IZ News Ticker

300 Ausgaben Sinn und Segen

Ein kleiner Dank an die Macher der IZ von Tijana Sarac

Werbung

Foto: Archiv

(iz). Vor fünf Jahren besuchte ich einen Vortrag an meiner Uni, an dem es um das Zinsverbot im Islam gehen sollte. Mir wurde geraten, mir den Vortrag anzuhören, weil er besonders sein würde. Skeptisch ging ich also hin, in der Annahme, dass es sich doch bloß um ein recht langweiliges Thema handelte. Wie kaufe ich ein Haus, ohne einen Kredit bei der Bank aufnehmen zu müssen? Solche und ähnliche Fragen kamen mir in den Sinn, wenn ich an das Thema Zins im Islam dachte.

Doch es sollte ein Vortrag werden, der mein Leben auf den Kopf stellte. Der Redner, Abu Bakr Rieger, verband Fragen des Fiqih mit den kulturellen Traditionen Europas, sprach von Goethe und von ­Islam, drang tief in das Thema Zins ein, sodass eine sogar rein ökonomisch erscheinende Angelegenheit spirituelle Tiefen offenbarte, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie existieren könnten.

All dies tat der Herausgeber der „Islamischen Zeitung“ mit einem leicht badischen, sehr sympathischen Dialekt und sein Muslimsein war auf natürlichste Art mit seinem Deutschsein verwoben. Das inspirierte und faszinierte mich ungemein, da ich seit längerem auf der Suche nach authentischen Leuten war. Muslimen, die voll und ganz im Din Allahs standen, und gleichzeitig ihre eigene Herkunft, Tradition und Kultur nicht verlassen haben. Es war für mich immer ein recht seltsamer Anblick, gebürtige Deutsche sich wie Araber oder Türken benehmen zu sehen, nachdem sie Muslime wurden. Es schien mehr wie eine Maskerade als aufrichtige Lebensart zu sein. Nicht so jedoch bei Herrn Rieger und seinem Team. Ich wurde neugierig.

So stieß ich also auf die Zeitung, die er herausgibt. Beim Lesen der IZ merkt man schnell, hier ist Liebe zur deutschen Kultur und Philosophie stark mit dem Islamverständnis verknüpft. Kein Wunder also, dass es viele deutsche Kon­vertiten gibt, die ein Vertrauen zu den Inhalten und Machern der Zeitung entwickelt haben. In unserer Epoche der Isolation, des Individualismus und der daraus resultierenden Einsamkeit ist es von hoher Bedeutung, Muslimen in Deutschland eine nicht nur theoretische, sondern auch aktiv gelebte Beheimatung zu ermöglichen, indem sie die eigenen Wurzeln auf ganz neue, spannende Art und Weise entdecken und einen Schiller, Nietzsche oder Goethe durch die Linse eines Muslims betrachten und wertschätzen können.

Hier findet sich keine Absonderung und Entfremdung von den uns hier umgebenden Realitäten, sondern ein lebendiges Mitten-drin-sein im deutschen wie auch internationalen politischen, ökonomischen, sozialen und spirituellen Geschehen. Das macht die Zeitung für alle faszinierend, die wissen möchten, wie Muslime denken, was sie derzeit bewegt, welche Positionen sie entwickeln und welche Lösungen sie für unsere gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen formulieren. Die IZ füllt somit eine Lücke im deutschen Diskurs, die ihres Gleichen sucht.

Kurze Zeit nach dieser ersten Begegnung traf ich Chefredakteur Sulaiman Wilms bei einem weiteren Vortrag, in dem es speziell um die Zeitung ging. Voller Enthusiasmus bot ich ihm an, im Lektorat auszuhelfen, um Teil dieses fantastischen Projektes sein zu können. Dankend nahm er an und es entstand eine nun fünf Jahre andauernde Freundschaft. Zur Zeitung und zu Ihren Machern.

