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Aktuelles Thema Theologie: Debatte um den Standort Münster hat weitere Kreise gezogen. Von Ali Kocaman

Der westfälische Unfriede

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„Es gibt sehr viele Muslime, welche die Debatte wirklich sehr differenziert verfolgen, gerade unter jungen Muslimen, und die bei Professor Khorchide interessante Aussagen finden, die sie unterstützen würden. Aber genauso gut können sie auch bestimmte Bedenken, die es in der muslimischen Community und bei den muslimischen Verbänden gibt, nachvollziehen.“ (Eren Güvercin, DLF)

(iz). Der November hätte eigentlich ein Höhepunkt im akademischen Kalender des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) Münster und seinem Leiter, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, werden sollen. Hatte sich doch Bundespräsident Gauck für das Thema interessiert und seinen ­Besuch für den 28.11. angekündigt. Die Feierstimmung dürfte durch die deutliche Kritik der im Koordinationsrat der Muslime (KRM) vertretenen Verbände getrübt worden sein.

Anfang November meldete sich der Vorsitzende der Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, via Interview (siehe unten) zu Wort. Die Kritik, die auch von anderen mitgetragen wurde, ging in zwei Richtungen. Der Standort Münster agiere, der sich laut ­Universitätschefin Ursula Nelles größter Beliebtheit bei angehenden TheologInnen erfreue, „nicht im Einklang mit verfassungsrechtlichen Vorgaben“. Demnach sollten Inhalte und Personal der Lehre mit den Religionsgemeinschaften koordiniert werden. Nach Ansicht der Verbandsvertreter sei der Beirat für ein Funktionieren zwingend notwendig.

Inhaltlich zeigten sich die Vertreter – aber auch viele Studierende – unzufrieden, wie sie derzeit in Münster vertreten werden. Sie bezweifelten, ob er wie „ein Vertreter einer bekenntnisorientierten Religion“ argumentiere. Für Anfang Dezember kündigten die Verbände eine inhaltliche Stellungnahme zu den von Prof. Khorchide vertretenen Positionen an. Konkret forderten sie von der Universität, die Arbeit solange ruhen zu lassen, bis sich der Beirat konstituiert habe.

Die Antwort von Universitätsleitung und Institutsleiter kam nicht überraschend. Frau Nelles widersprach den Vorwürfen. „Es würden keine Fakten ohne Mitsprache des KRM“ geschaffen. Mit Ausnahme der Berufung von Prof. Dr. Khorchide wären Arbeitsverträge und Lehrpläne „auf ein Semester befristet“.

Laut Ursula Nelles hätten sich beinahe vier Mal so viele StudentInnen ­beworben wie es Plätze gegeben habe. Und, so die Rektorin im Interview mit der KNA, die Universität garantiere „die Forschungs- und Lehrfreiheit“. Nelles bezeichnete die Beiratslösung als „sicher nicht optimal“ und als „eine Art Hybrid-Lösung“. Beim Beirat mache man „die Bekenntnisgemeinschaft zu einem Teil der Binnenstruktur der Universität“. Solle dieser sich einmal konstituiert haben, könne er, so die Uni-Chefin, sogar den kritisierten Institutsleiter abberufen.

Immerhin, soweit es die bisherige Blockade des Gremiums betrifft, könnte demnächst Entspannung eintreten. Wie Mouhanad Khorchide am 21.11. via Facebook erklärte, habe das Bundesinnenministerium der neuen, bisher fehlenden KRM-Kandidatin, der Berliner Islamlehrerin Rukiye Kurtbecer, das Grüne Licht erteilt.

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Ali Kocaman

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