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11 Jahre 9/11: „IZ-Begegnung“ mit Paul Schreyer über Hintergründe und Erkenntnismethoden

„Das sind Fähigkeiten, die ans Übermenschliche grenzen“

(iz). Jüngst jährte sich zum elften Mal der Jahrestag des 11. September 2001. Zu sehr wurde das offizi­elle Bild und seine Deutung im Bewusstsein der Menschen verankert, als dass eine Akzeptanz von alternativen Sichtweisen noch als möglich erscheint. Jenseits abstrak­ter historischer Rückbetrachtungen wirft das Desinteresse so genannter „Qualitätsmedien“ an einer ernstzunehmen­den Aufklärung der Hintergründe dieser Angriffe nicht nur ein fragwürdiges Licht auf den medialen Betrieb. Ereignisse in Folge von 9/11 und die globalen Folgen machen eine lückenlose Aufklärung nötig, um nicht weiteren Hypothesen Nahrung zu geben.

Über Kritikpunkte an der offiziellen Hypothese zu 9/11, Unstimmigkeiten, mutmaßliche Insidergeschäfte und dem Unterschied zwischen Paranoia und realen Machenschaften sprachen wir mit dem Publizisten Paul Schreyer. Paul Schreyer, geboren 1977, ist freier Journalist für die Magazine „telepolis“, „Hintergrund“ und „Ossietzky“ sowie Autor des Buches „Insider 9/11 – Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach“. Er betreibt die Webseite www.911-facts.info.

Islamische Zeitung: Lieber Herr Schreyer, jüngst jährte sich der 11. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA. Sie kritisier­ten in einem Artikel für das online-Magazin „telepolis“ eine „Denkblockade“ bei Journalisten und Autoren. Könnten Sie Ihre Erfahrungen einmal kurz nachzeichnen?

Paul Schreyer: Es ist immer noch vergleichsweise wenig bekannt, dass in den Tagen kurz vor 9/11 an den Börsen mutmaßliche Insidergeschäfte zu beobachten waren. Damals wurde massiv auf ­fallende Kurse von Unternehmen ­ge­wettet, die von den Anschlägen später betroffen waren – ein Indiz für Vorwissen. Kurz nach dem 11. September war das auch für einige Tage ein Thema, das sehr ernsthaft international diskutiert wurde, zum Beispiel auch vom damaligen Chef der Deutschen Bundesbank. Dann verschwand die Story wieder aus den Medien.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC untersuchte die Vorwürfe, veröffentlichte aber nie ihre Ergebnisse. Und die offizielle 9/11-Untersuchungskommission erklärte den mutmaßlichen Insiderhandel später schlicht für Zufall. 2011 nun haben Finanzwissenschaftler der Univer­sität Zürich eine Studie vorgelegt, die anhand der Auswertung der realen Banktransaktionsdaten ganz im Gegenteil einen Insiderhandel nahelegt. Doch bis auf eine französische Finanzzeitung berichtete kein Mainstream-Journalist darüber. Das hat mich stutzig gemacht und ich habe einige meiner Kollegen, etwa vom ZDF und vom SPIEGEL, darauf angesprochen. Doch niemand wollte sich äußern, oder gar Stellung beziehen. Ein ehemaliger Ressortchef einer großen deutschen Tageszeitung sagte mir schlicht, er glaube das nicht. Dieses Verhalten habe ich als „9/11-Denkblockade“ bezeichnet.

Islamische Zeitung: Um einmal polemisch zu fragen, ist es – soweit es die historischen Folgen und die Tiefenwirkung der Anschläge betrifft – von Relevanz, ob die offizielle Hypothese zutrifft oder eine alternative? Die geopolitischen Veränderungen sind eingetroffen und die militärischen Konflikte sind geführt worden…

Paul Schreyer: Das ist richtig. Aber es gibt einen tiefer liegenden Aspekt. Die Nichtaufklärung eines so gravierenden Ereignisses wie 9/11 führt zu einer anhal­tenden Verunsicherung und einem allge­meinen Vertrauensverlust in die Politik.

In den USA konnte man das schon einmal nach dem Kennedy-Mord 1963 beobachten. Mit jedem Jahr das verging, ohne dass der Mord am Präsidenten aufgeklärt wurde, verloren mehr Bürger ihr grundlegendes Vertrauen in die Regierung und das Funktionieren des Staates. Darin liegt meiner Überzeugung nach die tiefere Relevanz. Die Alternativen zum Bemühen um Aufklärung sind Resignation und Zynismus.

