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„Ausdruck der Freude und des Glücks”

Ein Treffen mit dem Frauen–Musikensemble Firqah al-Muhammadiyya aus Berlin

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Foto: Firqah al-Muhammadiyah

(iz). Es ist eine Gruppe junger, intelligenter, engagierter und im deutschen Alltag fest verwurzelter Frauen, die sich einmal wöchentlich zusammenfindet, um Gott und Seinen Propheten zu preisen: die Firqah al-Muhammadiyya aus Berlin. Ursprünglich sind sie in der Absicht zusammengekommen, die Qasida al-Burda, einen altehrwürdigen gesanglichen Lobpreis auf den Propheten des Islam, lesen und singen zu lernen. Damit hat sich hier eine Gruppe von derzeit neun dynamischen Frauen formiert, die nun auch den Musliminnen einen Dienst erweisen wolle, indem sie ihnen die Möglichkeit biete, eine weibliche Gesangsgruppe für feierliche Anlässe zu buchen.

Diese Einrichtung, die in ursprünglich muslimischen Ländern lange Tradition hat, war hierzulande bis anhin Männerdomäne. Die Firqah hat mittlerweile ihr Repertoire auf melodisch rezitierte Gedichte unterschiedlichster Herkunft erweitert – wird doch der Brauch der poetischen und lyrischen Untermalung der Botschaft Allahs an unseren Propheten sowie dessen Lobpreis bis auf die Zeit seines Lebens und Wirkens selbst zurückgeführt. Beispiele dafür sind der Dichter Labid ibn Rabia Ibn Malik, dem der Prophet Muhammad „wahrste Worte“ zugestand oder Hassan Ibn Thabit, für den zum Zwecke der Rückendeckung und des Preises des Propheten sogar ein Podest in der Moschee errichtet wurde.

Die Motivation der Frauen ist vielfältig. So wird das Stärken der Geschwisterlichkeit, das Zusammenkommen und Zusammenwachsen mit Menschen, die man liebt und der spirituelle Ausgleich zum weltlichen, oft bürokratischen Alltag genannt. Aber auch schlicht „das können, was (erst mal) nur die Männer konnten“ sowie die lyrische Tradition nach außen zu tragen. Lobgesang sei verbindend. Der Ausdruck von Freude, Dankbarkeit und Gemeinsamkeit begleitet und stärkt die Gruppe.

Keine der Frauen hat ihr 30. Lebensjahr erreicht. Sie studieren, arbeiten, sind verheiratet oder nicht. Die jüngste, Batul, 15 Jahre, besucht die 10. Klasse. Die beiden Sängerinnen und Trommlerinnen, Susan H. und Lisa Marie B. sind heute nicht zugegen; Lisa Marie ist als einziges Mitglied am Islam und insbesondere an dessen musikalischer Tradition interessierte Nichtmuslimin. Sie hat Islamwissenschaften studiert und beschäftigt sich nebst ihrem derzeitigen Musikstudium mit den verschiedenen Rezitationsarten des Heiligen Qur’an.

Inspiration ist der gemeinsame Maulid am Freitagabend in einer Berliner Moschee (Haus der Weisheit). Gesungen wird ferner im Kreis der Familien, bei Krankenbesuchen sowie bei Hochzeiten oder Festen, im Kreise der Frauen. Man hält sich an die islamische Gesangstradition und kann dabei aus einem fast weltweiten Repertoire schöpfen. An die typische Tradition hält man sich auch insofern, als man nur die Trommel als Instrument benutzt. Die oben erwähnten Texte sind sich ähnlich, wobei die Rhythmen variieren.

Auch auf Deutsch wird gesungen – der Bruder eines Mitglieds hat einiges übersetzt und es liegt der Firqah daran, auch auf Deutsch zu singen, sodass der islamische Lobgesang auch hier etabliert und verwurzelt wird. Auch die Burda von Imam al Busairi kann auf unterschiedliche Weise rezitiert werden.

Von Südafrika über Marokko bis Indonesien fließen hier kulturelle Besonderheiten, der kulturelle Touch der Völker ein, die sich beispielsweise auch in der Hamziah desselben Autors manifestieren.

Was bedeutet den Frauen das gemeinsame Singen, aus der Perspektive ihres Muslimseins betrachtet? Stellt es einen Kontrapunkt oder eine Ergänzung zum oft sehr trockenen, als rein „normatives Gebilde“ dargestellten Islam dar? Janine, Studentin der Sozialen Arbeit, Erzieherin und Koordinatorin innerhalb der Akademie streicht den Gesang als verbindendes Element heraus, weshalb er immer wichtig gewesen war. Oft seien Menschen verwundert darüber, das Singen als Teil des Islam kennenzulernen. Gesang werde schnell mal „mit Haram verbunden“.

