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300 Imame Österreichs zeigen sich geschlossen gegen Extremismus

Muslimische Gelehrte unterzeichnen Deklaration gegen Extremismus, Gewalt und Terror

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Foto: Omar Al-Rawi

(iz).  Mehr als 300 muslimische Gelehrte unterzeichneten eine gemeinsame Deklaration, in der nicht nur sämtliche Anschläge weltweit verurteilt werden, sondern auch zur gesellschaftlichen Teilhabe der Muslime aufgerufen wird. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ)  Ibrahim Olgun sprach von einem historischen Tag.

Die Initiative für die Aktion sei von den Imamen selbst ausgegangen, betonte Olgun in einer kurzen Rede bei einem gemeinsamen Auftreten der Vertreter. In dem Dokument  wird an sämtliche Muslime, auch im Hinblick auf rechtsextremen Terror, einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in Österreich zu leisten. Weiter heißt es: “Wir verurteilen terroristische Gewalttaten in der ganzen Welt.” Zudem werden die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft dazu angehalten, in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen teilzunehmen.

Die Deklaration im Wortlaut:

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

“Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es als habe er die ganze Menschheit getötet! Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet”! (Koran 5:32)

Hiermit wird festgehalten, dass wir, die Imame Österreichs, als Teil dieser Gesellschaft weiterhin mit aller Entschlossenheit alles tun werden, das friedliche Zusammenleben hier in Österreich aufrecht zu erhalten. Nichts wird uns davon abbringen, uns für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Chancengleichheit von Mann und Frau und gesellschaftliche Sicherheit auf der Basis der Vernunft und einer solidarischen Grundhaltung einzusetzen und unseren aktiven Beitrag für den Erhalt der Gesellschaft zu leisten.

Wir, die Imame Österreichs

• verurteilen die terroristischen und extremistischen Gewaltakte auf der ganzen Welt;

• halten fest, dass die Gräueltaten und Attentate der IS-Terroristen dem Islam widersprechen und aufs Schärfste zu verurteilen sind. Diese IS-Terroristen missbrauchen unsere friedliche Religion Islam, um an ihre politischen Ziele zu gelangen;

• stellen klar, dass es zur Aufgabe eines jeden Muslims und jeder Muslimin gehört, sich für die Sicherheit und den Frieden des Landes sowie seiner Bürger und Bürgerinnen aktiv einzusetzen;

• halten fest, dass Freiheit ein unentbehrliches Gut für die Menschen darstellt und dass es zu den Aufgaben jeder Gesellschaft gehört, sich für Freiheit zu jeder Zeit und an jedem Ort einzusetzen;

• unterstreichen, dass der Islam die Menschenwürde als einen unverzichtbaren menschlichen Wert betrachtet. Aus diesem Grund ist alles, was diesem Grundsatz widerspricht, abzulehnen;

• betonen in diesem Zusammenhang, dass Terror nicht einer Religion, einer Ethnie oder einer Kultur zuzuordnen ist;

• betrachten den Dienst an der Gesellschaft als eine der besten Handlungen, zu welcher der Islam immer wieder aufruft und fordern deshalb die Muslime zur aktiven Teilnahme in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen auf;

• betonen das Festhalten an verfassungsrechtlichen Prinzipien in der Republik Österreich, darin eingeschlossen und besonders hervorzuheben die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, Pluralismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit;

• unterstreichen die Bedeutung der Präventions-und Deradikalisierungsarbeit, vor allem im Zusammenhang mit Jugendarbeit.

Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen, vor einer pauschalierten Stigmatisierung der muslimischen Bevölkerung und antimuslimischen Rassismus in Österreich eindringlich zu warnen. Eine dadurch entstehende angeheizte Stimmung in der Bevölkerung würde zur Polarisierung der Gesellschaft führen und wäre ein perfekter Nährboden für extremistische Tendenzen in vielen Teilen der Gesellschaft.

Es ist in der aktuellen Situation wichtiger denn je, klar zu differenzieren, um religiöse Minderheiten vor populistischem Missbrauch und Anfeindungen zu schützen.

Der Kampf gegen Extremismus, aber auch gegen jeglichen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der wir als Imame Österreichs als Teil dieser Gesellschaft voll und ganz stehen.

Wir stehen für unsere Verantwortung für ein besseres Miteinander in Österreich ein.

Der Prophet Muhammad sagt: “Der Muslim ist derjenige, vor ‎dessen Hand und Zunge die Menschen in ‎Sicherheit sind. Der Gläubige ist derjenige, vor ‎dem das Leben und der Besitz der Menschen in ‎Sicherheit sind.” (Quelle: Tirmidhi)

In diesem Sinne möchten wir, die Imame in Österreich, ein klares Zeichen setzen und mit der Unterzeichnung dieser Deklaration jegliche Art von Terror, Extremismus und Gewalt deutlich verurteilen!

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