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Al-Issa verurteilt Antisemitismus im Namen des Islam

Generalsekretär der Islamischen Weltliga hatte die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht. Bericht von Christoph Scholz

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Foto: Zentralrat der Muslime, Facebook

Berlin (KNA). Der Generalsekretär der Islamischen Weltliga, Scheich Mohammed Bin Abdul Karim Al-Issa, hat seine Solidarität mit den Juden angesichts von Holocaust und Antisemitismus bekräftigt. „Wir glauben nicht, dass es im Laufe der Menschheitsgeschichte etwas wie in Auschwitz gegeben hat“, sagte der Scheich am Dienstagabend in Berlin. Antisemitismus sei nicht mit dem Islam vereinbar. Der Scheich äußerte sich bei einer Dialogveranstaltung mit dem Präsidenten der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER), dem Moskauer Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt.

Generalsekretär der Islamischen Weltliga hatte am 23. Januar mit anderen muslimischen Repräsentanten aus rund 15 Ländern und der kompletten Führung des American Jewish Committee die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht und sich danach tief betroffen gezeigt. Es war der erste Besuch einer offiziellen muslimischen Delegation in dem deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager.

Goldschmidt sprach von einem „historischen Besuch der höchsten islamischen Instanz“. Er würdigte, dass die muslimische Delegation bereit gewesen sei, Trauer und Schmerz zu teilen, und bedankte sich „im Namen des jüdischen Volkes“. Viele seiner eigenen Verwandten wurden in dem Vernichtungslager ermordet.

Auch der Scheich betonte: „Zweifellos ist das Treffen von Auschwitz ein geschichtliches und geschichtsträchtiges Treffen angesichts einer schmerzhaften Erinnerung.“ Antisemitismus sei nicht mit dem Islam vereinbar. Der Islam spreche von den Juden als „Leuten des Buches“. Er erinnerte an die Kinder, Frauen, Männer und Greise, die nur deshalb vernichtet worden seien, weil sie Juden gewesen seien. „Aber Gottes Barmherzigkeit ist über allem und stärker als das“, so der Scheich. Der Islam gebe niemandem das Recht, gegen Juden vorzugehen. Allerdings gebe es extremistische Ausprägungen in allen Religionen.

Goldschmidt bewertete als „äußerst wichtig“, dass diese Worte vom religiösen „Establishment“ aus Saudi-Arabien kämen. „Ja, wir sind gegen diesen Extremismus, wir sind gegen diesen Hass“, so der Rabbiner. „Ob Antisemitismus oder Islamophobie, wir haben das gleiche Problem.“ Beide müssten gemeinsam dagegen angehen.

Deutliche Kritik übte Goldschmidt an gesetzlichen Regelungen in Europa etwa gegen das Tragen von Kopftüchern oder muslimische Speisevorschriften. Den etablierten Parteien warf er vor, unter dem Druck von Rechtspopulisten islamophobe Gesetze zu verabschieden. Das sei „eine Gefahr für Europa“.

Der Rabbiner verlangte eine deutlich entschiedenere Regulierung der sogenannten Sozialen Medien. Die jüngsten Angriffe auf Synagogen weltweit, wie auch in Halle im Oktober 2019, seien immer im Livestream auf Facebook verbreitet worden. Die Sozialen Medien seien für diesen Terror mitverantwortlich; Politiker müssten das stoppen. Die neuen Medien seien ein mächtiges Instrument, weil sie Terrorismus und Hass ermöglichten.

Scheich Al-Issa betonte, dass die Dialoginitiative fortgesetzt werden müsse, um Brücken zu schaffen. Er kündigte eine Konferenz der Islamischen Weltliga und eines jüdischen Verbandes gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit an. Auch Goldschmidt bekräftigte den Willen zum weiteren Gespräch mit dem Islam.

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