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Alter Hass in neuen Gewändern

Eine Synagoge in Kalifornien, zwei Moscheen in Neuseeland und drei Kirchen in Sri Lanka – rund um die Welt werden Gotteshäuser zur Zielscheibe. Von Bernd Tenhage

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Foto: Governor Tom Wolf, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

Washington (KNA). Der Hass ist alt, die Methoden sind neu. Auf diese Formel bringt Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center seine Erklärung für die wachsende Zahl von Anschlägen auf Gotteshäuser rund um die Welt. Zuletzt auf eine orthodoxe Chabad-Synagoge in dem kalifornischen Ort Poway, bei dem am Samstag ein junger Rechtsextremist eine Frau ermordete und drei weitere Personen verletzte. Dank Ladehemmung seiner halbautomatischen Waffe kam es zu keiner noch größeren Opferzahl.

Die Terroristen vom 11. September 2001 hätten Extremisten rund um die Welt beigebracht, dass sie weder die Rückendeckung einer Regierung noch einer Massenbewegung bräuchten. „Einzeltäter werden zu solchen Taten durch die Sozialen Medien motiviert, über die sich eine Kultur des Hasses einfach verbreiten lässt“, so Cooper.

Was auf muslimische Extremisten wie Terrormiliz „Islamischer Staat“ zutrifft, gilt gleichermaßen für weiße Rassisten und Antisemiten. Sie beziehen ihre Inspiration aus dem Netz und benutzen es, ihre extremistischen Ideen zu verbreiten. So auch der 19-jährige Täter von Poway, der seine Bluttat „Live“ auf Facebook verbreiten wollte.

Während der Link rechtzeitig entfernt werden konnte, gelangte sein an dem des Täters von Neuseeland orientiertes „Manifest“ an die Öffentlichkeit. „Es geht darum, Symbole anzugreifen, die heilig und wichtig sind“, erklärt der Chef der „Anti-Defamation League“ (ADL), Jonathan Greenblatt, die strategische Schnittmenge der Extremisten, die sich mal gegen Juden, mal gegen Muslime und in anderen Kulturen auch gegen Christen richten.

In den USA stellen Experten einen alarmierenden Anstieg bei antisemitischer Gewalt fest. Laut der letzten Zahlen der amerikanischen Bundespolizei legten diese Straftaten seit Amtsübernahme Donald Trumps um 37 Prozent zu; mehr als gegenüber jeder anderen Gruppe. Greenblatt gibt zu bedenken, „dass es gewöhnlich mit den Juden anfängt, aber niemals mit den Juden aufhört“.

Dafür spricht eine weiter gefasste Statistik der ADL, die den Trend rassistisch oder religiös motivierter Straftaten insgesamt erfasst. Diese zeigt, dass in Bezirken, in denen Trump 2016 Wahlkundgebungen hielt, die Zahl der Hassverbrechen um 226 Prozent zulegte.

Cooper und andere religiöse Führer sagen nicht, dass der Präsident dafür verantwortlich ist. Aber sie beklagen den Ton, den er setzt und die Verharmlosung weißer Nationalisten, unter denen er nach dem Fackelmarsch von Charlottesville auch ein paar „feine Leute“ ausmachte. Trump müsse sich klar gegen den Hass der Extremisten aussprechen.

Rabbi Yisroel Goldstein, der den Anschlag von Poway mit einer Schussverletzung überlebte, meint, die Regierung könnte den Gemeinden in einem ersten konkreten Schritt helfen, ihre Gotteshäuser zu sichern. „Dafür muss die Regierung die bedrohliche Situation endlich anerkennen“, sagte der orthodoxe Rabbi in US-Medien. „Mit ausreichenden Mitteln, wären wir vielleicht verschont geblieben.“ Er frage sich, wie viele Leute noch sterben müssten, bevor etwas passiere.

Sicherheit kann gerade für kleine Gemeinden kostspielig sein. Rabbi Aaron Bisno kann davon ein Lied singen. In seiner Synagoge in Pittsburgh beten heute zwei Gemeinden, die vorher in der Tree-of-Life-Synagoge ihr Zuhause hatten. Diese war vor genau sechs Monaten Ziel der bisher tödlichsten Angriffe auf Juden in den USA geworden. Zwei private Sicherheitsexperten, die 13 Stunden Wachdienste leisten, kosten ihn 1.000 Dollar am Tag.

Das andere, schwierigere Thema, ist nach Ansicht von Rabbi Cooper vom Simon Wiesenthal Center der Umgang mit den Sozialen Medien. Für extremistische Einzeltäter sei es heute zu einfach, ihre Hassverbrechen über die Sozialen Medien vorzubereiten und zu verbreiten. „Der alte Hass wird entstaubt und im Turbo durch die Sozialen Medien aufgeladen“, meint Cooper.

Der Rabbi plädiert für eine Art Selbstzensur von Facebook, Google oder Twitter, sich nicht als Plattform für die Extremisten herzugeben. „Es kostet die großen Betreiber nur ein paar Cent, sicherzustellen, dass die ‚Waffe‘, die sie geschaffen haben, nicht dabei hilft, solche Phänomene zu multiplizieren.“

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