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Alltagsfragen: Wie geht man als jugendlicher Muslim mit seiner Sexualität um?

Es gibt viel zu wenig Aufklärung

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Foto: pixabay.com, karosieben

(iz). Oft wenden sich Jugendliche – teils verzweifelt – auf der Suche nach einem Rezept an uns, wie man mit seiner Sexualität umgeht. Dies ist berechtigt, da auf Seiten von Muslimen viel zu wenig Aufklärung betrieben wird. Die Aufklärung in der Schule oder populäre Ratgeber lehren meistens nur, wie man verhütet. Dies ist aber nicht ansatzweise die Problematik, der Muslime ausgesetzt sind.

Zina – der uneheliche Verkehr – ist eine unermesslich falsche Handlung. Es ist äußerst wichtig, muslimischen Jugendlichen Verständnis entgegenzubringen, die unter natürlichen Hormonschüben der Pubertät leiden. Allah erschuf den Menschen fehlerlos und so gehören Bedürfnisse zu unserer Natur und müssen akzeptiert werden. Es ist ein Missverständnis, dass man etwas erreichen würde, wenn man es zu einem Tabuthema macht. Genau jene irrige Annahme – begleitet durch die Unterdrückung der Leidenschaften – führt oft einer Explosion.

Es sind schwierige Zeiten für die Muslime, wenn man als Jugendlicher tagtäglich mitbekommt, wie verbreitet Zina ist. Ja, viele der männlichen Jugendlichen prahlen sogar mit ihrem Umgang mit dem anderen Geschlecht und junge Musliminnen versuchen, ihre vergangenen Erfahrungen durch das Zunähen des Jungfernhäutchens zu vertuschen, oder greifen gar auf andere verbotene Dinge zurück. Es sind Aussagen, die einen tief im Herzen treffen und ein mulmiges Gefühl erzeugen. Die Verantwortung aber trägt die muslimische Gemeinschaft. Wollen wir es den Jugendlichen verü­beln, dass sie gewisse Triebe nicht beherrschen können? Dass es ihnen schwer fällt, nach der sexuellen Reife (Pubertät) sechs bis zehn Jahre enthaltsam zu leben? Ich als Jugendlicher kann sehr wohl sagen, dass es eine der größten Versuchungen und Prüfungen ist, der man als Jugendlicher ausgesetzt ist.

Zu den Zeiten der Sahaba, Allahs Wohl­gefallen auf Ihnen, war es üblich, dass man – sobald die Reife erreicht wurde – heiratete und sexuellen Verkehr hatte. Die letzten drei bis vier Generationen der Muslime haben sich aber an einem neuen Zeitgeist orientiert, der so etwas gar nicht mehr ermöglicht. Kein Jugend­licher in Europa ist mit 15 Jahren zur Heirat befähigt – sowohl aus sorgerechtli­chen Aspekten, als auch aus Mangel an geistiger Reife. Sexualität zieht aber bei diesem Zeitgeist nicht mit und so muss man sie in diese Umstände integrieren. Dies geschieht am Besten durch Verständnis und Auseinandersetzung mit der Problematik.

Die immer extremer werdende Sexu­alisierung der Gesellschaft ist maßgeblich mitverantwortlich und muss als ­aggressiv wahrgenommen werden. Wir schalten den Fernseher ein und können im Nachmittagsprogramm amerikanische Serien sehen, in denen es zu großen Teilen um sexuelle Beziehungen geht. Ebenso kann man am frühen Abend auch Szenen des Geschlechtsaktes im TV finden. Ein weiteres Problem ist, dass Jugendliche problemlos auf Webseiten mit pornografischen Inhalten surfen können, was unmissverständlich auch ein Versagen der Eltern bedeutet, die einen „Kinderschutz“ hätten einbauen können oder müssen. Dass solche Inhalte und Szenen auf Jugendliche reizvoll wirken, ist bekannt. Das Problem ist nur, dass diese völlig natürlichen und normalen Bedürf­nisse – verhaltensmäßig für die heutige Zeit – viel zu früh geweckt und gefördert werden. Denn es gibt keine erlaubte Weise für ihre Erfüllung. Zina wird immer mehr zur Modesünde der heutigen Zeit. Abgesehen vom steigenden Alkoholgenuss ist dies wohl die größte Versuchung jugendlicher Muslime und der voreheli­che Verkehr ist wahrlich keine Kleinigkeit. Das A und O bei der Lösung dieses Problems ist die verständnisvolle Präsenz Gleichaltriger. Wir Jugendlichen glauben oft nicht, dass Ältere unsere Gefühle nachempfinden können. Als ich ein ausführliches Video zu dieser Fragestellung machte, war die Resonanz unglaublich positiv. Viele Jugendliche meldeten sich privat und bedankten sich für die neue Auseinandersetzung mit dem Problem und so ist es wichtig, dies jetzt viel umfangreicher und regelmäßig zu tun.

