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Allah hält zum Gehorsam gegenüber den Eltern an. Von Dr. Asadullah Yate

Gegen den zeitgenössischen Trend

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(iz). Zu den Dingen, die sich bis heute am ­besten in der muslimischen Welt erhalten konnten, zählen die Gastfreundschaft und das angemessene Verhalten gegenüber den ­eigenen Eltern. Aber es ist leider so, dass auch diese beiden Kernelemente des islamischen Ethos langsam bröckeln.

Wir müssen uns daran erinnern, dass es sich hier um eines der verpflichtenden Dinge (Sing. Farida/Pl. Faraid) handelt. Ibn Abi Zaid Al-Qairawani bekräftigte das – wie alle Gelehrten – in seiner „Risala“. Dieses Verhalten hat einen ähnlich verpflichtenden Rang wie das Gebet (As-Salat) oder die Wohlstandsabgabe (As-Zakat).

Ihren Ursprung hat diese Obligation in den familiären und verwandtschaftlichen Bindun­gen. In der Zeit der Unwissenheit vor dem Islam (Dschahilija) waren das die einzigen menschlichen Bindungen, die die ­Araber respektierten; sie standen über allem anderen. Nachdem dem Gesandten Allahs, möge ­Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, die Auswanderung aus Mekka (Hidschra) befohlen wurde, entwickelte sich diese außerordentliche Sache, die Asabijja, über die Ibn Khaldun so viel sprach. Sie geht weit über bloße Blutsverwandtschaft hinaus. Er, möge Allah ihn segnen und Frieden geben, bestimmte jemanden von den Ansar (den „Helfern“ in Medina) als Bruder oder Schwester für eine oder einen der Muhadschirun (der Auswanderer aus Mekka). Letztere ließen Besitz und den Rest ihrer Familie, die oft ihre einzige Unterstützung war, zurück. Dank der Unterweisung des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, kam es zu dieser außerordentlichen Sache. Die Prophetengefährten wurden auf einer höheren Ebene zu Brüdern und Schwestern, als sie es zuvor im Rahmen der bloßen Blutsverwandtschaft waren. Allah, der Erhabene, sagt im Qur’an: „Wahrlich, die Muminun [diejenigen, die Iman, Vertrauen, in Allah, haben] sind Brüder.“

Wie eingangs erwähnt spricht Ibn Abi Zaid Al-Qairawani in der „Risala“ davon, dass es eine Farida ist, den Eltern zu gehorchen. Auch sollten Kinder von gläubigen Eltern nach deren Tod damit fortfahren, für diese um Vergebung zu beten. Allah sagt im Qur’an: „Und dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihm dienen und zu den Eltern gütig sein sollt.“ (Al-Isra, 17) Direkt nach der Erwähnung der Göttlichen Einheit und Seinem Befehl, Ihm nichts beizugesellen, kommt der angemessene Umgang mit unseren Eltern. Alle Mufassirun [die Gelehrten der Qur’anauslegung] sind sich einig, dass dies auf den hohen Rang des vorliegenden Themas gemünzt ist.

Der in dem Vers benutzte Begriff bezüglich des Verhaltens – Ihsan – ist auch eine der Rangstufen des Islam, über die der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden, in einem berühmten Hadith sprach. Ihsan in jenem Zusammenhang hat eine besondere Bedeutung, wonach wir Allah so anbeten ­sollen, als ob wir Ihn sehen können. Denn, auch wenn wir Ihn nicht sehen, so kann Er uns doch jederzeit sehen. In seiner allgemeineren Bedeutung, wie er in dem Vers über die Eltern benutzt wird, ist Schönheit, Feinheit und Freundlichkeit im Umgang mit den eigenen Eltern gemeint.

„Wenn nun einer von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sag nicht zu ­ihnen: ‘Pfui!’“, heißt es in dem gleichen Vers ­weiter. Es ist uns nicht einmal erlaubt, den kleinsten Ausdruck der Missachtung unseren ­Eltern gegenüber zu äußern. Die Gelehrten sagen in ihren Kommentaren, dass alle anderen Äußerungen der Missachtung oder Erniedrigung der Eltern notwendigerweise ebenfalls untersagt sind. In einem Kommentar heißt es, dass man selbst bei Eltern, die keine Muslime sind, warten sollte, bis diese aufstehen und nicht vor ihnen schreiten sollte.

