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Anstrengung für die Umwelt

Sorge um die Schöpfung ist ein Beitrag für den Frieden. Von Philipp Kay

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Foto: Afroz Shah

„Und als dein Herr zu den Engeln sprach: ‘Ich will einen Statthalter auf Erden einsetzen’, sagten sie: ‘Willst Du denn dort solche Wesen haben, die darauf Unfrieden stiften und Blut vergießen? Und wir loben und preisen Dich und rühmen Deine Heiligkeit.’ Er antwortete: ‘Ich weiß, was ihr nicht wisst.’“ (Al-Baqara, 30)

(iz). Gemäß dieses Verses und di­verser weiterer ist der Mensch Statthalter (arab.: khalifa) ­Allahs auf Erden und trägt somit eine besondere Verantwortung für sie und die Natur. Allah hat diese Erde zum Wohle und als Wohnstätte des Menschen sowie zu dessen Nutznießung auf gewisse Zeit erschaffen. Er hat die Menschen zu Statthaltern auf Erden gemacht, damit sie mit dieser Erde, mitsamt allem Erschaffenen, in verantwortungsvoller Weise umgehen, aufgrund des Wissens über die Schöpfung, welches Er den Menschen geben hat und ihren von Allah verliehenen intellektuellen sowie physischen Fähigkeiten.

Wir Menschen sollen die Erde und alles, was auf und in ihr ist, die Reichtümer der Erde, nutzen, denn sie stehen uns zur Verfügung, um unsere weltlichen Bedürfnisse zu stillen – dies jedoch in einer maßvollen und verantwortungsbewussten Art und Weise. Dabei sollen wir das Maß, welches notwendig ist, um unsere materiellen Bedürfnisse zu befriedigen, nicht überschreiten. Wir dürfen demnach die Geschöpfe Allahs nicht misshandeln.

Durch die Art und Weise, wie der Mensch mit der übrigen Schöpfung umgeht, kann er sich als würdig der ihm von Gott verliehen Position als dessen Statthalter erweisen. Er kann aber auch zu etwas Niedrigerem als die Tiere verkommen, wenn er blind den ihm innewohnenden egoistischen Trieben folgt, um sich auf Kosten anderer Mitgeschöpfe zu bereichern.

Allah hat uns die natürliche Fähigkeit (arab.: fitra) verliehen, zwischen Wahrheit und Falschheit, zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit zu unterscheiden. Gerechtigkeit sollte also die Maßgabe unseres Handelns sein, sie verleitet uns zur Barmherzigkeit und Empathie für unsere Mitgeschöpfe. Eine Koexistenz aller Menschen untereinander und in Einklang mit unseren Mitgeschöpfen, den Tieren und der belebten sowie unbelebten Natur, ist somit zwingend notwendig, um den Frieden und dadurch letztlich auch die Existenz der Arten und der Artenvielfalt zu wahren.

Nur so erfüllt der Mensch die ihm von Gott verliehene und anvertraute Aufgabe und Verantwortung als Statthalter auf Erden. Der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, verbot in ­mehreren Aussagen, die uns überliefert wurden, Tiere zu quälen, sie ohne Grund zu töten oder Jungtiere den Eltern wegzunehmen. Auch untersagte er, Bäume unnötig zu fällen, Felder zu zerstören oder sonstige Arten der Vegetation zu verwüsten.

Das Verschwenden von Nahrung und Wasser sowie die Verunreinigung von Gewässern jeglicher Art wurden den Muslimen zu unerlaubten Handlungen erklärt. Zugleich rief er dazu auf, Tiere und Pflanzen zu schützen, zu pflegen und sich um ihr Wohl zu kümmern. So berich­tete der Gesandte Allahs von einer Frau, die ihre Katze quälte und verhungern ließ. Hierzu erklärte er, dass sie für ihre grausame Tat im Jenseits eine Strafe erleiden wird. Er berichtete uns auch von einem Mann, welcher einem durstigen Hund Wasser gab, weswegen dieser für seine wohltätige und barmherzige Tat ins Paradies gelangen wird.

Ein weiterer Aspekt des gerechten ­Umgangs mit der Schöpfung ist die Ernährung. Der Gesandte Allahs pflegte nur selten Fleisch zu essen. Das gemeinsame Essen ist ein wichtiger Bestandteil der islamischen Lebensweise. Auch die Tischgemeinschaft der verschiedenen Religionen miteinander ist erwünscht, denn beim Essen trifft man sich und es wird miteinander gesprochen, es ist also ein Ort des Gesprächs. Frieden und die Wahrung der Freundschaft unter den Nachbarn bis hin zu Völkern kann nur durch das gemeinsame Gespräch erreicht werden.

„Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Und die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, wie auch eure Speise ihnen erlaubt ist.“ (Al-Ma’ida, 5) Dieser Vers erklärt, dass Speisen der Juden und der Christen auch für Muslime erlaubt sind (mit Ausnahme von Alkohol und Schweinefleisch).

