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Aus gegebenem Anlass: Psychologin Sonja Wentz über die Psyche im Freiluftgefängnis

Traumatisiert in Gaza

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(IPS). Sie fühle sich durch das Grenzsystem missbraucht, stellt die amerikanische Psychologin Sonja Wentz fest, nachdem sie jüngst den Gazastreifen bereiste. Sie besuchte das Gebiet, um palästinensische Fachleute dabei zu unterstützen, den Menschen in Gaza dabei zu helfen, mit dem alltäglichen und anhaltenden Trauma fertig zu werden.

Wentz ist Fakultätsmitglied des Internationalen Trauma-Behandlungsprogramms im US-amerikanischen Olympia. Sie kooperiert mit unpolitischen Nichtregierungsorganisationen, die überwiegend in Regionen arbeiten, in denen es interne Konflikte gibt. Als jemand, der auch bei der Traumabehandlung in Kroatien und Uganda arbeitete, geht sie davon aus, dass die sys­tematische Entmenschlichung in Gaza einzigartig sei. „In Israel gibt es eine umfangreiche Struktur von Gebäuden und ein System, um Macht und Kontrolle über ihre Grenze zu demonstrieren, aber niemand sprach mit mir darüber. Die Menschen in Gaza sagen, dass die einzig vorhersagbare Sache in ihrem Leben das Leid und das Trauma ist. Aber trotz diesen ist das Durchhaltevermögen der Menschen sehr groß. Alltägliche Routine, Religion und Familienbeziehungen halten sie aufrecht“, berichtet Wentz.

Sie wies darauf hin, dass die Infrastruktur schwer beschädigt ist und Zement nicht eingeführt werden darf. Güter seien selten und Traumasymptome seien überall zu sehen. Darüber hinaus hätten die Menschen schwer an Depressionen zu tragen. Sie litten unter periodischen Rückblenden (engl. Flash­backs), könnten nicht schlafen und erführen Angstzustände. Es sei darüber hinaus für sie viel zu gefährlich, Gefühle zuzulassen, denn diese Emotionen könnten zu überwältigend sein. Also müssten sie diese unterdrücken, was zu psychosomatischen Problemen führt. „Es müsste eigentlich sehr viel Wut geben, aber ich konnte beobachten, wie diese produktiv kanalisiert wird, um ein normales Leben aufrechterhalten zu können. Es gibt jedoch familiäre Gewalt und Missbrauch als Reaktion auf das Trauma.“

Wentz fügte hinzu, dass die meisten der Menschen, denen sie in Gaza begegnete, nur ein normales Leben für ihre Kinder wollten. Sie seien bereit, ihre gesamte Habe mit anderen zu teilen. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung seien sie nicht hasserfüllt. Auch wenn viele glaubten, dass alle Hamas-Unterstützer seien, sei dies nicht der Fall. Die Menschen bräuchten viele Dinge, aber das wichtigste sei, dass sie in der Lage seien, persönliche Kontakte mit Menschen von Außerhalb zu pflegen. „Die schlimmsten Traumata sind jene, die von anderen Menschen hervorgerufen werden. Es ist wichtig, dass sie Beziehungen zu anderen Menschen haben.“

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