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Beitrag: Gaza-Konvoi dokumentiert eine erfolgreiche Medienstrategie. Von Malik Özkan

Von Macht und Meinung

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(iz). Dass die Gegner in einem Konflikt sich der Medien bei der Vermittlung ihrer Argumentationslinien bedienen, ist selbstverständ­lich. Insbesondere fällt dies im ­Internet leicht, wo die noch existenten Maßstäbe der „Qualitätsmedien“ nicht mehr greifen. Im Falle der gewaltsamen Kape­rung des ersten Gaza-Konvois kommt ­erschwerend hinzu, dass keine unab­hän­gigen Medien vor Ort waren. Dies eröffnet der bloßen Meinung – und ihrer Mani­pulation – Tür und Tor.

Während in unseren Breiten eine ­kritische Bewertung direkter wie indirek­ter Medienbeeinflussung in den nahöst­lichen Streitigkeiten oft nur in Nischen­ und Fachmedien reflektiert wird, schrieben kritische Journalisten in Israel offen darüber, wie die Regierung ihres Landes direkt in die Berichterstattung über anhal­tende Konflikte und Streitigkeiten einzugreifen versucht. Dieses Phänomen war in unseren ­Medien auch für die Nichteingeweihten einen Augenblick lang zu erkennen. Es hatte den Anschein, dass Funktionen für Leserkommentare zum Thema auf Webseiten wichtiger Massenmedien bereits kurz nach den ersten Berichten im Rahmen einer koordinierten Kampagne genutzt wurden.

Diesen Eindruck untermauern Artikel in der israelischen „Haaretz“ und der „Jedioth Ahronot“ vom Juli letzten ­Jahres über die Ausweitung der Auseinandersetzung in das Internet hinein. Demnach seien eine ganze Reihe von Helfern eingesetzt worden, um vorrangig in Europa und den USA die israelische ­Position auf Blogs, Nachrichtenseiten, Foren und sozialen Netzwerken wie ­Facebook zu vertreten. Ziel dabei seien insbesondere israelkritische Beiträge.

Dies ist allerdings keine Neuigkeit. Seit Beginn der so genannten „sozialen Netzwerke“ im Web 2.0 haben kommer­zielle Unternehmen und Interessengruppen die ihnen zur Verfügung stehen­den technischen Mittel genutzt, um ihre „talking points“ jenseits gekennzeichneter Meinung beziehungsweise Werbung beim Publikum anzubringen. Nach Angaben von „Jedioth Ahronot“ basieren diese Nutzer ihre Argumen­tationskette auf einer Linie, die vom Außenministerium vorbereitet werde. In der „Haaretz“ war zu lesen, wie engagier­te pro-israelische Studenten mittler­weile ein so genanntes App entwickelt hätten, mit dem „hunderttausende von Nutzern“ zum gleichen Zeitpunkt über die Statuszeile von Facebook mit „positiven Tatsachen über Israel“ informiert werden könnten.

In einer kurzen, prägnanten Analyse schrieb der anerkannte US-Meinungsforscher arabischer Abstammung James Zogby nach Ende des letzten Gazakonflikts, wie die erfolgreiche Medienstrategie Israels funktioniert. „Wer die ­Worte einer Debatte festlegt, wird diese ­ge­win­nen. Bereits zu Beginn ist es den Israelis gelungen, den Zusammenhang, den Ausgangspunkt und den Handlungsverlauf zu definieren, die ein Verständnis des Krieges prägen. Dieses Vorgehen der präventiven Definition und Wieder­holung ist erfolgreich“, schrieb Zogby über die grundlegende Medienstrategie Israels.

Das Wissen, dass Stereotypen funktio­nierten, beeinflusst die Nahostberichterstattung. Denn seit Generationen werde der israelisch-palästinensische Konflikt durch positive, kulturelle Bilder von ­Israelis und negative Stereotypen von Paläs­tinensern bestimmt. Außerdem sei es ein entscheidendes Element einer erfolgreichen Medienstrategie, dass man nicht nur die „Fehler des Gegners“ vorausahnen müsse, sondern sich auch auf diese verlassen könne. „Die Dummheit der Hamas spielte der israelische Strategie in die Hände“, so Zogby.

Darüber hinaus sei es von vorrangiger Bedeutung, in jedem erdenklichen ­Medium zu erscheinen, um die eigene Argumentationskette immer wieder ­vorzutragen. Bei jeder Krise stelle Israel eine Unmenge englischsprachiger ­Ver­treter zur Verfügung, die für Medien ­jederzeit verfügbar seien.

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