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Arte über die gefährdete Lebensgrundlage vieler Fischer

Privatwirtschaft, aber auch Umweltschutz und Entwicklungshilfe sind zu teils existenziellen Bedrohungen vieler geworden. Von Katharina Zeckau

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Foto: Freepik.com

Hamburg (KNA). „Das Meer gehört allen und zugleich niemandem“: So könnte man die hier versammelten Antworten auf die zentrale Frage der Filmemacher zusammenfassen. Ob Carlos aus Costa Rica, Hassan aus Kenia oder Budha aus West-Indien – die Fischer äußern sich alle ähnlich auf die titelgebende Streitfrage „Wem gehört das Meer?“ Einzig die kämpferische Mary aus Sri Lanka formuliert es weniger diplomatisch: Ihrer Meinung nach gehört das Meer „uns Armen: Es ist der einzige Besitz, den wir haben, unser einziger Schatz!“

In dem Dokumentarfilm „Wem gehört das Meer?“, den Arte am 9. Juli um 21.40 Uhr ausstrahlt, zeigen Monika Hielscher und Matthias Heeder, wie die Privatwirtschaft, aber auch „gut gemeinte“ Initiativen aus Naturschutz und Entwicklungshilfe Fischer auf der ganzen Welt in ihrer Existenz bedrohen. Anhand von Beispielen aus drei Kontinenten skizzieren sie die aktuelle Situation der Menschen, die vom Meer leben: die muslimische Minderheit in West-Indien, zu der Budha Ismail gehört, deren Fischgründe durch ein von der Weltbank mitfinanziertes Kohlekraftwerk nahezu zerstört wurden. Der kleine Ort Barra del Colorado in Costa Rica, in dem es außer dem Garnelen- und Hummerfang keinerlei Einkommensmöglichkeiten gibt – und dessen Schleppnetze aus Naturschutzgründen verboten wurden. Neel Susantha und die anderen Fischer aus Sri Lanka, denen nach der von oben verordneten Tourismusentwicklung im Land unzählige Hotelneubauten die Zugänge zum Meer versperren.

Dazu stellen Hielscher und Heeder als positiven Gegenentwurf das Dorf Gazi in Kenia: Dem einstigen Raubbau an ihren auch für die Unterwasserwelt so wichtigen Mangrovenwäldern setzen die Bewohner inzwischen das Projekt „Mikoko Pamoja“ entgegen. Darin verpflichten sie sich zur Bewahrung und Aufforstung der Mangroven, die viel mehr Kohlenstoff speichern als Festland-Bäume und damit ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel sind. Dafür darf Gazi CO2-Zertifikate verkaufen und erwirtschaftet Gelder, die wiederum dem Gemeinwesen zugutekommen. Das Dach der Dorfschule und die Wasserversorgung wurden so finanziert – die Vertreter des Projekts zeigen sich entsprechend stolz.

Überhaupt ist „Wem gehört das Meer?“ auch und vor allem ein Film über den Zusammenschluss von Menschen geworden, ja, geradezu eine Feier menschlicher Solidarität. Ganz nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark. Die existenzielle Not schweißt die hier Porträtierten sogar über Religionsgrenzen hinweg zusammen, lässt Fischer-Kooperativen entstehen, die auf dem Markt bessere Preise und bei der Regierung bessere Bedingungen durchsetzen können, oder lässt einen Hindu und einen Moslem gemeinsam die Weltbank verklagen. Die durchweg interessanten Gesprächspartner beeindrucken denn auch mit Widerstandskraft, Eloquenz, Ausdauer sowie Selbstbewusstsein.

Hielscher und Heeder, die deutlich Partei ergreifen, bleiben sehr nahe, vielleicht etwas zu nahe an ihren Protagonisten: Die jeweilige Gegenseite kommt nicht zu Wort. Das ist einerseits konsequent, schließlich geht es den Filmemachern klar darum, auf die Lage der lokalen Fischer und ihrer Familien aufmerksam zu machen. Andererseits aber hätte man doch gerne erfahren, wieso die Weltbank das Kohlekraftwerk in Gujarat für förderungswürdig hielt. Oder welche Gefahren Umweltschützer für das maritime Schutzgebiet in Costa Rica durch die Schleppnetz-Fischerei sehen. Darüber hinaus lassen sich dem Film leichte Redundanzen und eine etwas schematische Dramaturgie vorwerfen.

Insgesamt aber überzeugt die sehr informative Dokumentation gerade in ihrer Zugewandtheit ihren Protagonisten und deren Problemen gegenüber. So transportiert „Wem gehört das Meer?“ spürbar die jeweilige Atmosphäre vor Ort – vor allem in Barra del Colorado, das den Filmemachern offenbar besonders ans Herz gewachsen ist: Wie hier der Alltag und ganze Jahreslauf vom Meer und seinem aktuellen Wellengang, vom Auftauchen oder Nicht-Auftauchen der Garnelen geprägt sind, vermittelt sich auf beeindruckend sinnliche Weise.

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