Und weiter: „Und fahre sie nicht an.“ Das heißt, wir müssen unsere Eltern so ­behandeln, dass wir ihnen nicht das Gefühl geben ­dürfen, unerwünscht zu sein. Jegliche Zeichen der Ablehnung müssen vermieden werden. Schließlich heißt es: „Sondern sprich zu ihnen ehrerbietige Worte.“ Damit sind eine höfliche Sprache und Zeichen des Respekts gemeint. „Und senke für sie aus Barmherzigkeit den Flügel der Demut und sprich: ‘Mein Herr, erbarme Dich ihrer, wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein war’“, findet sich im nächsten Vers. Ein Gleichnis dafür wäre die Mutterhenne, die ihre Küken unter die Fittiche nimmt. Das ist auch eine Anweisung zur Anrufung Allahs, um Seine Barmherzigkeit für unsere Eltern zu erflehen. Allah, der Erhabene, sagt in einem anderen Vers: „Und Wir haben dem Menschen befohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln.“ (Al-Ankabut, 29)

Es gibt noch viele weitere Dinge, welche die Gelehrten hier anführen, aber es gibt einen Punkt, an dem der Gehorsam gegenüber den Eltern enden muss. „Wenn sie sich aber darum bemühen, dass du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht“, heißt es im direkt folgenden Satz. Wenn Eltern demnach Druck ausüben, um in irgendeiner Weise Schirk (Beigesellung irgendeiner Macht mit Allah, Götzendienst) zu begehen, ist die Grenze erreicht. Wir ­haben die Pflicht, unsere Eltern über die wesentlichen Elemente der Glaubenslehre zu informieren, aber es gibt einen Moment, ab dem wir ihnen keinen Gehorsam mehr schulden. In einem sehr bekannten Hadith des Prophe­ten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, fragte der Gesandte Allahs seine Gefährten: „Soll ich euch nicht von den Kaba’ir [den schlimmsten der falschen Handlungen] erzählen?“ Als sie dies bejahten, antwortete er ihnen: „Schirk, Ungehorsam gegen die Eltern und falsches Zeugnis abzulegen.“ Genau wie in einem der obigen Qur’anverse folgte der Ungehorsam gegen die Eltern direkt nach der Beigesellung.

In einem Bericht des bekannten Prophetengefährten Ibn Mas’ud findet sich: „Ich fragte den Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: ‘Welche Handlungen sind die größten bei Allah.’ Der Prophet entgegnete: ‘Das Gebet zu seiner Zeit.’ Und dann fragte ich noch einmal: ‘Was kommt danach?’ Der Gesandte Allahs antwortete: ‘Das korrekte, freundliche ­Verhalten mit den eigenen Eltern.’“

In der Hadith-Sammlung von Imam ­Muslim sind einige, weitere Aussagen festgehalten. Es kam ein Mann zum Gesandten Allahs und wollte von ihm wissen: „Welche Person hat das größte Recht auf meine Gesellschaft?“ „Deine Mutter“, antwortete der Prophet. Drei Mal wiederholte der Mann die gleiche Frage und erhielt drei Mal die gleiche Antwort. Erst als der Mann das vierte Mal dieselbe Frage stellte, entgegnete ihm der Prophet: „Dein Vater.“ ‘Abdillah ibn ‘Amr berichtete, wie ein Mann zum Gesandten Allahs kam und ihn bat: „Gib mir Deine Erlaubnis, mich auf dem Wege Allahs zu bemühen.“ Der Prophet wollte von ihm wissen, ob dessen Eltern noch lebten. Als der Mann das bejahte, riet er ihm: „Dann bemühe dich auf dem Weg Allahs im Umgang mit ihnen.“

Von Abu Huraira wurde die außerordentliche Aussage des Propheten überliefert: „Der Gesandte Allahs sagte der Mal: ‘Oh, ­welcher Verlust!’ Einer seiner Gefährten wollte wissen: ‘Auf wen beziehst Du dich?’ ‘Wer noch bei seinen Eltern lebt, wenn sie ein hohes Alter erreicht haben, und er nicht in den Garten eintritt.’“ In einem Kommentar zu ­diesem Hadith erläuterte Qadi ‘Ijad Al-Jahsubi von Ceuta, dass sogar die geringste Freundlichkeit, Höflichkeit oder Großzügigkeit gegenüber den eigenen Eltern dazu führt, dass eine Person in den (Paradies-)Garten eintritt. Wenn eine Person dies also nicht tut, und gleichzeitig mit ihren alt gewordenen Eltern zusammenlebt, dann sei dies eine Person, die es in der Tat nicht verdient, in den Garten einzugehen.

Von ‘Abdallah ibn ‘Umar [einer der „goldenen Ketten“ der Hadithüberlieferung] heißt es: „Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn ­segnen und ihm Frieden geben, sagte: ‘Das Beste der Freundlichkeit gegenüber den eigenen Eltern ist, dass ein Sohn nach dem Tod seines Vaters dessen Freunde freundlich ­behandelt.’“

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