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Alles ist von Liebe getrieben

Drei Aktivisten aus Soweto berichten

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Foto: IZ Medien

(iz). Wir trafen uns mit Ubada Nchinyane, Yakub Shosana und Luqman Mogaapi in einem Straßencafé in Kapstadt. Ubada und Luqman sind seit den frühen 1980er Jahren Muslime. Beide haben – mit den älteren Mitgliedern ihrer Gemeinschaft – den Kampf gegen Apartheid, Rassismus und Gewalt erlebt. In Soweto, dem größten Township Afrikas, betreiben sie heute die älteste Moschee der Siedlung und berichten, was die Muslime attraktiv macht und warum sie so positiv sind.

Islamische Zeitung: Wie viele Muslime leben in Soweto?

Yakub Shosana: Soweto hat mindesten sechs Millionen Einwohner und ist damit das größte Township in ganz Afrika. Wir Muslime sind natürlich viel weniger und stellen ungefähr 20.000 aller Einwohner von Soweto. Für diese gibt es heute vier Moscheen. Die größte, in der Mitte Sowetos, gibt es seit 1985. Von hier aus betreibt unsere Gemeinschaft ihre Arbeit. Sie liegt so zentral, dass sie für alle relativ gut zugänglich ist. Alle anderen befinden sich etwas am Rand.
Neben dem Gebet organisieren wir in der Madrassa Unterricht für Groß und Klein. Die Kinder kommen zum täglichen Lernen nach der Schule zu uns. Dort lernen sie vorrangig den Qur’an. Die Erwachsenen haben die Möglichkeit, am Wochenende Maliki-Fiqh zu studieren.

Islamische Zeitung: Welche Bedeutung hat die Moschee für das Township?

Ubada Nchinyane: Sie ist sehr wichtig, weil sie den Menschen Hoffnung bringt. Ihre Bedeutung hängt auch von ihren Aktivitäten ab. Je mehr wir sie steigern können, desto größer wird ihre Bedeutung. Das ist gerade für neue Muslime wichtig. Es ist schwierig für sie, wenn nach ihrer Annahme des Islam nichts für sie geschieht. Das ist die Absicht hinter der Madrassa für die Erwachsenen.
Islamische Zeitung: Es mag sein, dass man als Europäer ein komplett falsches Bild von Soweto hat: Verbrechen, Armut und Drogen. Inwiefern ändert der Din das Verhalten der Leute?

Yakub Shosana: Das sind keine Vorurteile. Oft haben wir in Soweto mit solchen Dingen zu tun. Wenn die Leute den Din annehmen, verändert dies ihr Verhalten, aber oft auch ihr soziales Umfeld. Drogen sind in den Vierteln Sowetos eine große Herausforderung. Wenn die Leute zum Din kommen, stellen sie fest, dass es andere Dinge als den Rausch gibt, an dem sie sich erfreuen können. Im Wesentlichen geben wir ihnen ein anderes Muster für Erfolg als das, was sie in den Medien erhalten: Frauen, Drogen und Alkohol. Das Verhalten der Muslime ist es vor allem, was die Leute am Islam interessiert.

Islamische Zeitung: Ich habe gehört, dass für viele Schwarze in Südafrika Islam gleichbedeutend mit Indern ist.

Ubada Nchinyane: Das stimmt. Wir verhalten uns den nichtmuslimischen Mitmenschen gegenüber anders. Kurz gesagt, das Verhalten eines afrikanischen und eines indischen Muslims unterscheidet sich deutlich. Die indischen Muslime blicken größtenteils immer noch auf andere herab, während die schwarzen Muslime das nicht tun. Wir behandeln die Menschen korrekt. Sie sind unsere Leute und wir wollen, dass sie zu Allahs Din finden.
Die Herausforderung ist weiterhin, dass die meisten Schwarzen immer noch nicht den Unterschied zwischen Muslimen, Hindus oder Sikhs erkennen können. Es sind diese Stereotypen, die wir überwinden müssen. Unsere Verpflichtung ist es, hier Missverständnissen und Unkenntnis entgegenzuwirken. Wir sagen ihnen: „Schaut auf Afrika, auf den Rest Afrikas. Guckt euch die Muslime dort an und glaubt nicht, jeder Inder sei ein Muslim.“

Islamische Zeitung: Wenn Sie funktionierende Beziehungen zu Muslimen im Westen, in Europa aufbauen könnten, was würden Sie sich wünschen?

Ubada Nchinyane: Statistisch herrscht unter unseren Jugendlichen in Soweto am meisten Arbeitslosigkeit. Nach dem Abschluss der weiterführenden Schule stehen sie oft vor dem Nichts. Es wäre wunderbar, wären wir in der Lage, dieses Potenzial der Jugend – insbesondere der muslimischen – konstruktiv zu nutzen. Nicht wenige haben mit guten Noten die Schulen abgeschlossen, können sich die Universität aber nicht leisten. Wenn wir sie durch Bildung und Ökonomie ermächtigen könnten, wäre das ein großer Schritt vorwärts.

Luqman Mogaapi: Eines unserer Vorhaben wäre ein „Islamic Empowerment Fund“. Wir möchten gerne für die muslimische Gemeinschaft Geschäfte betreiben, in Soweto sind das am besten Immobilien, um die Projekte unserer Gemeinschaft zu betreiben und solche Anliegen, wie oben beschrieben, zu befriedigen. Ein machbarer Ansatz wäre der Bau von Studentenunterkünften für die bestehenden Universitäten. Mit den Mieteinnahmen könnten wir a) die Kosten der Moschee decken und b) neue Geschäfte anstreben.

Islamische Zeitung: Was bei der Begegnung mit Muslimen wie Ihnen fasziniert, ist die Positivität. Wenn man bedenkt, wie Muslime anderswo gestimmt sind…

Ubada Nchinyane: Im Wesentlichen kommt es von den Elementen des Din, die uns beigebracht wurden. Alles beruht auf Liebe. So viele haben das in der Vergangenheit gesagt. Maulana Rumi zum Beispiel, der zu den meistgelesenen Autoren im Westen zählt. Das ist der Kern unseres Gemeinwesens. In einer unserer Sprachen gibt es ein Wort, welches das gut ausdrückt: Ubuntu.

Islamische Zeitung: Vielen lieben Dank für das schöne Gespräch. (sw)

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Sulaiman Wilms

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