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Mein Ramadan. Meine Moschee

Im Fastenmonat widmen sich die Gemeinden dem Unsichtbaren

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Foto: SorinVidis | iStockphoto

(iz). Eigentlich ist meine Moschee kein wirklich schöner Ort. Es steht zwar „Islamisches Kulturzentrum“ dran, aber eine kulturelle Meisterleistung ist dem Architekt auf dem kleinen Eckgrundstück nicht gerade gelungen. Ehrlich gesagt, sie liegt auch nicht schön, meine Moschee. Es sei denn, man findet die Nachbarschaft von Netto und Aldi und einem Autohaus anregend. Der Backsteinbau im Gewerbegebiet unserer Kleinstadt ist schmucklos und doch ein wichtiger Orientierungspunkt.

Man braucht sicherlich eine klare Absicht, um sich an diesem unscheinbaren Ort am Rande der Gesellschaft einzufinden. Ganz egal woher man kommt. Wo andere ihre Autos waschen und ein Schnäppchen besorgen, widmet man sich hier anderen Geschäften. Hier zählen die berühmten inneren Werte und die spannende Unternehmung, sich dem Unsichtbaren zu nähern.

Auf einigen Hundert Quadratmetern findet hier das alltägliche Wunder des Lebens statt. Hier wird geheiratet, gebetet, gefeiert und das Totengebet verrichtet. Hier findet im Grunde all das statt, was unser Leben als Muslime wohl sichtbar und wirklich außergewöhnlich macht. So wie in diesem Ramadan.

Jeden Abend wird sich unsere Gemeinde, ob jung oder alt, zum Tarawwih-Gebet am Stadtrand treffen. Sogar der Mustafa und der Ali, die man ja sonst kaum sieht. Und jeden Abend werde ich wieder feststellen, dass wir ein Stückchen näher zusammenrücken. Und nicht nur, weil der Imam darum bitten wird, um die ungewohnte Fülle an Männern, Kindern und Frauen in das kleine Gebäude hineinzuzwängen. Es ist diese innere Solidarität und die Einfachheit, die jeden einschließt und die ohne große Worte auskommt, die ich an diesen Tagen schätze. Erstaunlich, wie eine Hundertschaft von einfachen Arbeitern sich um das Gebet herum zu einem lebendigen sozialen Kunstwerk zusammenfindet und wir uns mit Muslimen in aller Welt in eine Orientierung fügen.

Das alles in einer Zeit, in der das ungezwungene Zusammenkommen auch zwischen uns Muslimen seltener wird. Überhaupt, es ist schön, die Generationen im Gebet versammelt zu sehen. Auch wenn hier und da hinter den Vorhängen das Kichern der Kleinen zu hören ist. Das gehört aber zu unserer Gemeinde genauso dazu wie der alte Mehmet, der nun einen Stuhl braucht, weil er das Auf und Ab des Gebetes seinem Rücken nicht mehr zumuten kann. Man sagt immer, der Ramadan sei ein besonderer Monat. Das stimmt.

Es ist eine Art göttlich inspirierte menschliche Revolte gegen die Abhängigkeiten dieser Welt. Man lernt, dass, wie Rumi es sagt, die Welt eine Brust ist und wir Menschen, wenn wir erwachsen sein wollen, lernen müssen, uns zu entwöhnen. Nur dann sind wir für höhere Erfahrungen wirklich frei. Jeden Abend, wenn mir eine Dattel zugeworfen wird und ich ein kleines Schlückchen Wasser trinke, wundere ich mich, wie schnell ich satt und zufrieden bin.

An den schwierigeren Tagen lache ich über die inneren Winkelzüge meines Selbst. Auch die Jungen machen diese Erfahrung und ernten Lob und Zustimmung von uns, dass sie es sich einmal „selbst“ statt wie üblich den Anderen gezeigt haben. Und immer, wenn der Ramadan endet, freue ich mich auf den Nächsten. Wenn es denn so für mich geschrieben ist.

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Malik Özkan

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