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55 Prozent Erfolgsquote für gewaltfreien Widerstand: BDS konnte Investoren überzeugen. Von Kanya D’Almeida

Die stille Macht des Boykotts

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(IPS). Ein oberflächlicher Blick auf Berichte über die globalen Militärausgaben reicht aus, um das Bild zu prägen, der Planet sei eine massive Kaserne, die von schwer bewaffneten Wachen in einer Vielzahl von Uniformen patrouilliert wird. Im letzten Jahr wurden, laut des Stockholmer SIPRI-Instituts, weltweit rund 1,76 Billionen US-Dollar für das Militär ausgegeben. Im Jahr zuvor überschritten die Waffenverkäufe der führenden 100 Unternehmen, die von SIPRI gelistet werden, 410 Milliarden US-Dollar.

Das neue Panafrikanische Netzwerk für Gewaltfreiheit und Friedensstiftung ist die erste regionale Initiative dieser Art, die sich der Vernetzung von afrikanischen Organisationen um den gewaltlosen Widerstand widmet. Verstreut zwischen den Kasernen einer planetarischen Kriegszone finden sich viele weiße Fahnen, die täglich von Millionen Menschen erhoben werden. Sie beteiligen sich am gewaltlosen Widerstand gegen die Kräfte, die ihre Existenz gefährden.

Vor Kurzem trafen sich rund 120 dieser Friedensaktivisten in der Stadthalle Kapstadt zu einer der vierjährigen Konferenzen der 93 Jahre alten Bewegung der Kriegsgegner (WRI). Dabei handelt es sich um ein weltweites Netzwerk weit entfernter Regionen. Unterschiedlichste Initiativen kamen hier zusammen, vom Protest gegen Menschenhandel in Australien bis zu Frieden in Ruanda.

Vier Tage lang bot das Treffen einen Blick auf lebensbejahende Kampagnen, die oft nicht auf den Frontseiten erscheinen und von Schlagzeilen über Tot und Krieg verdrängt werden. Auch wenn die Friedensbewegung selten in den Nachrichten ist, wird ihre Effektivität anderswo dokumentiert. Nach einer Analyse von einem Jahrhundert Datenbestand zwischen 1900 und 2006 fand die World Peace Foundation heraus, dass gewaltloser Widerstand eine Erfolgsquote von 53 Prozent hat. Militante Bewegungen konnten dagegen nur Erfolge über 22 Prozent vorweisen.

Zu den anderen greifbaren Ergebnissen gehört die lange Liste von Erfolgen, die von der Palästinensischen Bewegung Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen (BDS) gesichert wurden. Das äußerte Omar Barghouti, Gründungsmitglied der Palästinensischen Bewegung für den akademischen und kulturellen Boykott von Israel (PACBI). Mit ihren drei grundlegenden Forderungen (ein Ende der Besetzung entsprechend der Grenzen von 1967, Beendigung des israelischen Systems der rechtlichen Diskriminierung von Palästinensern und die Durchsetzung des Rückkehr-Rechtes für palästinensische Flüchtlinge) forderte die zivilgesellschaftliche Initiative die gleiche globale Solidarität, die während des Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika ausbrach.

Sie ruft Anleger dazu auf, ihre Investitionen aus Firmen abzuziehen, die direkt von der Besetzung palästinensischer Gebiete profitieren. Alleine in den letzten drei Jahren haben wichtige europäische Pensionsfonds ihre Mittel aus israelischen Banken abgezogen. Dazu gehören der 200 Milliarden US-Dollar schwere Finanzgigant PGGM, zweitgrößter Rentenfonds in den Niederlanden.

Da Frauen und Kinder überproportional von Konflikten und Militarisierung betroffen sind, hat das Programm für Friedensstifterinnen (WFP) eine wichtige Rolle in dem Treffen gespielt. Wie ihre Programmdirektorin, Sophie Schollens, im Umfeld des Kapstädter Meetings mitteilte, besteht das Netzwerk aus rund 50 Partnerorganisationen aus allen Kontinenten. Allen gemein sei eine geschlechterbewusste aktive Gewaltlosigkeit. „Dabei handelt es sich um ein politisch sensibles Thema, da es Militarismus und das Militär aus einer weiblichen Perspektive untersucht“, sagte Schellens gegenüber IPS. „So untersuchte beispielsweise eine Aktivistin aus dem indischen Manipur in unserem Netzwerk, Sumshot Khular, die Verbindungen zwischen Militarismus, Entwicklung und Politik sowie die spezifischen Effekte dieser Verbindung auf Frauen.“

Khular weist in einer Studie, die im aktuelle WFP-Bericht veröffentlicht wurde darauf hin, dass Südasien die Heimat von mehr als 160 Millionen indigenen Menschen ist. Und doch haben nur wenige Regierungen ihre Rechte anerkannt und überlassen sie der Gnade von Entwicklern, die Kohle- und Uranbergbau betreiben beziehungsweise Erdöl und -gas ausbeuten. „Die aggressiven Entwicklungsmodelle, in Verbindung mit intensiver Militarisierung, haben nicht nur unser Land und unsere Ressourcen verschandelt, sondern auch unsere Leute – insbesondere Frauen und Mädchen“, schrieb Khular.

Mehr als 14 Fallstudien für gewaltlosen Widerstand, die in Kapstadt mit der zweiten Ausgabe eines Handbuches für gewaltfreie Kampagnen vorgestellt wurden, bieten eine gründliche Analyse gewaltloser Bewegungen aus aller Welt. In Anerkennung der Fortsetzung der moralischen Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit, wie sie von Ghandi angenommen wurde, bietet das Handbuch praktische Hinweise für Aktivisten auf allen Kontinenten.

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