Islamische Zeitung: Eine der am häufigsten gestellten Fragen in Sachen Konspiration ist „Wem nützt es?“. Wem die Ereignisse „genutzt“ haben, liegt ja eigentlich offen zu Tage. Oder ist das zu simpel gedacht?

Paul Schreyer: Derjenige, dem ein Verbrechen nutzt, muss ­logischerweise nicht automatisch der Täter sein. Aber es wäre auch absurd, ihn aus dem Kreis der Verdächtigen von vornherein ­auszuschließen.

Islamische Zeitung: Jemand meinte einmal, dass Bücher und Untersuchungen, die sich mit den Ursachen von 9/11 befassen – und die zu ­anderen Deutungen als der üblichen gelangen – Jahre zu spät kommen, weil die dominante Erklärung und die sie beglei­tende Bildersprache – Bin Laden und Al Qaida als „Ikonen“ des Bösen ­sowie die Notwendigkeit des „Krieges gegen den Terror“ – längst im kollektiven Unterbewusstsein verankert sind. Wie würden Sie dem als investigativer Autor, der hierzu recherchiert hat, begegnen wollen? 

Paul Schreyer: Mit den Fakten. So einfach und auch so schwer. Denn es ist in der Tat schwer, Menschen zu erreichen, die überzeugt sind, bereits alles über 9/11 zu wissen. Trotzdem geht Aufklärung natürlich nur mit Fakten. Fakten, über deren Richtigkeit in einer öffentlichen Debatte der Konsens gesucht werden sollte.

Islamische Zeitung: Was sind die wichtigsten Entgegnungen des media­len und akademischen Mainstreams auf alternative Erklärungen zu den Anschlägen vom 11. September 2001 und wie würden Sie ihnen antworten?

Paul Schreyer: Sofern ein Mainstream-Journalist sich mit alternativen Theorien zu 9/11 überhaupt auseinandersetzt, was selten genug geschieht, dann meist nicht von einem offenen Standpunkt aus, sondern in der Regel von der Position, dass ein Inside-Job – also die Verwicklung der eigenen Regierung – von vornherein als unvorstellbar und damit unmöglich betrachtet wird.

Darauf antworten kann man mit den leider zahlreichen historischen ­Beispielen für geplanten oder auch ausgeführten Staatsterrorismus – die „Strategie der Spannung“, „Gladio“, „Operation North­woods“ usw. Die Debatte wird oft in den Bereich des Glaubens verlagert. „Das glaube ich nicht“ oder „das kann ich mir einfach nicht vorstellen“ hört man dann. Dabei sollte es bei der Aufklärung eines Verbrechens selbstverständlich nie um persönliche Überzeugungen gehen, denn die sind so beschränkt wie die eigenen Erfahrungen und das eigene Wissen. Es sollte immer nur um überprüfbare ­Fakten gehen.

Islamische Zeitung: Lieber Herr Schreyer, welche Elemente der offiziel­len Hypothese sind für Sie am ehesten angreifbar und in Frage zu stellen?

