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Bayreuth: Ex-Kanzler ist besorgt über deutsche Haltung zum Islam

Schröders Einsichten

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(pressebox). Gerhard Schröder mobilisiert die Massen: Binnen weniger Minuten waren die Plätze des Audimax und des Hörsaals 15 am Abend des 17. Dezember besetzt. Viele, die gerne die Weihnachtsvorlesung des ehemaligen Bundeskanzlers an der Universität Bayreuth gehört hätten, mussten abgewiesen werden. Im Saal bezog Schröder in einer gut einstündigen Rede Stellung zu Deutschlands Rolle in der internationalen Wirtschaft und Politik. Und er sparte dabei nicht mit Kritik an der jetzigen Bundesregierung.

Deutschland, so Schröder weiter, habe die Folgen der Wirtschaftskrise noch nicht realisiert. Er könne in Politik und Gesellschaft derzeit keine Bereitschaft erkennen, Konsequenzen zu ziehen. Anlass dafür gebe es allerdings genug: So habe die Krise etwa die Gewichte in der Weltwirtschaft weiter verschoben – weg von den Industriestaaten in Europa und Amerika, hin zu den aufstrebenden Ländern vor allem in Asien.

Durch die globale Finanzkrise hätten aufstrebende Länder wie Brasilien, Russ­land, Indien und China an wirtschaftlicher und politischer Macht gewonnen. „Diesen Ländern muss mehr Einfluss in den internationalen Institutionen gewährt werden“, erklärte Schröder. „Deshalb brauchen wir eine Institution wie die G20 als neue globale Steuerungsgruppe, die auch Schwellenländer einbezieht.“ Europa sei aufgefordert, neben China und den USA der dritte ökonomische und politische Machtfaktor zu werden. Dies werde nur gelingen, wenn die Erweiterung nach Innen und Außen fortgesetzt werde.

Schröder sieht in einem EU-Beitritt der Türkei einen Brückenschlag in die arabische Welt und einen deutlichen Sicherheitszugewinn. Grundsätzlich gelte es, das überkommene Freund-Feind-Denkmuster zu überwinden und im Speziellen das Verhältnis zum Islam, in seiner nichtfundamentalistischen Ausrichtung, zu überdenken. Auch die Haltung der Deutschen zum Islam mache ihm Sorgen. Integration bedeute nicht Assimilation. Ein Integrationsansatz, der kulturelle und religiöse Unterschiede beseitigen wolle, sei zum Scheitern verurteilt.

Dem Iran sei das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie nicht abzusprechen, so Schröder in seinen außenpolitischen Betrachtungen. Gespräche ohne Vorbedingungen seien der richtige Ansatz. Im israelisch-palästinensischen Konflikt könne nur eine Zwei-Staaten-Lösung helfen – „Israel in sicheren Grenzen und ein überlebensfähiger palästinensischer Staat.“

Ein Abzug der Militärkräfte aus Afghanistan müsse spätestens 2015 stattfinden. „Bis dahin müssen wir Obama un­terstützen.“ Zwei Drittel der Deutschen seien gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und die Regierung tue alles, dieses Legitimationsproblem noch zu verschärfen.

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