Was macht die „Islamische Zeitung“ so besonders? Für mich ist es die Leidenschaft derer, die sie produzieren. Seit nun 25 Jahren und 300 Ausgaben wird mit Herz und Verstand daran gearbeitet, den Muslimen im deutschsprachigen Raum eine kollektive, bunte und facettenreiche Stimme zu verleihen, in all ihren Prägungen, kulturellen wie auch wissenschaftlichen Färbungen, und den Nichtmuslimen, die sich für den Islam und die Muslime interessieren, eine authentische Quelle zu bieten, die sie nicht nur lesen, sondern mit der sie auch persönlich in den Austausch treten können.

Ich erinnere mich, wie Herr Rieger mir mal sagte, dass wenn irgendwo aus Deutschland sie jemand anriefe und sagte, er wolle Muslim werden, dann ­säßen er und Herr Wilms schon im Auto, um zu dieser Person zu fahren und ihnen die Schahada abzunehmen. Denn im Grunde genommen ginge es nur darum. Die Liebe zu Allah und Seinem Gesandten, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, die ihre Herzen vor Jahrzehnten durchdrungen hatte, an andere Herzen weiterzugeben und womöglich auch sie in Liebe entflammen zu sehen.

Bei mir haben die Texte dieser Zeitung genau dies ausgelöst. Ich war schon Muslim, jedoch fehlte mir ein wichtiger und ganz besonderer Bestandteil des Dins – die spirituelle Tiefe. Neben den Debattenbeiträgen zu Islam und Muslimen deutschland- und weltweit, gab es da auch diese anderen, unglaublich berührenden Texte, die von der tiefen Liebe zum Schöpfer sprachen und von der Anbetung Seiner, als könnten wir Ihn sehen, und auch wenn wir dies nicht können, so sollen wir stets wissen, dass Er uns sieht. Texte, die das Gedenken Allahs (Dhikr) zum Thema hatten, und die Wichtigkeit der Segensgrüße an den Propheten, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, betonten, aus dessen Licht wir schließlich alle erschaffen wurden.

Eine Zeitung schaffte es, mir meinen Platz in der Welt und meine Aufgabe in dieser klarzumachen. Sie ist nicht eine bloße Ansammlung an Informationen. Diese sind auch enthalten, keine Frage. Aber das Herz der Zeitung ist ganz klar der Reichtum der Wissenstradition der Muslime, der sich durch die Seiten der Zeitung wie ein unsichtbarer roter Faden zieht. Noch nie habe ich die „Islamische Zeitung“ durchstöbert, und bin mit schlechter Laune aus der Lesereise hervorgegangen. Immer hinterlässt sie ein Gefühl der Positivität, der Lebensfreude, der Liebe und Fürsorge zur Schöpfung (es finden sich immer brandaktuelle Artikel zum Thema Naturschutz, Umweltbewusstsein, globaler Gerechtigkeit etc.), der spirituellen Reinheit und Tiefe, der Ermahnung zum guten Handeln und der Betonung auf das Hier und Jetzt.

Die IZ ist Monat für Monat ein kleines Wunder. Chefredakteur Sulaiman Wilms schafft aus dem Nichts ein Produkt, welches so abgerundet, divers, international und spannend ist, dass man vor seiner Leistung und seiner Hingabe den Hut ziehen muss. Diesen Beitrag widme ich ihm, ohne den es diese Zeitung, mit all ihren Segnungen, ihrer Wissensvermittlung und der aufrichtigen Liebe zum Schöpfer nicht geben würde. Im Namen der Leserinnen und Leser der wunderbaren IZ danke ich ihm für alle Schweißtropfen, Endredaktionen und Entbehrungen, die nur eines zum Ziel haben – das Teilen der Gnade, die er als junger Mann von Allah erhielt, mit all jenen, die die Islamische Zeitung Monat für Monat in den Händen halten.

