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Alternativen für Thüringen

Kommentar zu möglichen Lehren aus der Weimarer Republik

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Foto: Candy Welz, HDWR e.V.

„Das Lager Buchenwald – in Sichtdistanz zur Stadt – stellt bis jetzt die symbolische Frage, warum das deutsche Bildungsbürgertum den nationalsozialistischen Wahn nicht verhindern konnte.“

Berlin (iz). Gegenüber dem Deutschen Nationaltheater in Weimar wurde unlängst das neue Haus der Weimarer Republik eröffnet. Es dokumentiert den dramatischen Verlauf der deutschen Geschichte zwischen dem Ende der Monarchie, der ersten deutschen Demokratie und dem Sieg der Nationalsozialisten. „Auch nach 100 Jahren hat das enorme Spannungsfeld dieser Zeit nichts von seiner Aktualität verloren“, heißt es mahnend in der Projektbeschreibung des Museums. Die Ausstellung ist sehr sehenswert.

Bei einem Rundgang durch die ehemalige Coudraysche Wagenremise versteht man schnell die sich aufdrängenden Bezüge zur Jetztzeit. Nicht zuletzt spielen die Abteilungen über den neuen Menschen, die Rolle der Massenmedien und das Trauma der Währungskrise in den 1920er Jahren auf heutige Erfahrungen an. Man denke nur an die unbewältigten Auswirkungen der Finanzkrise, die Herausforderungen der modernen Biotechnologie oder die politische Wirkung entfesselter Meinungsmacht in den sozialen Medien.

Verlässt man dieses Museum, fällt der Blick auf die beiden Dichter Goethe und Schiller, die erst nach ihrem Ableben 1857 als Ikonen auf den Sockel der neuen Nationalität gestellt wurden. Wie wir heute wissen, geriet der Satz Goethes, „der Nationalismus, sei die unterste Stufe der Kultur“ schnell in Vergessenheit. Das Lager Buchenwald – in Sichtdistanz zur Stadt – stellt bis jetzt die symbolische Frage, warum das deutsche Bildungsbürgertum den nationalsozialistischen Wahn nicht verhindern konnte.

Das Spektakel rund um die Wahl des neuen thüringischen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) mutiert unter diesen Umständen zu Recht zum Skandal. Der Kandidat der Freien Demokraten ließ zu, dass der nationalistische „Flügel“ der AfD zum ersten Mal mit seinen Stimmen den Regierungschef eines Bundeslandes ins Amt hievte. Das Erklärungsmodell, es handelte sich hier um den Versuch, die bürgerliche Mitte zu stärken, wirkt eher skurril. Immerhin – dies zeigen die Reaktionen im Land – ist nun der gesamtgesellschaftliche Widerstand gegen diese historische Zäsur spürbar.

Die Muslime in Deutschland, deren demokratische Gesinnung in den letzten Jahren oft genug hinterfragt wurde, sind hier praktisch geeint. Die einhellige Ablehnung der AfD geht einher mit der Vision eines vereinten Europas und dem Einsatz gegen den Rückfall in den antiquierten Nationalismus. Es ist an der Zeit, dass demokratische Parteien dieses Momentum als Chance begreifen und praktizierende Muslime nicht als Gegner, sondern als Partner betrachten. Hier bietet sich die Möglichkeit, die negative Energie der AfD positiv zu nutzen, indem eine der größten Minderheiten in Deutschland endlich konstruktiv integriert würde.

Link zum Museum: www.hdwr.de

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Abu Bakr Rieger

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