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Anmerkungen von Dr. Abdul Nasser Al-Masri

Der Fastenmonat im Sommer

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Nach dem Glaubenszeugnis (Schahada), dem Gebet (Salat) und der Wohlstandsabgabe ­(Zakat) ist das Fasten (Sijjam) die vierte Säule des Islam. Es hat rituelle, spirituelle, gesund­heitliche, soziale, psychologische und ökono­mische Aspekte. Für diejenigen, die bei ­jedem Gespräch über das Verhältnis von Religion und Wissenschaft Zweifel hegen, soweit es das Ramadan-Fasten und seine gesundheitlichen Folgen betrifft, solange man nicht zwei Liter Wasser täglich trinkt [eine Menge, die mittlerweile wissenschaftlich umstritten ist], genügt es zu wissen, das Fasten von Allah kommt und keine wissenschaftliche ­Beweise braucht.

Außerdem ist es eine Übung in Selbstdisziplin, besonders in den nächsten zehn Jahren. Dann tritt der Monat Ramadan wegen der Verschiebung von Mond- zur Sonnenphase in die heißeste Zeit des Jahres ein. Die Fasten­tage in dieser Zeit brauchen Ruhe, Disziplin und Übung für alle, die Schwierigkeiten damit haben.

Allah sagt: „O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!“ Ein weiterer Aspekt des Ramadans ist das gute Verhalten – Gutes reden, Mitgefühl mit den Armen, Bedürftigen und Kranken. Zu ­diesem „seelischen Fasten“ gehört vieles wie zum Beispiel: Nicht lügen, nicht schlecht über andere denken und reden und nichts übles sehen. Man könnte auch empfehlen, eine Art des „Internet-Fastens“ einzuhalten. Wer trotz des Ramadans falsch handelt, dessen Fasten wird Allah nach einer Aussage des Propheten nicht annehmen. Der Gesandte verbot seinen Gefährten darüber hinaus das ­ununterbrochene [freiwillige] Fasten. Historisch gesehen gibt es das Fasten in ­vielen Religionen und einigen Kulturen. Die ­Araber vor dem Islam kannten beispielsweise verschiedene Arten. Martin Luther sagte zu ­seinen Anhängern: „Wir sollen von den Türken [den Muslimen] das Beten und Fasten lernen.“

Was bringt der Ramadan noch mit sich? Dazu gehören beispielsweise Geduld, eine Bremsung des eigenen Egos, das Danken an die Armen, das Erleben der Gemeinschaft beim gemeinsamen Fastenbrechen und Gebet ­sowie Reduktion von Übergewicht. Eine rapide Gewichtsreduzierung ist jedoch nicht zu empfeh­len und kann sehr schädlich sein, da sich so die Zellgiftkonzentration erhöhen kann. Der Vergleich mit anderen Fastenarten ist, dass es sich hier um Fasten mit Unterbrechung handelt und nicht um ein Dauerfasten. Fasten hilft vorübergehend, den Fett- und Zuckergehalt im Blut zu reduzieren und manchen Herz- und Blutgefäßerkrankungen vorzubeugen. Außerdem reduziert es das Wasser­reservoir in den Zellen und trainiert den Körper auf den Umgang mit zwei kleinen Mahlzeiten pro Tag. Für manche kann diese Art von Fasten schädlich sein.

Die rituellen Fastenregeln befreien einen Muslim vom Fasten, wenn es einen medizini­schen Grund dafür gibt. Kompetente Ärzte können das bestimmen. Zu den Personen, auf die eine Ausnahmeregelung zutrifft, gehören Reisende, Alte und Kranke, Kleinkinder, geistig behinderte Menschen [die ­rituel­len Handlungen des Islam sind nur für jene Pflicht, die über die nötige geistige Reife und Gesundheit verfügen], schwangere Frauen, Wöchnerinnen und Stillende sowie menstru­ierende Frauen.

Während des Ramadans macht man Erfahrungen mit Hunger und Durst sowie mit der biologischen und physiologischen Umstellung des Körpers auf nächtliche Aktivitäten. Hinsichtlich des Wasserhaushaltes gilt die empfohlene Richtlinie, zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehme; im Ramadan allerdings nicht am Tage, sondern in der Zeit zwischen dem Fastenbrechen und Fastenbeginn.

Bis heute gibt es nur wenige ­wissenschaftliche Studien über das Fasten. Eine Studie der Medizinischen Fakultät der königlichen Universität von Saudi-Arabien behauptete, dass das Fasten die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern erhöhe.

Empfohlen sind im Ramadan ausreichender Schlaf, Verzicht Kaffee, Tee und Coca-Cola sowie die Zufuhr von mehr Wasser und Säften. Zum Iftar [Fastenbrechen] sollte man eine leichte, fettarme Mahlzeit mit ausreichend Obst und Gemüse und viel Flüssigkeit zu sich nehmen – aber wenig ­Süßigkeiten und kein zu scharfes oder salziges Essen.

Zum Suhur [der Mahlzeit vor der Morgendämmerung] soll der Fastende eine ballaststoffreich essen – mit geringen ­Zuckermengen. Der Gesandte Allahs sagte: „Esst beim ­Suhur, weil in ihm Segen liegt.“

Für Reisende gilt eine Ausnahmeregelung. Im Falle kurzer Strecken, die man mehrere Male im Monat Ramadan zurücklegt, gibt es bei manchen Gelehrten die Ansicht, wegen der Bequemlichkeit des modernen Reisen das Fasten nicht zu brechen. Dazu gibt es das folgen­de Hadith: „Der Prophet machte denjenigen, die gewohnt waren viel zu fasten und deswegen auch auf Reisen fasteten, keine Vorhaltungen.“ Im Ramadan pflegte der Prophet Muhammad, sein Fasten zu brechen, wenn außerhalb Mekkas auf Reisen war. Einige seiner Gefährten brachen das Fasten mit ihm, andere setzten es fort.

Die ersten Generationen der Muslime waren auch im Ramadan fleißig und arbeiteten viel. Heute tun einige so, als ob sie im Ramadan nichts schaffen könnten und erledigen ihre Aufgaben nicht wie außerhalb des Ramadans. Das hat leider negative Folge, sodass einige nichtmuslimische Arbeitgeber sich darüber bei muslimischen Gemeinden und Moscheen beschweren. Dies wird von Gelehrten abgelehnt. Sie kritisieren jene, die den Ramadan als Last und Qual empfinden, und werfen ­ihnen vor, sie hätten Allahs Botschaft nicht verstanden.

Ein Problem für schwache Muslime ist der Sommer. Eine kleine persönliche Umfrage (nicht signifikante) in mehreren Moscheen von ca. 110 Fastenden ergab folgende subjek­tive Erfahrungen: Die meisten halten bis Mittag (12-14 Uhr) durch. Von ca. 13-15 Uhr sinkt der Blutdruck ab und es entsteht ein kur­zes, starkes Hungergefühl. Ab 15 Uhr kommt es zu Hunger- und Durstgefühl gefolgt ab 16 Uhr von niedrigem Blutdruck und manchmal leichtes Kältegefühl. Interes­sant ist es, dass ab 15 Uhr die ,,Trainierten“ und Erfahrenen beim Fasten eine bessere Konzentration haben. Das liegt an ihrer Disziplin und der Tiefe des Glaubens.

Schlussendlich erinnert uns Allah im Qur’an an den Wert des Fastens: „… und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!“ (Al-Baqara)

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