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Auf organisierte Ansprechpartner angewiesen

Interview mit Staatssekretär Markus Kerber zur Arbeit der Islamkonferenz

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Foto: BMI

Vor einem Jahr startete die vierte Phase der Deutschen Islamkonferenz (DIK). Sie dient sie als Dialogplattform zwischen Staat und Islam in Deutschland. Seitdem wurden viele Initiativen angestoßen, um die Integration der schätzungsweise fünf Millionen Muslime zu verbessern. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur berichtet der Koordinator der DIK, Markus Kerber, über aktuelle Projekte und künftige Herausforderungen.

Frage: Herr Kerber, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hofft für die Zukunft auf einen Islam in, aus und für Deutschland. Was heißt das?

Markus Kerber: Es geht um einen Islam, der seinen Gläubigen dabei hilft, sich in Deutschland zuhause zu fühlen und das Leben in der deutschen Gesellschaft nicht als Widerspruch zu ihrem Glauben zu sehen. Einen Islam, dessen Institutionen finanziell und organisatorisch nicht mehr an die Herkunftsländer gebunden sind und dessen Lehren nicht im Widerspruch zum Wertefundament der freiheitlich-säkularen Demokratie stehen.

Wir wollen einen Islam, der sich nicht in Parallelwelten verschließt, sondern in das Gefüge von Staat und Gesellschaft integriert. Diese ganze Entwicklung will die DIK in den drei Bereichen Religionspolitik, Integrations- und Gesellschaftspolitik begleiten und dabei förderliche Impulse setzen.

Frage: Beginnen wir mit der Religionspolitik. Was tut sich da?

Markus Kerber: Da liegt unser Schwerpunkt momentan auf der Ausbildung des religiösen Personals in den Moscheegemeinden. Wir brauchen mehr Imame, Prediger und Gemeindepädagogen, die in Deutschland aufgewachsen und ausgebildet sind. Sonst stellen die Gemeinden weiter Leute aus dem Ausland ein, die den deutschen Lebensalltag nicht kennen, die Integration nicht fördern und nach ein paar Jahren wieder weg sind.

Eine staatliche Ausbildungsregelung für Imame würde der Religionsfreiheit widersprechen. Im Rahmen der DIK können wir aber auf die Islamverbände einwirken, die Ausbildung ihres Moscheepersonals in Deutschland zu forcieren. Im Juni gab es dazu in Hannover ein zweitägiges Expertentreffen.

Frage: Mittlerweile gibt es in Deutschland fünf Fakultäten für islamische Theologie mit jährlich hunderten Absolventen. Warum ist das Problem damit nicht gelöst?

Markus Kerber: Weil die meisten Absolventen nicht in die Gemeindearbeit wollen. Die Löhne für Imame sind niedrig, die Leute streben lieber in die Privatwirtschaft, den öffentlichen Dienst oder ins Lehramt. Mittelfristig müssen wir deshalb überlegen, wie wir die Gemeinden finanziell stärken und von ausländischen Zahlungen unabhängiger machen können.

Eine Moscheesteuer bringt nicht viel, so lange die Verbände so wenig eingetragene Mitglieder haben. Wir können die Gemeinden bei der Bezahlung ihres Personals als Staat aber auch nicht direkt unterstützen. Denkbar ist, dass wir zum Beispiel bei der Integrationsarbeit unter die Arme greifen und so mehr Mittel für die Bezahlung des Personals bleibt. Das können aber nur Übergangslösungen sein.

Frage: Damit sind wir beim zweiten Arbeitsfeld der DIK, der Integrationspolitik.

Markus Kerber: In diesem Bereich ­haben wir im November das Projekt „Moscheen für Integration – Öffnung, Vernetzung, Kooperation“ vorgestellt. Damit fördern wir in 50 Moscheegemeinden und alevitischen Cem-Häusern Aktivitäten, durch die sie den Kontakt mit ihrer Nachbarschaft und ihrer Kommune verbessern.

Das können Projekte der Kinder- und Jugendbetreuung sein, interkonfessionelle Aktivitäten und Angebote, Infoveranstaltungen, die Einrichtung von Begegnungszentren und mehr. Insgesamt haben wir dafür sieben Millionen Euro in den nächsten drei Jahren bereitgestellt. Als Trägerorganisationen werden die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das Goethe-Institut und die Otto-Benecke-Stiftung die Moscheen bei der Projektarbeit begleiten und unterstützen.

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Christoph Schmidt

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