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Aus der Reihe: Briefe, die abzuschicken wir uns nicht getrauten

Debatte: Nächstenliebe und Asylrecht

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Lieber Bischof Ludwig Schlick,

nun haben Sie, aus dem eher beschaulichen Bamberg, sich entschieden, an der Debatte um die angebliche Aufnahme christlicher Flüchtlinge aus dem Irak teilzunehmen. Das ist Ihr gutes Recht. Allerdings ist Ihre Grundidee, genauso wie die von Innenminister Dr. Schäuble, in mehr als nur einer Hinsicht fehlerhaft. Sicherlich haben Sie Recht, dass es den christlichen Konfessionen im Irak, die übrigens sehr bunt sind, nicht gut geht.

Eine Beschreibung, die allerdings auf alle Bevölkerungsgruppen – vielleicht mit leichter Ausnahme der kurdischen Gebiete – zutrifft. Da verwundert schon die selektive Anwendung der viel beschworenen christlichen Nächstenliebe. Vergessen wird allerdings, wie so vieles in Sachen Irak, dass die Christen unter dem Diktat der Baath-Partei, die einmal sogar von Christen mitbegründet wurde, eine wesentlich bessere Stellung inne hatten als andere Bevölkerungsgruppen. Vergessen wird auch die peinliche Tatsache, dass das Büro des Papstes bis zum irakischen Einmarsch jedes Jahr ein Glückwunschtelegramm zum Gründungstag der Baath-Partei nach Damaskus und eben auch nach Bagdad geschickt hatte. Eine unglücklicher Umstand, der gerne ebenso bedeckt wird, wie der einstmals peinliche Kniefall von Rumsfeld vor dem Diktator.

Eines dürfen wir nicht außer Acht lassen: Im Irak herrscht seit der Kollaboration der Interventionsverwaltung mit dem Iran eine ethnische Säuberung im Irak. Millionen von Menschen (zumeist so genannte “Sunniten”) mussten das Land bereits verlassen. Ihre Idee, die muslimischen Nachbarn sollten sie gefälligst weiterhin aufnehmen, ist absurd. Die Kapazitäten der Nachbarstaaten sind längst erschöpft. Vor allem wenn man bedenkt, dass beispielsweise Jordanien bereits seit Jahrzehnten palästinensische Flüchtlinge beherbergt.

Das ist das eine. Das andere ist, dass unsere Anerkennung der Genfer Flüchtlingskonvention längst Makulatur ist. Immerhin werden sogar noch irakische Christen in ihre Heimat abgeschoben. Seit der Regierung Kohl mussten wir eine sukzessive Auflösung und Abschaffung des Rechts auf Asyl erleben. Diese Aufgabe wurde – ganz im Geiste des christlichen Menschenbilds – an die randständigen Gebiete der EU delegiert. Und es geht noch schlimmer: Im Mittelmeer und im Atlantik führt die EU unter dem Stichwort “Frontex” einen leisen, aber nichtsdestoweniger tödlichen Krieg gegen jene Menschen, die als Flüchtlinge das Gebiet der EU betreten wollen. Die Folgen sind deutlich: Hunderte sterben jedes Jahr bei dem Versuch, hier einzureisen.

Dass man sie nicht aufnehmen mag, ist das eine, dass aber dann auch noch Kulturkampf auf dem Rücken von Menschen jeglicher Konfession betrieben wird, hat einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Sich voller moralischer Inbrunst auf die Brust zu schlagen, und die “eigenen Werte” gegen den angeblich bedrohlichen Islam verteidigen zu wollen und dann solche Vorschläge machen: Auf den Gedanken muss man erst mal kommen!

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