Wie aber schützt man sich nun gegen Zina? Im Grunde genommen ist es in der Theorie recht einfach, aber eine Herausforderung in der Praxis. Es gilt, jegli­che Nähe zum anderen Geschlecht zu meiden. Viele Jugendliche haben die falsche Annahme, man könne ­Beziehungen führen, wenn sie nicht auf Körperkontakt basieren. Dies ist aber beinahe unmöglich, da die Zuneigung zueinander natürlicherweise nach körperlicher Intimität verlangt. Man befindet sich faktisch im Kampf gegen die Zeit, denn näherkommen wird man sich – ob man will oder nicht. Sei es nur ein „harmloser“ Kuss, der letztlich dennoch zur Steigerung führen kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der sehr viele Menschen „fremdgehen“. Eine Tatsache, die im Herzen schmerzt. Wenn wir Menschen früh damit beginnen, wechselnde Geschlechtspartner zu haben, wird dies zu einem ­großen Problem in der Ehe, da man nur noch einen Geschlechtspartner hat.

Wir Menschen unterliegen unserer Biologie und dürfen ihr nicht die Möglichkeit zur Entfaltung geben. Nehmen wir an, ich hätte nun eine Freundin, die ich ja dann bewusst gewählt habe, da ich sie attraktiv und sympathisch finde. Wir verbringen Zeit miteinander, lachen, reden über ernste Angelegenheiten und werden uns immer vertrauter. Seelische Zuneigung kommt hierbei aber nicht allein. Man hält Händchen, um­armt sich, küsst sich und.

Nun wären wir damit dann schon viel zu weit. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche 3,5 Beziehungen dieser Art. Für einen Muslim undenkbar – welche Moral soll man Kindern bloß lehren? Ganz abgesehen davon ist es eine traurige Tatsache, dass man in zwischen­menschlichen Beziehungen immer ­Stücke seines Herzens zurücklässt. Was wäre ich für ein Mensch, wenn ich drei Mädchen ihre Jungfräulichkeit nehme – nicht nachdenkend in den Situ­ationen der Leidenschaft – und sie in ­einer verständnislosen Gesellschaft zurücklasse. Viele dieser Mädchen werden keinen Weg in die Gemeinschaft zurück ­finden können. Die meisten jungen Männer, die über die verlorene Jungfräulichkeit hinwegsehen würden, tun das leider oft aus verabscheuenswürdigen Gründen. Jugendliche kennen den Satz „die lässt also einen ran“ leider gut genug.

Nur die wenigsten würden darüber hinwegsehen, aber was ist, wenn dieses Mädchen es zutiefst bereut? Wer interes­siert sich dafür? Ganz davon abgesehen, dass man als Mädchen dafür durch abstoßende Dinge sein Leben in Gefahr bringt und dies außerdem bei den Jungs nicht einmal thematisiert wird. Ich ­hätte drei Mädchen mutmaßlich das Leben verbaut und mir die Fähigkeit genommen, eine vernünftige Ehe zu führen beziehungsweise diese stark gefährdet. Mö­ge Allah uns davor bewahren.

Nun noch zur Thema Pornographie, die von etwa 90 Prozent aller Jugendlichen angeschaut wird. Es ist erwiesen, dass das Ansehen jener Filme tiefe Einwirkung auf die Psyche und Wahrnehmung von Jugendlichen hat. Derartige Filme sind gestellt und beinhalten oft Akte, die mit natürlichem Geschlechtsverkehr nichts zu tun haben. Sie tragen darüber hinaus nur zur weite­ren Sexualisierung bei und fördern die Vorstellung, Frauen sei Sexualobjekte. Diese Pornos haben schlichtweg abstoßende Folgen und verwirren die Jugend massiv. Deswegen ist es wichtig, sich so streng es geht von der Darstellung des Aktes zu distanzieren – in jeglicher Hinsicht. Ein Problem vieler Jugendliche ist Masturbation – sowohl Jungen als auch Mädchen. Die Rechtsgelehrten sind sich einig, dass sie im Grunde abzulehnen sei. Es sei denn, sie würde als letzter Ausweg dienen, sich von Zina fernzuhalten. Leider stützen sich viele auf diese Ausnahmebegründung und lassen sie zu einer täglichen „Sucht“ werden. Dies ist jedoch ebenfalls eher kontraproduktiv, da somit täglich intensiv an einen Sexualakt gedacht wird und man diesen sozu­sagen simuliert. Es sollte tatsächlich nur ein Ausweg sein.

Sehr wichtig ist es, dass Jugendliche sich unterstützen und beein­flussen. Wenn vier von fünf FreundenOrte meiden, in denen übermäßige Reize durch das andere Geschlecht zu finden sind, wird der fünfte mitziehen. Wenn vier von fünf Mädchen lieber „Harry Potter“, anstatt „Sex and the City“ schauen möchten, wird das fünfte mitmachen. Mädchen lassen sich leider vom gesellschaftlichen Druck regel­recht dazu zwingen, gewisse Dinge zu tun, um auf dem „Markt“ nicht uninte­ressant zu wirken. Es ist an den männlichen Jugend­lichen, dem entgegenzuwirken, indem sie kein Interesse mehr an Freizügigkeit bekunden.

Letztendlich ist das erste, was man tun muss, die Augen zu schützen vor den Anstarren. Bei den Augen fängt es an – sie sehen, wollen, verlangen und fesseln unseren Verstand. So sollte es aber nur im Ehebett sein. Denn auskosten, auf was man wartet, darf man allemal und der Islam verlangt die Befriedigung des ­EhePartners. Jugendlichen kann gesagt werden, dass sich das Warten lohnt und damit einen großen Teil der Liebe beweist. Die Sexualität muss als natür­licher Bestandteil akzeptiert werden und so liegt es an uns Jugendlichen, wie wir damit umgehen.

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