Zainab, Jurastudentin, sieht im Einbezug der Gefühlswelt einen bedeutsamen Aspekt – obwohl da manchmal „eine gewisse Hemmschwelle überwunden werden muss“. Es berührt sie die Erzählung über die Frauen, die unter einer Palme saßen und sangen, als der Prophet, Friede und Segen Allahs auf ihm, vorbeiging und sie nach ihrer Absicht und ihrer Liebe zu ihm befragte. Als sie bejahend antworteten, sagte er darauf „und ich liebe Euch!“ – „Man hofft und wünscht sich auch als Frau die Bindung zum Propheten.“

Für Zeynep K., Erzieherin und Studentin im Bereich Soziale Arbeit, war eine Reise in den Jemen ein Schlüsselerlebnis. „Zum Ritual sowohl beim Unterricht als auch bei Hochzeiten und Geburten gehört Musik und das gemeinsame Singen dazu, ohne sie ist der Anlass nicht vorstellbar. Als Ausdruck der Freude und des Glücks sowie der Bindung zu Gott“. Sie war nach dieser Reise entschlossen, diese Tradition auch hier nach Möglichkeit einzuführen: „Ich sehe im Gesang einen spirituellen Aspekt. Es wird in dieser Hinsicht auch die Seele ernährt.“

Verbindendes Element, Einbezug der Gefühlswelt, Öffnung des Herzens, Ausdruck von Freude und Glück, Nahrung für die Seele. Alles Dinge, die bei oberflächlicher Betrachtung heutzutage nicht unbedingt dem Islam zugeschrieben werden, die dennoch immer schon zum Herzen dieser Religion gehörten und die im Melodischen Heimat und Ausdruck finden. Kein Wunder, dass dem Gesang, der Musik, gerade auch auf gesellschaftlicher Ebene ein hoher Stellenwert zukommt.

Viola, Verkehrsplanerin, ist sich der verbreiteten Vorbehalte unter den Muslimen in Bezug auf Musik aller Art wohl bewusst. „Wir haben manchmal Angst, dass wenn man Islam praktiziert, die Musik nicht mehr dazugehören darf – obwohl sie immer Teil des Lebens war, ob muslimisch oder nichtmuslimisch“. So sei es durchaus sinnvoll, „diesen Aspekt, der einen großen gesellschaftlichen Anteil einnimmt“, beizubehalten und auszubauen.

Ferdaus, Germanistikstudentin und Mediengestalterin, erinnert zudem an einen gewichtigen Aspekt des Melodischen, nämlich dessen Einbindung „als etwas Geistreiches“ in der gesamten islamischen Tradition: An erster Stelle natürlich bei der Rezitation des heiligen Buches, des Qur’an, dessen Rezitation keineswegs als Gesang zu verstehen. Aber „auch die Wissenschaft im Islam hat eine sehr weite ästhetische Komponente – es gibt etliche Grundlagenwerke der Glaubenslehre, der Rechtswissenschaften, der Pädagogik, die in Form von Lehrgedichten geschrieben worden sind und dann auch mit einer ‘Melodie’ weitergegeben und auswendig gelernt wurden.“ Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass man „Texte in Versform viel besser auswendig lernen kann, als in Prosa. Dieser Aspekt interessiert und begeistert mich sehr“.

Die Feedbacks sind, so Zainab „überwiegend positiv und unterstützend“. Viele Leute seien „begeistert und berührt“. Es sei für sie motivierend, wenn man erlebe, dass man die Menschen „einmal auf ganz andere Art erreicht“, nicht auf die dozierende Art, sondern indem man das Geliebte von Herz zu Herz trage. Ferdaus hatte eindrückliche Begegnungen mit Kommilitonen an der Uni, die ihr zeigten, „wie wenig über den islamischen Lobgesang eigentlich bekannt ist und von was für einem außergewöhnlichen Projekt ich da Teil bin.“

Zu öffentlichen Auftritten allerdings wollen sich die jungen Sängerinnen bisher noch nicht entschließen – trotz einiger seriöser Anfragen diesbezüglich und trotz ermutigendem Feedback allerseits. „Wir wollen keinesfalls islamische Grenzen überschreiten und wollen in erster Linie den Frauen einen Dienst erweisen.“

Haben sie eine Botschaft an die Welt?

Zainab fällt an erster Stelle ein Zurechtrücken des Ansehens der islamischen Religion ein. „In der Gegenwart wird der Islam ja in die negative Ecke gedrückt, Frauen als unterdrückte Wesen dargestellt. Demgegenüber stellen wir das Bild studierender, beruflich und gesellschaftlich aktiver und engagierter Frauen, die sich mit ihrem Kopftuch unter die Menschen mischen. Die außerdem zusammensitzen und singen, sich aktiv einbringen, sich treffen und miteinander Spaß haben.“

Janine ergänzt, dass man sich in einer „doch recht materialistisch geprägten Zeit“ das Ziel setzt „sich für Allah ta’ala und Seinen Gesandten zu treffen und viel Zeit dafür investiert“. Gerade das Singen auf Deutsch kann als Aufruf verstanden werden, den Propheten des Islam kennenzulernen: „Er wird in unserer Religion innig gepriesen, hoch geschätzt, geliebt, in jedem Zusammenhang erwähnt. Da muss man sich doch mal fragen, warum!“

Man nennt sich „Firqa al-Muhammadiyya“, bezugnehmend auf Imam al Busairi, dessen Burda das verbindende Element und DAS Gedicht darstellt. Die Qasida Muhammadiyya war zweites Element der Gruppe – von dem der Name abgeleitet wurde. Man wünsche sich, dass man Frauen „allgemein mehr Mut macht, Eigeninitiative zu ergreifen“. Und dass die Gruppe Zuwachs erführe: „Es kann gerne jede hier dazu stoßen, egal aus welcher Gemeinde, ob jung oder alt …“

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Sumaya Mohamed-Wegenstein

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