Tiere nehmen eine weitere Rolle in unserem Leben und im Prophetentum des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken, ein. Nachdem er und Abu Bakr eine Höhle betreten hatten, um sich vor ihren Feinden zu schützen, spann eine Spinne ihr Netz vor den Höhleneingang und eine Taube brütete ruhig in ihrem Nest vor eben dieser Höhle, sodass die Verfolger, als sie dort kamen, davon ausgehen mussten, dass an dieser Höhle bereits seit Längerem niemand vorbeigekommen sein konnte, denn sonst wäre das Netz beschädigt und die Taube hätte nicht in Ruhe dort gebrütet haben können. So retteten, auf Allahs Befehl eine Spinne und eine Taube den Propheten und seine Gefährten.

Wir werden von Allah sowohl durch den Qur’an als auch durch die Aussprüche des Propheten Muhammad dazu angehalten und ermahnt, verantwortungsvoll mit der Schöpfung umzugehen und in Frieden (arab.: salaam) mit ihnen zu leben. Letztendlich wissen wir, dass die Erde, mit allem in und auf ihr, Allah allein gehört und somit ein von Ihm anvertrautes Gut, eine wertvolle Leihgabe, ist. Nichts auf dieser Welt gehört uns, nicht einmal unsere eigenen Körper. Der Mensch besitzt daher lediglich ein Nutzungsrecht dieses göttlichen Eigentums.

Doch wie verantwortungsvoll geht die Menschheit, in ihrer Funktion als Statthalter Gottes auf Erden, mit diesem Gut um? Wie wird die Menschheit diese Leihgabe dem eigentlichen Besitzer hinterlassen? Erweisen wir uns der Ehre würdig, die Gott uns durch die Übertragung der Funktion als Seine Statthalter auf Erden verliehen hat? Gehen wir tatsächlich mit allem Leben, der Natur und ihren Ressourcen schonend und pflichtbewusst um? Wenn wir uns diese Fragen stellen, gilt es, sich daran zu erinnern, dass diese Handlungen eine Form der Anbetung (arab.: ‘ibada) sind. Ein sozial- und umweltpolitisches Engagement zum Erhalt unserer Umwelt ist Dschihad. Das Wort „Dschihad“ bedeutet „Einsatz“, „Anstrengung“ und „Bemühung“ um eine Sache. In diesem Falle, um den Erhalt unserer Umwelt.

Frieden und Umweltschutz stehen in einem kausalen Zusammenhang, denn der Schutz der Natur trägt zum Frieden in der Welt bei, da viele nationale und internationale Konflikte und Kriege aufgrund des Kampfes um die natürlichen Ressourcen wie Wasser sowie fruchtbare und dadurch bewohnbare Gebiete geführt werden. Der Kampf um die lebenswichtige Ressource Wasser wird – laut Prognosen von Friedens- und Konfliktforschern – zukünftig immer mehr zunehmen, da die Verschmutzung des Grund- und Trinkwassers sowie der Weltmeere stetig immer weiter zunimmt. Hierzu sagte bereits Maulana Dschalal ad-Din Rumi: „Der Mensch hat viele Fähigkeiten, aber das größte Talent entwickelt er bei der Vernichtung der Natur.“

Im gesamten Universum und in der uns direkt umgebenden Natur, zeigen sich die Zeichen Gottes, so heißt es im Qur’an: „Und auf Erden sind Zeichen für jene, die fest im Glauben sind, Und in euch selber. Wollt ihr denn nicht sehen?“ (Adh-Dharijat, 20-21) Bei der Betrachtung des Universums und der Natur entdeckt der Mensch die von der heutigen, atheistischen Wissenschaft sogenannten Naturgesetze, die nichts anderes als die Gesetze Allahs sind, die Er bestimmt wie Er will. Denn im Qur’an spricht Allah von Seinem „Brauch“ beziehungsweise der „Handlungsweise“ oder den „Anordnungen“, die wir als die Sunna Allahs kennen.

Die Rolle des Menschen als Statthalter auf Erden wird von Qur’ankommentatoren oft dahingehend interpretiert, dass vor dem Menschengeschlecht bereits die Dschinn (Wesen aus Feuer) auf der Erde gelebt haben, die Blutvergießen auf der Erde angerichtet haben. Dies stellt eine mögliche Erklärung dafür dar, weshalb die Engel Allah fragen: „Willst Du denn dort solche Wesen haben, die darauf Unfrieden stiften und Blut vergießen?“, da sie es, gemäß dieser Interpretation, so bereits bei den Dschinn gesehen hatten.

Eine weitere Interpretation lautet, dass mit dem Begriff „Nachfolger“ auch Nachfolger früherer Menschengenerationen beziehungsweise früherer Menschenarten gemeint sind, so beispielsweise als Nachfolger des Neandertalers. Im Rahmen dieser Interpretation könnte ich mir vorstellen, dass es sich eventuell auch um die Nachfolge auf die untergegangenen Dinosaurier handeln könnte, die – nach dem heutigen Stand der Wissenschaft – durch Naturkatastrophen ausgestorben sind. Dieses sollte uns zu denken geben und zur Reflexion anregen.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass wir Muslime zum Einhalten von Verträgen verpflichtet sind – und dieser Befehl Allahs gilt natürlich auch für nationale und internationale Verträge zum Schutz der Umwelt. Möge Allah uns Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in unser Herzen geben, um die hohe Aufgabe Seiner Statthalter auf Erden erfüllen zu können. Möge Allah uns vor egoistischem und selbstsüchtigem Handeln im Umgang mit den Menschen und der Natur schützen und bewahren, um mit allen Geschöpfen in Frieden zu leben.

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