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ARD-Reportage über die Renaissance fremdenfeindlicher Positionen

Bedrohte Heimat: Eine Reportage beleuchtet beide Positionen. Von Katharina Dockhorn

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Foto: Von Olaf Kosinsky - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47566711

Bremen (KNA). Burka- und Kopftuchträgerinnen würden den Wohlstand in Deutschland nicht vermehren – mit dieser Aussage provozierte Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, vor wenigen Monaten im Parlament. Die Journalistin Gülseren Ölcüm, in Deutschland aufgewachsen, stellt sich in der Reportage „Rabiat: Deutschland den Deutschen“ der Frage, ob sie sich an solche Meinungsäußerungen gewöhnen müsse oder gar selbst irgendwann in ihrer Heimat unerwünscht sei.

Seit Herbst 2015 beherrscht die Diskussion zwischen den Befürwortern einer multikulturellen und offenen Gesellschaft und den Bewahrern des Nationenbegriffs den öffentlichen Diskurs. Ölcüm macht sich auf die Suche nach den Ursachen für die Renaissance fremdenfeindlicher Einstellungen. Und sie versucht, sich der Diskussion mit Menschen zu stellen, die in Deutschland unter sich bleiben wollen. Das Erste strahlt den Beitrag der jungen Reportagereihe „Rabiat“ von Radio Bremen am 27. Mai um 22.45 Uhr aus.

Nur unter Polizeischutz wagt sich die junge Journalistin in eine Hochburg der deutschen Neonazis in Dortmund. Der Vermieter duldet seit Jahren den Ausbau eines privaten Wohnhauses zum Treffpunkt der rechten Szene. Die Stadt ist derweil machtlos, die fremdenfeindlichen Parolen von der Hauswand zu entfernen. Ölcüm hat außerdem Beispiele für Demonstrationen aus dem gesamten Land zusammengestellt, in denen Fremdenfeinde ihre Meinung oft lautstark artikulieren. Dagegen hat sich indes breiter Widerstand formiert. Heike Arnold geht mit den „Omas gegen rechts“ auf die Straße und nimmt mit ihren Mitstreiterinnen auch lange Anfahrtswege in Kauf, um ein Gegengewicht zu schaffen.

Rund ein Fünftel der Deutschen hat einen Migrationshintergrund, andererseits hätten fast 20 Prozent der Bevölkerung rechtspopulistische Denkmuster, sagt der Soziologe Wilhelm Heitmeyer. Aber wann ist ein Mensch überhaupt rechts? Auch darauf gibt der Konfliktforscher der Universität Bielefeld eine Antwort. Der Jurist und Publizist Michel Friedman erläutert zudem, was die Infragestellung der Gleichwertigkeit aller Menschen für die Betroffenen und das gesellschaftliche Klima bedeutet.

Vorbehalte kennt auch Gülseren Ölcüm. Sie versucht, wieder Kontakt mit einem Freund aufzunehmen, zu dem der Gesprächsfaden aufgrund rechter Meinungsäußerungen abgerissen ist. Aufgeschlossener für ein Gespräch ist Frauke Petry, die die AfD nach der Bundestagswahl 2017 verließ. Wenn die Journalistin dann aber beklagt, es sei sehr anstrengend, sich mit den Argumenten Petrys auseinanderzusetzen, ist dieses Eingeständnis bedauerlich, gehört es doch zu den Grundlagen ihres Berufes. Andererseits legt sie den Finger in die klaffende Wunde, die das Land spaltet: Ein verbaler Diskurs, ein von Empathie für das Denken des Anderen geprägter Meinungsaustausch, wird zu selten geführt.

Publizistisch wird der Beitrag dem selbstgesetzten Anspruch eines jungen Programms nur in der Hinsicht gerecht, dass er wie die anderen fünf Folgen der Reihe von jüngeren Journalisten gemacht wurde. Er unterscheidet sich formal kaum von inhaltlich ähnlichen Reportagen. Der große Unterschied ist einzig, dass die Journalistin selbst im Zentrum steht und die Sendung mit der eigenen Meinung trägt. Gülseren Ölcüm redet dabei kaum mit Menschen ihrer Generation, sondern lässt bevorzugt ergraute Experten zu Wort kommen, die bei dem Thema oft in den Medien präsent sind. Ob das Erste damit junge Leute abholt? Zweifel scheinen angebracht.

Hinweis: „Rabiat: Deutschland den Deutschen“, Regie: Gülseren Ölcüm. Das Erste, Mo 27.05., 22.45 – 23.30 Uhr.

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