Ein großer Dank geht hierbei auch an Abdulkabir Herzog, ohne den die brillanten Witze Sulaimans ihr Gegenüber vermissen würden. Den Vertrieb dieser Zeitung zu stemmen ist ein monatlicher Dschihad, vielen Dank und tiefe Verneigung! Ein ebenso großer Dank geht ein Abu Bakr Rieger, der seit Jahrzehnten durch Deutschland und die Welt reist, um mit Begeisterung über Allah zu sprechen, die spirituellen Tiefen eines Goethe mit dem Islam verknüpft und eine Sprache stiftet, die unseren Din in unseren Gefilden wie Heimat klingen lässt.

Als ehemaliges bosnisches Flüchtlingskind war ich besonders gerührt, zu erfahren, dass einer der Beweggründe zur Schaffung der IZ der bosnische Bürgerkrieg der 90er Jahre war. In Gesprächen erklärte mir Herr Rieger, dass zur damaligen Zeit das Leid der Muslime auf dem Balkan kaum gehört wurde. Sie wollten darüber sprechen, in Deutschland und darüber hinaus, und wollten tun, was in ihrer Macht stand, um dem bedrohten Volk der Bosniaken irgend möglich beizustehen und für Gerechtigkeit einzutreten. Alljährlich finden sich Beiträge zum Genozid an den bosnischen Muslimen, einem autochthonen europäischen Volk, welches seit Jahrhunderten den Islam auf natürlichste Weise auf diesem Kontinent auslebt. Ebenso finden sich Beiträge bosnischer Intellektueller, sowie anderer europäischer und internationaler Denker und Dichter, Gelehrter und Lernender. Auch dies ist eine leidenschaftliche Angelegenheit für das Team der IZ – sowohl Muslimen als auch Nichtmuslimen verständlich zu machen, dass Islam und Europa, Islam und Deutschland, nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern der Din Allahs eine Vervollkommnung und Verfeinerung der europäischen Kultur und Tradition ist. Die IZ ist ein monatliches Plädoyer für das Ankommen und Beheimatetsein im Hier und Jetzt, unserem gemeinsamen Schicksal.

Dabei geht es nicht nur um die Zugehörigkeit zu dieser oder jener Nation, und das Recht zum Ausleben der Religion, es geht vielmehr um die Verpflichtung der Muslime, unserer hiesigen Gesellschaft einen Dienst zu erweisen, nicht trotz unseres Muslimseins, sondern gerade wegen unseres Muslimseins. Der Muslim ist nicht jemand, der bloß von seinem Recht spricht, die der andere ihm gegenüber zu erfüllen hat. Der Muslim ist vielmehr derjenige, der stets bemüht ist, seiner Pflicht gegenüber der Gesellschaft nachzukommen und für die Schöpfung Allahs von Nutzen zu sein. Erst dann erfährt der Mensch Erfüllung und entwickelt ein ­Gefühl von Zugehörigkeit. Die IZ bietet hier reichlich Inspiration, von einem offenen Team produziert, das stets darauf aus ist, mit Menschen aller Couleur in Kontakt zu treten, um gemeinsam Gutes zu bewirken.

Dies macht die IZ lebendig, sie ist mehr als nur Zeitung. Sie ist ein Streben nach Gemeinschaft. Über ideologische und kulturelle Grenzen hinweg. Wer Gutes will, wird hier etwas für sich finden.

Wir, die Monat für Monat Gutes in dieser besonderen, von Inspiration und Liebe durchdrungenen Zeitung finden, bedanken uns für 25 Jahre „Islamische Zeitung“. Ein Vierteljahrhundert Information, Lesefreude und spirituelle Bereicherung! 300 Ausgaben Lehre, Gedenken Allahs, und Segensgrüße an den Geliebten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken! Monat für Monat, Freude und Qualität im Briefkasten. Wir danken Euch. Möge Allah das Team der IZ mit einem Lohn, den nur Er kennt, belohnen und es uns für viele weitere Jahre erhalten.

The following two tabs change content below.
Tijana Sarac

Tijana Sarac

Tijana Sarac

Neueste Artikel von Tijana Sarac (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen