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Bei NourEnergy e.V. geht es um weit mehr als nur Photovoltaik. Ein Bericht von Diana Schild und Baraa Abu El-Khair

Aktiv für Natur und Gesellschaft

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(iz). Kohlendioxidausstoß, Plastik­müll, Wasserverschwendung. Stichworte, die in der Moschee nicht fallen, da der Islam hierzulande scheinbar keinen Bezug, geschweige denn Antworten bietet. Zumindest erweckt es im Alltag häufig den Eindruck. Viel zu beschäftigt sei man in den Unterrichtseinheiten der Moschee mit den Lehren der Glaubensgrundlagen und dem Fiqh, als dass man sich mit solch scheinbar nebensächlichen Themen beschäftigen könnte.

Aber soll das bedeuten, dass frühere Muslime – ja sogar der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, – dem Umweltschutz keine Relevanz beigemessen haben? Sind Begriffe wie Erneuerbare Energien, Bio oder Fairtrade moderne Erscheinungen, die nur eine Ausnahme beziehungsweise Minderheit von Menschen betreffen und damit unter die Kategorie des Luxus fallen?

Genau hier möchte der gemeinnützige Verein NourEnergy e.V. ansetzen und über ein gegenteiliges Bild aufklären. Es geht nicht etwa um eine Neuauslegung des Islam, sondern vielmehr um eine Wiederbelebung des traditionellen Verständnisses der Muslime: Das Umweltbewusstsein ist wesentlich und war stets fest in dieser Religion verankert. Denn der Mensch hat im Islam die Funktion des Statthalters auf Erden. Diese Aufgabe setzt einen verantwortungsvollen Um­gang mit der von Gott erschaffenen Natur voraus.

Vor fünf Jahren entstand im hessischen Darmstadt die Idee junger Akademiker, Pionierarbeit zu leisten. Am Diskurs „Erneuerbare Energien und Atomausstieg“ wollten sie sich auch als bekennende Muslime beteiligen und am Prozess der Energiewende aktiv teilhaben. Mit anfänglichen Schwierigkeiten, aus den Startlöchern zu kommen, ist NourEnergy heute eine etablierte Größe und angesehen unter Muslimen sowie Nicht-Muslimen. Das Team arbeitet ehrenamtlich in den technischen Bereichen der Photovoltaik, der Solarthermie, der Regenwassernutzung, sowie der Permakultur. Die mittlerweile knapp 30 Mitglieder sind dezentral aufgestellt und setzen sich aus internationalen und interdisziplinären Fachkräften zusammen, die die Länder und Regionen Rhein-Main, Nordrheinwestafalen, München, Hamburg/Hannover und Berlin ab­decken. Eine außergewöhnliche Gruppe mit zukunftsfähigen und effektiven Projektideen.

Zu den Referenzen zählen unter anderem die Konzeption und Bauleitung von Photovoltaikanlagen auf den Dächern zweier Moscheen und eine ganze Reihe an bundesweiten Beratungen, Vorträgen, Workshops und Seminaren. Das Bestreben der Männer und Frauen, im Alter von 17 bis 60 Jahren, weiterhin zu wachsen, um lokal agieren zu können, ist eines der größten Ziele. Vor allem in Großstädten soll die Gesellschaft für den Umweltschutz und eine verantwortungsbewusste Ressourcennutzung sensibilisiert werden.

Das bislang spannendste Projekt findet derzeit in Marokko statt. Dort ist eine Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem marokkanischen Religions- und Umweltministerium entstanden. NourEnergy berät und schult vor Ort Gemeinden individuell, um schließlich bis 2017 die energetische Sanierung von 600 Moscheen vorzunehmen. Bereits im Juni 2015 hat das erste Treffen in Rabat stattgefunden.

Sogenannte Stakeholder sollen in den intensiven Seminaren in zweierlei Hinsicht profitieren: von der fachlichen Kompetenz der gut ausgebildeten Ingenieure und zudem von der umfang­reichen Erfahrung aus der ehrenamtlichen Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen.

