern willkommen geheißen, jedes Jahr Autos und Lastwagen aus München bestellt und es ist nicht bekannt, dass sich je eine CSU-Größe gegen die Anwesenheit dieser Muslime gestellt hätte.

Subtiler zu bewerten ist Friedrichs beharrliche Aussage, dass der Islam nicht “Teil Deutschland” sei. Ist dies doch versteckte Klientelpolitik, der Traum christlicher Leitkultur, die Muslime als “Geschöpfe Gottes” zu akzeptieren, aber ihren Islam im Grunde abzulehnen? Steckt hier der strategische Ansatz der Konferenz, nämlich insbesondere Muslime, die sich ausdrücklich vom Islam trennen, gezielt zu fördern? Ist es der Sinn der “Sicherheitspartnerschaft”, den besonnenen Islam hunderttausender Muslime weiter zu diskreditieren? Wäre dies alles so, wäre ein Boykott der Konferenz folgerichtig.

Nur, so einfach ist es nicht. Es muss in jedem Falle ein zentrales Anliegen der Muslime sein, im Gespräch zu bleiben und weiter für ein differenziertes Islambild einzutreten. Gerade auch dann, wenn die Gesprächspartner schwierig sind. Es wäre dabei ein Zeichen der Größe und Souveränität, wenn auch der Innenminister die Konferenz wieder vollständig etabliert. Also auch mit Islamrat und Zentralrat der Muslime, denen es nebenbei auch besser gelungen ist, die etwas mysteriösen Inhalte der Konferenz unter das muslimische Volk zu bringen.

Es wäre auch ein gutes Zeichen, wenn der praktizierende Islam in Deutschland wieder einmal merkt, dass allein ein positiver Beitrag für die Gesellschaft gegen die Verschwörungstheorie der “islamistischen” Unterwanderung Deutschlands hilft. Hierher gehört auch die Loyalität zu unserem Lebensmittelpunkt klar zu machen und dem Eindruck aktiv entgegenzuwirken, unsere Moscheeanlagen seien eine Art exterritoriales Gebiet und die islamische Lebenspraxis gegen seine Umgebung gar feindlich eingestellt.

Die Muslime in Deutschland müssen keine fremde Kulturen verteidigen, können Deutsch sprechen und wollen ihre Beiträge, Ideen und Vorschläge hörbar machen. Wenn die Islamkonferenz zu dieser Klarstellung noch dienlich ist, dann ist die Teilnahme auch unter schwierigen Umständen Pflicht.

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