Paul Schreyer: Zunächst der ungeklärte Einsturz der Türme, besonders der von Gebäude 7, dem dritten Turm, der überhaupt nicht von einem Flugzeug getroffen wurde. Dann die Namen der 19 angeblichen Flugzeugentführer. Nach Auskunft der Ermittler war die Liste dieser Namen ganz schnell da, nur wenige Stunden nach den Anschlägen. Aber mit dieser Liste stimmt so einiges nicht. ­Viele der Identitäten sind unklar. Weiterhin die These, dass diese jungen Araber die Jets auch tatsächlich ins World Trade Center und das Pentagon gelenkt haben. Was man auf den Videos oft nicht wahrnimmt: Die Maschinen waren unglaublich schnell. Die Boeing, die in den Südturm crashte, flog direkt vor dem Aufprall zum Beispiel wahnwitzige 900 km/h, dazu in einer präzisen Kurve, die wenige Sekunden vor dem Einschlag nachjustiert wurde. Wäre nur Sekunden­bruchteile früher oder später nachjustiert worden und hätte sich das Flugzeug ­dabei nur um 5 Grad mehr oder weniger geneigt, hätte es sein Ziel verfehlt, wie Analysen des Flugverlaufs zeigen. Das sind Fähigkeiten, die ans Übermenschliche grenzen. Kaum ein Kampfpilot wäre dazu in der Lage; geschweige denn jemand, der gerade Cessna fliegen gelernt hat. Nicht anders ist es bei der Maschine, die ins Pentagon einschlug. Sie ­wendete exakt in einem Radarloch, flog vor Washington eine enge 330-Grad Kurve bei gleichzeitigem steilen Sinkflug, um sodann mit Höchstgeschwindigkeit zwei Meter über dem Boden in das Gebäude einzuschlagen – übrigens genau in die Seite, deren Wände kurz zuvor bei Reno­vierungsarbeiten verstärkt worden ­waren, um besser einem Terroranschlag standzuhalten. Diese Flugmanöver zeigen eine maschinenhafte Präzision, die an eine Fernsteuerung denken lässt – was technisch im Jahr 2001 zumindest möglich gewesen wäre. Dann das Scheitern der Luftabwehr. Kein Kampfjet erreichte auch nur eines der entführten ­Flugzeuge. Diese letzte Frage ist Kernpunkt ­meiner eigenen Recherchen. Und interessanterweise hat ja auch die amtliche „9/11 Commission“ zugegeben, beim Thema Luftabwehr von den Militärs massiv belo­gen worden zu sein.

Islamische Zeitung: Glauben Sie, dass sich im Laufe der Zeit noch andere Hypothesen zu 9/11 werden durchsetzen können, oder ist die ­dominante Erklärung für lange Zeit festgeschrieben?

Paul Schreyer: Ich denke, dass die Vorherrschaft der offiziellen Theorie von der Glaubwürdigkeit ihrer Vertreter abhängt. Je mehr die Glaubwürdigkeit der US-Regierung und der herrschenden Eliten allgemein leidet – Stichworte: Afgha­nistan, Irakkrieg, aber auch die Finanzkrise –, umso mehr Bereitschaft wird es auch geben, kritisches Denken zu 9/11 zuzulassen. Es hat vielleicht auch etwas mit der Souveränität des Landes zu tun, in dem die Debatte geführt wird. Ich meine zu beobachten, dass zum Beispiel in der Schweiz oder in Kanada offener diskutiert wird, als etwa in Deutschland.

Islamische Zeitung: Das Begehren respektabler technischer Experten und unverdächtiger Politiker und Journalisten, die beispielsweise in den USA eine wirklich unabhängige Untersuchung forderten, wurde oft mit dem knappen Verweis auf eine vermeintliche „Verschwörungstheorie“ zurückgewiesen. Dient die Etikettierung als „Verschwörungstheorie“ dazu, ernsthafte Debatten zu unterbinden?

Paul Schreyer: Das ist sicher richtig. Das Wort ist zu einem Kampfbegriff geworden. Verschwörungstheorien sind ja nichts weiter als Vermutungen über Verschwörungen, die wiederum ein Teil unseres Alltags sind. Es ist daher proble­ma­tisch, dass der Begriff „Verschwörungstheorie“ fast ausschließlich synonym mit „paranoider Unsinn“ verwendet wird. Eine solche Definition ist offensichtlich eine sprachliche Verfälschung. Allerdings eine, die gerne und oft dazu benutzt wird, die Untersuchung von Staatsterrorismus pauschal als absurd zu diskreditieren. So wird eine notwendige Debatte von vornherein abgewürgt. Bislang leider sehr erfolgreich, da viele Menschen den Begriff nicht hinterfragen.

Islamische Zeitung: Wie lässt sich für einen Laien eine ernsthafte Hypo­these von einer Verschwörungstheorie unterscheiden?

Paul Schreyer: Verschwörungstheorien und Hypothesen ganz allgemein sind Konstruktionen der Wirklichkeit, die entstehen, wenn es an Transparenz mangelt. Ob sie berechtigt sind oder eher zweifelhaft, ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Generell kann man aber sagen, dass zweifelhafte Verschwörungstheorien die Dinge meist einfacher darstellen als sie sind, dass sie Widersprüche ausblenden und Feindbilder befördern. Bedenkenswerte Verschwörungstheorien geben auf der anderen ­Seite oft keine fertigen Lösungen vor. Und sie sind falsifizierbar – durch reale Ermittlungen.

Islamische Zeitung: Lieber Herr Schreyer, wir danken für das Gespräch.

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