Zukunftsprojekt ­Faire Moschee
Seit Gründungsbeginn strebt Nour­Energy Kooperationen an und beteiligt sich an unterstützenswerten Initiativen. Die Idee „Faire Moschee“ ist zweifelsohne eines der interessantesten Projekte. Träger ist das „Forum für soziale Innovation“ aus Solingen, das seit 2013 in Zusammenarbeit mit „Wali Aktiv“ in Dortmund an einem umfangreichen Konzept für eine „Faire Moschee“ arbeitet. Die Stiftung „Umwelt und Entwicklung“ und die „Engagement Global GmbH“ (über Mittel der SKEW- Servicestelle Kommunen in der Einen Welt) fördern das Projekt für zwei Jahre.

2014 wurde eine Workshop-Reihe organisiert, die sich mit vier Leitfragen beschäftigte: Wie sieht es in den Mo­scheen in Sachen gerechter Handel und Konsum aktuell aus? Welche Instrumente würden helfen, um Moscheegemeinden dabei zu unterstützen, sensibler mit Ressourcen, Klima und Menschenrechten in aller Welt, in der Gemeinde und zuhause umzugehen? Welche Instrumente würden helfen, damit Moscheegemeinden ganz konkret aktiv werden können, um Verhaltensweisen und Handlungsroutinen in der Gemeinde, aber auch privat, zu überdenken und sich entsprechend zu organisieren?

Es geht also hauptsächlich um die Erarbeitung von Instrumenten und Maßnahmen, die die Gemeinde dazu motivieren sollen, sich für eine „Faire Moschee“ stark zu machen. Der Wunsch ist es, muslimische Multiplikatoren zu sensibilisieren und dazu zu aktivieren, für die Themen Umweltschutz, gerechter Konsum und soziales Miteinander Einsatz zu zeigen. Dazu bedarf es explizit entwickelter Handlungsstrategien. Anschließend werden diese an die Moscheen weitergegeben und die Multiplikatoren langfristig begleitet. Ein wesentliches Ziel ist es außerdem, den öffentlichen Diskurs „Islam und Eine Welt“ ins Leben zu rufen.

NourEnergy ist aktuell dabei, mit „Hima“ und kirchlichen Vertretern einen Initiativkreis zu gründen und mitzugestalten. Die Qualitätskriterien der Fairen Moschee werden in den demnächst folgenden Initiativkreis-Treffen konkretisiert. Bisher wurden im Rahmen des Pilot-Projekts mit dem Wali-Verein vier Säulen identifiziert, auf denen die „Faire Moschee“ ihrem Selbstverständnis nach stehen soll: Umwelt, Konsum, Soziales und Innovation.

Muslime – Aktiv für ­Natur und Gesellschaft
„Wahrlich, die Welt ist schön und grün, und Allah hat euch als Stellvertreter darauf gelassen, damit Er sieht, was ihr tut.“ (Prophet Muhammad, Allahs Frieden und Segen auf ihm, Quelle: Sahih Muslim)

NourEnergy wird fünf Jahre alt und lädt am 17. Oktober 2015 zu der hochkarätigen Fachtagung „Muslime – Aktiv für Natur und Gesellschaft“ in Darmstadt ein: mit Vorträgen, Podiumsdiskussion, einer interessanten Partnerausstellung und vielen, bereichernden Gästen.

Wichtigen Stakeholdern, wie etwa Dachverbänden, Vorständen von Mo­scheen und anderen sozialen Einrichtungen, Journalisten, Ingenieuren, Architekten und Umweltfreunden, soll die Veranstaltung als Plattform dienen. Gemeinsame Schwachstellen in Mo­scheen, aber auch in anderen Einrichtungen, werden aufgedeckt, das Umweltverständnis kann nochmals überdacht und analysiert werden. Basierend auf den während der Tagung gewonnenen Er­kenntnissen, beabsichtigt NourEnergy Prinzipien, Methoden sowie Konzepte für gemeinnützige Einrichtungen zu ­entwickeln, um diese zukünftig als Vorbildinstitutionen in der Gesellschaft zu etablieren.

Mit der Wahl der Thematik sollen in den Medien die Bedeutungen „Islam und Muslime“ positiv besetzt werden und die Gesellschaft soll für die Problematik Umweltschutz angesprochen und in den Dialog gebracht werden. Mit der gemeinsamen Partnerausstellung wird zum Netzwerken eingeladen. NourEnergy hofft auf neue, motivierte Mitglieder und möchte die Gelegenheit nutzen, um im Hinblick auf neue Projekte und Kooperationen erste Schritte zu setzen.

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