IZ News Ticker

Alles, nur keine Frömmler

Die Gefährten waren dynamische Charaktere, keine statischen

Werbung

Foto: Wikiwand

(iz). Das Urteil über einen Alkohol trinkenden Muslim ist leider meist eindeutig: „So kommt er in die Hölle…“ Doch wie viele wissen, dass ‘Abdurrahman bin ‘Awf und Sad ibn Abi Waqqas, zwei der zehn „Paradiesgefährten“, mit Freunden Wein tranken und Gedichte vortrugen?

In seinem Werk „Anekdoten der vier Kalifen“ beschreibt Schemseddin Sivasi, ein Gelehrter aus dem Osmanischen Reich, welche Begebenheiten Anlass des Alkoholverbotes bildeten: Der erste Qur’anvers, Alkohol betreffend, der in Mekka offenbart wurde, lautet: „Aus den Früchten der Dattelpalmen und der Weinreben gewinnt ihr ein berauschendes Getränk und gute Nahrung.“ (An-Nahl, Sure 16, 67) Hier ist noch nirgends von Erlaubnis oder Verbot die Rede.

Eines Tags gingen der würdevolle ‘Umar ibn Al-Khattab, Mu’adh ibn Dschabal und einer der Ansar zum Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Von ihm erbaten die Männer Auskunft über Alkohol und Glücksspiel, sodass der folgende Qur’anvers offenbart wurde: „Sie befragen dich nach Wein und Glücksspiel. Sprich: ‘In beiden liegt großes Übel und Nutzen für die Menschen. Doch ihr Übel ist größer als ihr Nutzen.’“ (Al-Baqara, Sure 2, 219)

Viele Gefährten schenkten dem ersten Teil größere Beachtung, in dem Wein mit einem großen Übel gleichgesetzt wird, doch einige Gefährten schenkten dem zweiten Teil größere Beachtung; ein Verbot gab es bis hierhin noch immer nicht, sodass der Konsum von Wein keine schwerwiegende falsche Handlung darstellte.

Dann kam es zu einem Vorfall in ‘Abdurrahman bin ‘Awfs Wohnung… Dieser lud einige Gefährten zum Essen ein und Wein wurde getrunken. Das Abendgebet sollte verrichtet werden und die Gefährten stellten sich auf zum Gebet. Der Vorbeter rezitierte die Sura Al-Kafirun, doch hatte er sich im Rausch versprochen. Er ließ ein „La“ weg, was die Bedeutung der Aussage umkehrte. Allah, der Weise, sandte den dritten Vers bezüglich des Alkohols herab: „Oh ihr, die ihr glaubt, nähert euch nicht dem Gebet, wenn ihr betrunken seid und bis ihr versteht, was ihr sprecht.“ (An-Nisa, Sure 4, 43). Sodann verzichteten noch mehr Prophetengefährten, möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein, auf den Konsum von Alkohol. Gemäß dem Motto: „Etwas, das uns vom Gebet abhält, kann nicht gut für uns sein.“

Doch verboten war das Trinken noch immer nicht. Einige taten es weiterhin. Nach dem Morgen- und Nachtgebet, um bis zum nächsten Gebet wieder nüchtern zu sein. Dann geschah es: Einer der ­Gefährten lud Gäste zu sich. Unter den Geladenen befand sich auch Sad ibn Abi Waqqas. Es wurde gegessen, es wurde ­getrunken, es wurden Gedichte rezitiert. Gedichte, die im Stile der Mu’allakat – Goethe lobte sie und ging fälschlicherweise davon aus, das Muhammad sie ­verboten habe –, die die Stämme rühmten. Einer der Anwesenden fühlte sich zu stark beleidigt und schlug Sad. Dieser erlitt eine Kopfverletzung und klagte den Schläger beim Gesandten Allahs an, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Nach diesem Vorfall sandte Allah, der Erhabene, den Qur’anvers herab, in dem sowohl Wein als auch das Glücksspiel verboten wurden: „Oh ihr, die ihr glaubt! Wein, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind ein Übel, das Werk Schaitans. So meidet sie, auf dass ihr erfolgreich seid. Schaitan will mittels Wein und Glücksspiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch bringen, um euch vom Gedenken an Allah und vom Gebet abzuhalten. Werdet ihr euch denn abhalten lassen?“ (Al-Ma’ida, Sure 5, 90-91)

Allah, der Erhabene, sandte uns Muhammad und machte ihn und seine Gefährten zum Anlass der Verkündung des Qur’ans, der göttlichen Weisheit. Allah hätte auch ohne Anlass die universalen Weisheiten verkünden können. Doch er wählte diese Methode, auf dass wir verstehen mögen. Die Frage ist: Welches pädagogische Konzept steckt dahinter? Ein edles Forschungsfeld.

Während wir über einen Menschen urteilen, der sündigt, wartet Allah bis zum Tod mit einem Urteil ab. Sterbliche dürfen sich kein barbarisches Urteil anmaßen, wo doch Allah, der Gerechte, abwartet. Ganz gleich, um welche Sünde es sich handelt, einen Sünder dafür zu verurteilen und die Hölle zu verheißen, stellt eine größere Sünde dar:

Oh ihr! mit richtenden Gebärden,
Ihr seid uns Menschen große Pein:
Gewährt den Menschen es zu werden,
Verlangt nicht gleich es schon zu sein!

The following two tabs change content below.
Ahmet Aydin

Ahmet Aydin

Ahmet Aydin

Neueste Artikel von Ahmet Aydin (alle ansehen)

Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde

und:
https://twitter.com/izmedien

Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!

Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen